Das Bottroper Jahnstadion wird zum Treffpunkt der internationalen Leichtathletikstars des Behindertensports. Wer alles dabei ist, zeigt unsere Übersicht.

Die Topathleten der IDM

Der große Showdown in Bottrop

Desirée Kraczyk
06. Juni 2010, 13:09 Uhr

Das Bottroper Jahnstadion wird zum Treffpunkt der internationalen Leichtathletikstars des Behindertensports. Wer alles dabei ist, zeigt unsere Übersicht.

Zahlreiche Europa-, Welt- und Paralympicsteilnehmer treten an diesem Juni-Wochenende gegeneinader an. Von Marianne Buggenhagen, der ‚Grande Dame des deutschen Behindertensports‘, über die mehrmalige Weltrekordlerin April Holmes, dem Sprintstar Oscar Pistorius zu Fanie van der Merwe sind alle Größen der Szene vertreten. Jungspunde treffen auf Etablierte. Nicht ausgeschlossen ist, dass auch der ein oder andere neue Weltrekord bei der IDM in Bottrop aufgestellt wird.
Hier sind einige der Topstars in der Übersicht:

Marianne Buggenhagen (SC Berlin, Schadensklasse F55):
Sie ist die ‚Grande Dame‘ des deutschen Behindertensports. Unzählige Titel hat die heute 57-Jährige in ihrer Karriere gewonnen, darunter neun Goldmedaillen bei den Paralympics (seit 1992 in Barcelona), 18 bei den Weltmeisterschaften und deutlich über 100 nationale Titel. Ihre Hauptdisziplinen sind Diskus- und Speerwerfen sowie Kugelstoßen. Sie versuchte sich aber auch sehr erfolgreich über die 200 Meter und im Mehrkampf. Neben den zahlreichen vorderen Platzierungen wurde die Querschnittsgelähmte, die seit ihrem 23. Lebensjahr im Rollstuhl sitzt, zudem mit Auszeichnungen überhäuft: Viermal wurde sie vom Bundespräsidenten mit dem Silbernen Lorbeerblatt gewürdigt, 1994 wurde sie zu Deutschlands Sportlerin des Jahres gewählt. Ursprünglich hatte Buggenhagen nach den Paralympics in Peking, die für sie mit einem Weltrekord und Gold im Kugelstoßen endeten, das Ende ihrer Karriere angekündigt. Aber der nach wie vor große Erfolg gibt ihr keinen Grund dafür. Ihr nächstes Ziel ist die WM in Christchurch/Neuseeland.

Wojtek Czyz (1. FC Kaiserslautern, F42/T42):
Der Sportstudent stand vor dem Sprung in den Regionalligakader von Fortuna Köln, als er bei seinem letzten Spiel für seinen Verein VfR Grünstadt im September 2001 mit gestrecktem Bein am Knie getroffen wurde. Sein linker Unterschenkel musste nach einer Reihe von Behandlungsfehlern amputiert werden. Noch während seiner Reha entschied er sich für die Fortsetzung seiner Sportlerkarriere. Bei seinen ersten Paralympics in Athen 2004 gewann er dreimal Gold (100, 200 Meter und Weitsprung). 2008 stellte der 29-Jährige in Peking im Weitsprung einen neuen Weltrekord auf – und holte sich Gold.

Michaela Floeth (TSV Bayer Leverkusen, F44):
Die 41-Jährige ist eine überragende Diskuswerferin und Kugelstoßerin. Ihr erstes Gold holte die Unterschenkelamputierte – ihr großer Schicksalsschlag war ein bösartiger Tumor am rechten Bein, der 1988 bei der damals jungen Handballspielerin diagnostiziert wurde – 2000 in Sydney. In Peking kam für die Weltrekordweite von 12,58 Metern in ihrer Klasse Bronze hinzu (beides Kugel).

Ilse Hayes (Südafrika, F13/T13):
Bei ihren bisherigen zwei Paralympics-Teilnahmen hat sie drei Medaillen geholt. Besonders erfolgreich für die Sehbehinderte war Peking. Dort gewann sie Gold im Weitsprung (5,68 Meter) und Silber über 100 Meter.

Frances Herrmann (LC Cottbus, F34):
Für die junge Cottbuserin war bereits mit der Nominierung für Peking ein Traum in Erfüllung gegangenen. Die spastisch gelähmte Leichtathletin stellte in ihrer Klasse schließlich sogar mit 21,19 Metern einen neuen Weltrekord im Diskuswurf auf und holte Silber.

April Holmes (USA, T44):
Bei einem Zugunfall verlor die Amerikanerin ihr linkes Bein unterhalb des Knies. Seit 2002 ist sie in der Leichtathletik aktiv und stellte seither mehrere Weltrekorde in den Sprintdisziplinen auf (100, 200 und 400 Meter). In Peking gewann sie Gold über 100 Meter, und das, obwohl die Favoritin wenige Tage zuvor im 200-Meter-Endlauf gestürzt war.

Kate Horan (Neuseeland, T44):
Von dem Sturz von April Holmes, die auch die Französin Marie-Amelie le Fur mit zum Fall brachte, profitierte in Peking Kate Horan, denn sie stand stattdessen unerwartet auf dem Podium und wurde mit der Silbermedaille geehrt.

Marie-Amelie le Fur (Frankreich, T44):
Die 21-Jährige ist seit einem Verkehrsunfall 2004 unterschenkelamputiert. Bereits zuvor war sie eine erfolgreiche Leichtathletin. Nur vier Monate nach ihrem Unfall kehrte sie bereits wieder auf die Bahn zurück. Bei ihren ersten Paralympics in Peking gewann sie Silber über 100 Meter und im Weitsprung.

Eva Kacanu (Tschechien, F54):
Die Querschnittsgelähmte verdiente sich 2008 in Peking mit ihrer Weite von 6,73 Meter die Goldmedaille.

Hilton Langenhoven (Südafrika, F12/T12):
Der 26-Jährige ist neben Oscar Pistorius der erfolgreichste Athlet im Team der Südafrikaner. Bei den Paralymics in Peking gewann er gleich drei Goldmedaillen: im Weitsprung, Fünfkampf und über 200 Meter. In seinem Heimatland wurde er anschließend als Sportler des Jahres ausgezeichnet. In zwei Jahren will er in London an den Start gehen. Und Langenhoven kündigt schon einmal an, dass er noch mehr erreichen kann.

Thomas Loosch (TV Wattenscheid 01, F38):
Der 47-Jährige gewann zuletzt in Peking 2008 Bronze im Kugelstoßen, ebenso wie bereits vier Jahre zuvor in Athen. Der mehrmalige Welt- und Europameister gehört zu den etablierten Kräften und nimmt auch London in Angriff.

Nicholas Newman (Südafrika, F36):
Der Südafrikaner errang mit seiner Weite von 42,48 Meter im Speerwurf Bronze bei den Paralympischen Spielen in Peking.

Claudia Nicoleitzik (TV Püttlingen, T36):
Als 18-Jährige ging sie in Peking zunächst über 200 Meter an den Start und holte sich Silber. Nur drei Tage später wiederholte sie ihren Triumph mit dem zweiten Platz über 100 Meter.

Oscar Pistorius (Südafrika, T44):
Er gilt mittlerweile als Symbolfigur des Behindertensports. Über 100, 200 und 400 Meter ist er Weltrekordhalter. In Peking gewann er drei Mal Gold.

Rostislav Pohlmann (Tschechien, F57):
Der Tscheche gewann in Peking Bronze im Diskus- und Speerwerfen. Der Querschnittsgelähmte, der als Jugendlicher beim Rodeln verunglückte, ist allerdings nicht nur in der Leichtathletik erfolgreich, sondern auch im Basketball. Dort spielt er in der tschechischen Nationalmannschaft und bei den RSC Rollis Zwickau.

Birgit Pohl (TSV Gera, F34):
Von ihren vierten Paralympics kehrte die heute 56-Jährige mit Silber im Kugelstoßen und Bronze im Speerwerfen zurück. Im Diskus erreichte sie zudem den vierten Rang. Paralympicssiegerin wurde sie zuvor in Sydney (Diskus) und Atlanta (Kugel). Zudem ist sie mehrmalige Weltmeisterin.

Heinrich Popow (TSV Bayer 04 Leverkusen, T42):
Der 26-Jährige ist einer der Stars des deutschen Leichtathletik. Seit seinem neunten Lebensjahr ist er oberschenkelamputiert. 2004 in Athen nahm er an seinen ersten Paralympics teil, und gewann drei Mal Bronze. Sein Ziel für Peking war, die 13-Sekunden-Schallmauer über 100 Meter zu unterbieten, und das hat er geschafft. Für seine Zeit von 12,98 Sekunden wurde Popow, der EDV-Mann der Profifußball-Abteilung der Leverkusener, mit Silber belohnt. Bei der IWAS-WM in Bangalore verbesserte er sich zuletzt auf 12,26 Sekunden. Nun will er Deutschlands Nummer eins in seiner Klasse werden.

David Roos (Südafrika, F46):
Den zweiten Platz im Weitsprung hinter dem Franzosen Arnaud Assoumani, der in zwei Jahren bei den Olympischen Spielen in London teilnehmen möchte, belegte bei den Paralympics in Peking David Roos. Er sprang in seiner Klasse 6,64 Meter weit, Assoumani 7,23 Meter.

Matthias Schröder (PSC Berlin, T12):
Im Weitsprung hält der 27-Jährige in seiner Klasse den Weltrekord von 7,47 Meter, aufgestellt im vergangenen Jahr beim Internationalen Paralympics Day. Ein Jahr zuvor gelang dem sehbehinderten Sportler sein bisher größter Erfolg. Im „Vogelnest“ von Peking wurde er über 400 Meter Olympiasieger und holte damit einer der insgesamt fünf Goldmedaillen des deutschen Leichtathletik-Teams.

Maria Seifert (HSC Erfurt, T37):
Die 19-Jährige hat in ihrer noch jungen Karriere bereits eine erfolgsgekrönte Paralympics-Teilnahme stehen. In Peking gewann sie sowohl über 100 als auch über 200 Meter die Bronzemedaille.

Thomas Ulbricht (PSC Berlin, P12):
Der amtierende Europameister im Fünfkampf feiert seit 2003 große Erfolge. 2006 wurde er in seiner Disziplin Weltmeister, 2008 kam in Peking eine paralympische Medaille hinzu. Im Fünfkampf wurde er in seiner Klasse Zweiter.

Fanie van der Merwe (Südafrika, T37):
Ein weiterer Topstar aus Südafrika. In Peking gewann er Gold über 100 und 200 Meter. In diesem Frühjahr verbesserte er gleich zwei seiner Weltrekorde. Seine Marke von Peking (23,84 sec) korrigierte er auf 23.19 Sekunden.

Martina Willing (SG Stahl Brandenburg, F56):
In Barcelona nahm die 50-Jährige 1992 an ihren ersten Paralympischen Spiele teil. Zwei Jahre später startete sie sogar in Lillehammer bei den Winterspielen. In Peking wiederholte sie ihren Triumph von Atlanta und wurde in ihrer Paradedisziplin, dem Speerwurf, erneut Olympiasiegerin. Im Kugelstoßen kam noch Silber hinzu. Damit hat Willing mittlerweile zwölf Medaillen bei den Paralympics abgeräumt.

Autor: Desirée Kraczyk

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