Deisler vor seinem `hoffentlich letzten´ Comeback

17. November 2006, 12:01 Uhr

Sein wievieltes Comeback das nun bei Bayern München ist, weiß Sebastian Deisler beim besten Willen nicht.

Sein wievieltes Comeback das nun bei Bayern München ist, weiß Sebastian Deisler beim besten Willen nicht. Das zweite? Das dritte? `Hoffentlich das letzte´, sagt er schließlich - und lacht. Acht lange und von Selbstzweifeln gekennzeichnete Monate hat Deisler diesmal um seine Zukunft als Fußball-Profi gekämpft. Am Samstag, beim Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, wird er zum ersten Mal seit dem 4. März in der Bundesliga zumindest wieder auf der Bank sitzen. Seinen letzten Einsatz für den FC Bayern hatte er 8. März beim Achtelfinal-Aus in der Champions League beim AC Mailand (1:4). `Ich bin froh, wieder dabei zu sein´, sagt Deisler, und sein Lachen verrät mehr Erleichterung als seine Worte. Diese acht Monate seit dem 14. März dieses Jahres, als er sich eine Knorpelabsprengung im rechten Knie zuzog, seien eine Qual für ihn gewesen - nicht nur körperlich. `Wenn man so lange verletzt ist, dann kommen natürlich auch Zweifel auf´, gesteht Deisler, `man weiß nicht, was wird. Man macht sich da eben viele Gedanken...´

Zwischenzeitlich hat ihm der FC Bayern den Vertrag bis 2009 verlängert, aber er selbst, so klingt durch, hat mitunter nicht mehr an sein Comeback geglaubt. Die Selbstzweifel sind verständlich. Seit er 1998 für Borussia Münchengladbach erstmals in der Bundesliga spielte, hat Deisler etwa 20 Verletzungen verkraften müssen. Unter anderem riss ihm im rechten Knie, das nun schon zum fünften Mal operiert worden ist, zweimal das Kreuzband. Hinzu kamen die Phasen 2003 und 2004, in denen er wegen Depressionen behandelt wurde.

Deisler hat dadurch die WM 2002 und 2006 verpasst und seit dem Wechsel von Hertha BSC Berlin im Sommer 2002 nur 58 von 147 möglichen Bundesligaspielen für den FC Bayern bestritten. Nun also der hoffentlich letzte Comeback-Versuch. Deisler, erstaunlicherweise immer noch erst 26 Jahre alt, glaubt sich besser vorbereitet als in der Vergangenheit. Er hat sich ganz bewusst mehr Zeit gelassen bei seinen Bemühungen um eine Rückkehr. Bislang, sagt der 36-malige Nationalspieler, habe er `zu früh zu viel gewollt, das ging immer schief, das wollte ich diesmal unbedingt vermeiden.´

Zum entscheidenden Dialog kam es in dieser Woche. Er fühle sich bereit, sagte Deisler, als ihn Trainer Felix Magath unvermittelt ansprach um zu erkunden, wie es denn nun gehe. Die Nominierung für das Spiel gegen den VfB Stuttgart war eine logische Konsequenz, denn Deisler ist körperlich offenkundig gut in Schuss. Zunächst hat er mit der Regionalliga-Mannschaft trainiert. Deren Trainer Hermann Gerland hat ihn `überschwänglich gelobt´, weiß Magath zu berichten und betont, mit Deislers Berufung nun kein allzu großes Risko einzugehen: `Er hat konstant gut trainiert.´ Er hat dem Rückkehrer auch schon öffentlich zugesagt, dass er `seine Einsätze bekommen wird, wenn auch noch nicht von Anfang an´. Deisler geht ohnehin davon aus, `dass ich mir meinen Platz in der Mannschaft erst wieder erarbeiten muss´, er sagt aber auch: `Ich hoffe, dass ich der Mannschaft helfen kann.´

Das hofft Magath sicher nicht minder. Deisler, sagt er vorausblickend, könne über die rechte Seite kommen - und mit Bastian Schweinsteiger eine Art `Flügelzange´ bilden. `Es kann auch sein, dass wir ihn zentral ausprobieren´, sagt der Coach. Deisler würde es freuen: In einer zentralen Position hat er sich immer am wohlsten gefühlt - wenn er denn dort mal spielte.

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