Marcel Koller mag es nicht mehr hören! Immer dann, wenn das Thema auf die furchtbare Heimbilanz (sechs Spiele, fünf Niederlagen) gelenkt wird, verzieht der Bochumer Coach sein Gesicht:

Bochum: Stadion-Atmosphäre im Training schnuppern / Heimblokade reparieren

gp
17. November 2006, 10:44 Uhr

Marcel Koller mag es nicht mehr hören! Immer dann, wenn das Thema auf die furchtbare Heimbilanz (sechs Spiele, fünf Niederlagen) gelenkt wird, verzieht der Bochumer Coach sein Gesicht:

Marcel Koller mag es nicht mehr hören! Immer dann, wenn das Thema auf die furchtbare Heimbilanz (sechs Spiele, fünf Niederlagen) gelenkt wird, verzieht der Bochumer Coach sein Gesicht: "Ich will davon nichts mehr wissen." Doch nach dem 3:3 bei Hertha BSC Berlin spürt man im VfL-Lager die Zuversicht, dass am Freitag im heimischen rewirpowerSTADION gegen Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr) ein Neuanfang gelingen kann. Einheitlicher Tenor: "Die Zeit ist reif für den zweiten Heimdreier."

Dafür zieht Koller alle Register, ließ am Dienstag und gestern Vormittag auf dem Feld des Stadions trainieren, solch eine Aktion gehörte in den letzten zwei Jahrzehnten zu den absoluten Ausnahmen. Koller: "Ich wollte, dass die Mannschaft wieder ein Gefühl für das Stadion bekommt, außerdem sind die Maße gegenüber dem Trainingsplatz ganz andere. So fällt die Eingewöhnung leichter."

Morgen ist also der Tag, an dem der VfL die große Chance hat, sich mit seinem Publikum zu versöhnen – der richtige Anlass, um zu zeigen, dass man Kampf und Leidenschaft auch auf dem heimischen Rasen zeigen kann. Koller: "Die Zuschauer haben an unserer Misere doch keine Schuld, wir haben einfach nicht gezeigt, was wir können. Spüren die Fans, dass wir malochen, dann haben wir sie auf unserer Seite." Dabei weiß auch der Fußballlehrer, dass dies nicht unbedingt eine Sache des Willens ist: "Das ist oft ein mentales Problem." Dies versucht Koller gemeinsam mit dem Sportpsychologen Thomas Graw "zu reparieren". Endlich soll die Blockade aus den Köpfen der Spieler. Der Bochumer Coach glaubt, dass dabei die Erlebnisse von Berlin helfen können: "Wie schon gegen Leverkusen sind wir durch einen Fehler in Rückstand geraten, diesmal aber sind wir zurück gekommen. Das macht den Unterschied."

Und so will Koller spätestens in der Mannschaftssitzung vor der Partie noch einmal die Stärken, die bisher ausschließlich in den Auswärtsspielen auftraten, in seine Besprechung mit einbeziehen. Koller: "Entscheidend wird sein, dass sich im Bewusstsein festsetzt, dass wir alles für den Erfolg tun müssen." Der Ex-Kölner verzichtet darauf, mit seinem Team vorzeitig ins Trainingsquartier zu fahren. Erst morgen am Spieltag nach einem leichten Lockerungstraining geht es nach Castrop-Rauxel.

Gespannt wird Koller heute Mittag am Stadion die Rückkehr von Fanis Gekas erwarten. Bochums gefährlichster Angreifer kommt direkt aus Paris, wo er am gestrigen Abend am Länderspiel der Griechen gegen Frankreich zum Einsatz kam. Koller gestern: "Am Nachmittag war noch nicht klar, wie lange er spielt."
Der Bochumer Trainer muss die Mannschaft gegenüber dem Match in Berlin ohnehin umbauen. David Pallas steht nach seiner Ampelkarte ebenso nicht zur Verfügung wie Christoph Dabrowski, der im Olympiastadion die fünfte "Gelbe" gesehen hatte. So gilt es als sicher, dass Pavel Drsek nach überstandener Verletzung in die Innenverteidigung zurückkehrt und zwar an die Seite von Heiko Butscher. Dann können sich Thomas Zdebel und Marcel Maltritz die Position im defensiven Mittelfeld teilen.

Auch in der Offensive scheinen die Rollen klar verteilt. Wie schon in der Hauptstadt stürmt Zvjezdan Misimovic hinter Gekas. Unklar ist noch die Besetzung der rechten Außenbahn. Die mögliche Variante: Oliver Schröder rückt auf die Pallas-Position und Ivo Ilicevic sorgt über rechts für zusätzlichen Angriffs-Schwung. Koller gestern vielsagend: "Ich habe mich noch nicht endgültig festgelegt." Der Trainer beschäftigte sich gestern auch genau mit dem Gegner aus Frankfurt, der vor dem Auftritt in Bochum ganz andere personelle Dinge berücksichtigen muss. Ioannis Amanatidis und Sotirios Kyrgiakos gestern ebenfalls zum Griechenland-Aufgebot, spielten Benjamin Huggel und Christph Spycher mit der Schweiz gegen Brasilien und Aleksandar Vasoski mit Mazedonien gegen Russland – sicherlich kein Vorteil für das Friedhelm Funkel-Team.

Koller hofft übrigens, dass seine Schützlinge diesmal die Startschwierigkeiten der Anfangsphase in den Griff bekommen, aber so ganz verwundert ist der 46-Jährige darüber nicht: "Meine Spieler sind auch nur Menschen und wenn du in der ganzen Woche immer wieder von außen etwas auf die Fresse bekommst, dann ist der Kopf erst einmal unten und das Selbstvertrauen dahin." Doch davon war in den letzten Trainingstagen nichts zu spüren, ganz im Gegenteil, die Mannschaft pusht sich hoch, wissend, dass UEFA-Cup-Teilnehmer Frankfurt zwar eine junge, hungrige Truppe hat, die aber keinesfalls als unschlagbar gilt.

Autor: gp

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