Kaiser fordert Verstärkungen, Klartext von van Buyten, Hoeneß

09. November 2006, 12:13 Uhr

Am Sonntag polterte Manager Uli Hoeneß noch gegen die negative Berichterstattung und richtete eine Kampfansage im Titelkampf an Werder Bremen, drei Tage danach blickt der deutsche Fußball-Rekordmeister Bayern München mit sechs Punkten Rückstand gen Spitze.

Am Sonntag polterte Manager Uli Hoeneß noch gegen die negative Berichterstattung und richtete eine Kampfansage im Titelkampf an Werder Bremen, drei Tage danach blickt der deutsche Fußball-Rekordmeister Bayern München mit sechs Punkten Rückstand gen Spitze - und sucht etwas hilflos nach Wegen aus der Krise. Nach der 0:1-Heimniederlage gegen den bisherigen Tabellenletzten Hannover 96 ist Ratlosigkeit eingekehrt, die schlechteste Bilanz (vier Niederlagen nach elf Spielen) nach dem ersten Saisondrittel seit 32 Jahren hat Spuren hinterlassen. Der Manager schwieg dieses Mal. Klartext gab es dagegen vom Präsdenten. `Ich würde es bewillgen, ja. Ich würde es gut finden, ja. Aber der Spieler muss dann auch dazupassen´, sagte Franz Beckenbauer dem kicker auf die Frage, ob er sich Verstärkungen wünscht.

Damit stellte sich der Kaiser gegen Hoeneß, Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge und Trainer Felix Magath, die betont hatten, die Saison mit dem aktuellen Kader bestreiten zu wollen. Klare Worte fand auch Abwehrchef Daniel van Buyten. `Man muss sich auf dem Platz mehr zeigen. Es ist schwierig, ein Spiel zu gewinnen, ohne zu laufen. Man kann ein Spiel verlieren, aber jeder muss alles geben. Das war heute nicht der Fall´, sagte der Belgier. Magath dagegen stellte sich schützend vor sein verunsichertes Team. Die Mannschaft habe nach der Pause eine Reaktion gezeigt und Druck gemacht, enttäuscht sei er nicht von ihr, sondern einzig vom Ergebnis. Und weiter: `Ich sehe das nicht als Krise. Wir haben jetzt sechs Punkte Abstand auf Bremen, das ist viel Holz. Wir müssen uns sicherlich an die eigene Nase packen, dass wir diesem großen Rückstand hinterherlaufen. Aber die Meisterschaft ist noch nicht entschieden.´ Auch Kapitän Oliver Kahn befand milde: `Ich sehe keinen Sinn darin, brachiale Gewaltaussagen zu tätigen.´

Die Hoffnungen der Bayern richten sich nun auf die Rückkehr der verletzten Lucio, Lukas Podolski, Valerien Ismael, Owen Hargreaves, Sebastian Deisler und Willy Sagnol, der kurzfristig wegen Knieproblemen passen musste. Erschwerend sei gegen Hannover hinzugekommen, dass in Roy Makaay, Claudio Pizarro und Philipp Lahm gleich drei Spieler grippegeschwächt auf dem Platz standen, sagte Magath. Den Ärger der enttäuschten Fans in der erstmals bei einem Bundesliga-Spiel nicht ausverkauften Arena konnte das nicht mildern. Ein gellendes Pfeifkonzert zum Ende der ersten und sogar bei der Rückkehr ihrer Stars zu Beginn der zweiten Halbzeit war Ausdruck der maßlosen Enttäuschung über eine Leistung, die vom angekündigten Spaßfußball mindestens so weit entfernt war wie die Bayern von einem homogenen Mannschaftsgefüge. Das Tor durch Szabolcs Huszti in der 43. Minute nach einem groben Patzer von Martin Demichelis reichte der an sich bieder agierenden Mannschaft von Trainer Dieter Hecking zum ersten Auswärtssieg überhaupt bei den Bayern nach 17 vergeblichen Versuchen. Mark van Bommel bekannte zwar, dass es so nicht weitergehen könne, sagte aber auch:

`Wenn man schon nicht gut spielt, muss man wenigstens drei Punkte machen, aber wenn man beides nicht macht, wird es schwierig.´ Dass es im Team nicht stimmt, wies er jedoch entschieden zurück. `Wir haben eine gute Truppe, wir verstehen uns gut´, sagte er. Magath und Kahn empfahlen: `Wir müssen jetzt zusammenrücken und uns gegenseitig helfen.´ Auf Seiten der 96er war die Freude dagegen riesengroß. `Das ist sensationell´, befand der Ex-Bayer Michael Tarnat und richtete Trost an den Meister: `Ich glaube, dass die Bayern mit der Situation umgehen können und in Leverkusen ein anderes Gesicht zeigen werden.´ Aufbauende Worte vom bisherigen Letzten. Magath sagte es so: `Es ist eine schwere Saison.´

Autor:

Kommentieren