Das trostlose Ambiente hatte Symbolcharakter: Als sich einige Spieler des VfL Bochum an der Seite von Manager Stefan Kuntz nach der fünften Pleite im sechsten Bundesliga-Heimspiel auf dem Parkplatz hinter der Geschäftsstelle den wütenden Fans stellten, öffnete der Himmel seine Schleusen.

Bochum: Schonzeit für Koller ist beendet - Kuntz sieht Ansatz aber "eher bei Spielern"

09. November 2006, 11:34 Uhr

Das trostlose Ambiente hatte Symbolcharakter: Als sich einige Spieler des VfL Bochum an der Seite von Manager Stefan Kuntz nach der fünften Pleite im sechsten Bundesliga-Heimspiel auf dem Parkplatz hinter der Geschäftsstelle den wütenden Fans stellten, öffnete der Himmel seine Schleusen.

Das trostlose Ambiente hatte Symbolcharakter: Als sich einige Spieler des VfL Bochum an der Seite von Manager Stefan Kuntz nach der fünften Pleite im sechsten Bundesliga-Heimspiel auf dem Parkplatz hinter der Geschäftsstelle den wütenden Fans stellten, öffnete der Himmel seine Schleusen. Im strömenden Regen diskutierten alle Beteiligten fast eine Stunde lang über das peinliche 1:3 (0:2) gegen Bayer Leverkusen. Trainer Marcel Koller, dessen Entlassung viele der Anhänger forderten, war sicherheitshalber nicht dabei. Die Schonzeit für den Schweizer scheint nach dem erneuten sportlichen Offenbarungseid vor heimischem Publikum und dem verpassten Sprung auf einen Nicht-Abstiegsplatz aber beendet zu sein. `Zu unserem Stil gehört, den Trainer nicht öffentlich in Frage zu stellen´, meinte Kuntz vielsagend, konnte sich aber zu keinem deutlichen Bekenntnis für Koller durchringen.

Der Europameister von 1996 ließ allerdings auch keine Zweifel aufkommen, wem er die Hauptschuld am erneuten Heimdebakel gibt: `Wir reden über grundlegende Sachen im Fußball, die hier nicht funktionieren. Da sehe ich den Ansatz eher bei den Spielern als beim Trainer.´ Auch die kalte Dusche auf dem Parkplatz konnte Kuntz bei seinem folgenden Rundumschlag nicht besänftigen. `Ich bin gespannt, ob alle Spieler heute in den Spiegel schauen und sagen können, sie haben alles für den VfL gegeben´, meinte der ehemalige Klassestürmer und kündigte Konsequenzen an, ohne konkret zu werden: `In meinen Augen ist genug geredet. Bei so viel Emotionalität sollte man aber erstmal in Ruhe überlegen, welche Konsequenzen man zieht. Wut und Zorn sind keine guten Ratgeber.´ Koller sprach derweil von einem `weiteren Nackenschlag´, den man verdauen müsse.

Warum sich seine Mannschaft nach einem guten Auswärtsspiel (2:0 in Hannover) allerdings in der heimischen Arena erneut hat vorführen lassen, könne er `so schnell auch nicht sagen´. Die `Koller raus´-Rufe, die den Schweizer schon seit geraumer Zeit begleiten, scheint er gar nicht mehr zu registrieren: `Mich stört nur, dass die Mannschaft wieder mal nicht das gezeigt hat, was sie kann.´ Am kommenden Samstag bei Hertha BSC Berlin müssen man wieder aufstehen. Das genau, so bemängeln die VfL-Fans, haben die Bochumer gegen Leverkusen zum wiederholten Male nicht getan. Dabei boten sich dem Gastgeber nach der Bayer-Führung durch Sergej Barbarez (7.) und Andrej Woronin (32.) sowie einer unterirdischen Leistung plötzlich beste Chancen zur Wiedergutmachung. Doch nach dem schnellen Anschlusstreffer durch Ivo Ilicevic (48.) und der unberechtigten Gelb-Roten Karte gegen den Ex-Bochumer Paul Freier (52.) verfiel der Aufsteiger wieder in Tatenlosigkeit.

Das 1:3 durch Tranquillo Barnetta (71.) gab dem leblosen VfL den Rest. `Der Vorwurf der Fans, dass man nicht mal mehr rennt und kämpft, ist verständlich´, meinte Kuntz, der als Profi beim VfL selbst noch eine andere Zeit miterlebt hat: `Wir müssen darauf achten, welche Spieler die Werte, die der VfL seit Jahren verkörpert, auch in Zukunft noch vermitteln.´ Bei Bayer waren die Diskussionen um Trainer Michael Skibbe, der nach dem 1:1 gegen Mainz 05 ebenfalls ins Visier der Fans geraten war, dagegen mit einem Schlag beendet. Als `verdient und über weite Strecken souverän´ bezeichnete Skibbe den Sieg, und die Vorfreude auf das Duell mit dem deutschen Meister Bayern München am kommenden Samstag war in seinem Gesicht abzulesen.

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