Fabian Ernst scheint sich neben den Langzeitverletzten Christian Pander und Gerald Asamoah zum dritten Dauerpatienten der laufenden Saison zu entwickeln.

SCHALKE - Fabian Ernst und der Weg der Vernunft

sb
01. November 2006, 15:39 Uhr

Fabian Ernst scheint sich neben den Langzeitverletzten Christian Pander und Gerald Asamoah zum dritten Dauerpatienten der laufenden Saison zu entwickeln.

Fabian Ernst scheint sich neben den Langzeitverletzten Christian Pander und Gerald Asamoah zum dritten Dauerpatienten der laufenden Saison zu entwickeln.

Konnte der Ex-Bremer bereits die Saisonvorbereitung im Sommer wegen einer Operation im rechten Knie, als ihm im Wanne-Eickeler St. Anna Hospital durch Prof. Dr. Georgios Godalias ein Knorpel geglättet wurde, nicht mitmachen, droht er nun wegen eines Schambein-Syndroms sogar mindestens bis zum Ende der Hinserie auszufallen.

Das bestätigt Mannschaftsarzt Dr. Thorsten Rarreck gegenüber RevierSport. "Den Verlauf einer Entzündung im Schambein kann man nicht genau einschätzen. Das kann zwei Monate dauern, oder auch ein Jahr. Das ist etwas ganz anderes, als zum Beispiel bei einer Muskelverletzung", erklärte der Mediziner. "Wenn er als normaler Patient in meine Praxis käme, würde ich ihm sagen, dass er zunächst vier Monate überhaupt keinen Sport machen darf. Fabian hat natürlich ganz andere Voraussetzungen. Doch auch für ihn gilt, dass er erst, wenn die Entzündung vollkommen abgeklungen ist, ganz langsam wieder mit der Belastung beginnen kann".

Deshalb kontrolliert der "Doc" regelmäßig mit Kernspin-Tomographien den Zustand der Problemstelle des 27-Jährigen. Ernst, der nach durchwachsener erster Saison in Schalke in diesem Jahr richtig angreifen wollte, ist natürlich genervt, hält sich aber strikt an die Anweisung des Medizinmannes. "Das ist ja das Schlimme, dass ich überhaupt nicht weiß, wann ich wieder eingreifen kann. Ich weiß nur, wenn ich die Intensität steigere, kommen wieder die Schmerzen", muss der gebürtige Hannoveraner jetzt vor allem Geduld haben. "Genau die werden wir aufbringen", hat Rarreck dem Nationalspieler a.D. zunächst bis auf weiteres ein absolutes Trainingsverbot erteilt.

"Das Schambein liegt im unteren Beckenbereich und hat eine ganz zentrale Funktion. Dort laufen wichtige Strukturen, wie Bauchmuskeln, innere Bauchwand. Leistenband und Adduktoren zusammen. Wenn Fabian zu früh anfängt, können sich Langzeitschäden einstellen. Das werde ich nicht zulassen", versucht der 42-Jährige mit "ganz vielschichtigen Maßnahmen wie Physiotherapie und Entgiftung des Körpers die muskulären Dysbalancen, die zu der Entzündung geführt haben", auszugleichen.

Dennoch habe Ernst im Vergleich zu anderen Patienten, bei denen die Verletzung erst spät festgestellt worden sei, Glück im Unglück. "Beim Schambeinsyndrom kommt es ganz entscheidend darauf an, möglichst schnell mit der völligen Entlastung des Bereiches zu beginnen", weiß Rarreck. Hier habe der defensive Zentrale, der von Mirko Slomka stets als einer seiner Führungsspieler bezeichnet wird, einen Vorteil. Konnten doch seine Beschwerden an den Adduktoren, die ihn bereits an einen Einsatz beim UEFA Cup Aus in Nancy hinderten, und nach der 1:3 Niederlage in Leverkusen erneut aufgetreten waren, schnell geortet werden. "Deshalb hoffe ich auch, dass wir deutlich unter der zuvor genannten Dauer von einem Jahr bleiben werden", könnte sich Rarreck bei weiter stetigem Heilungsverlauf einen "ganz vorsichtigen Versuch der Belastungssteigerung in zwei bis drei Wochen" vorstellen.

"Natürlich könnten wir ihn auch mit Cortison spritzen. Dann könnte er vielleicht 60 Prozent Leistung bringen. Aber dafür lehne ich jede Verantwortung ab. Ich werde ihn erst wieder freigeben, wenn er im Alltag vollkommen beschwerdefrei ist", wählt der Bottroper den vernünftigen Weg. Bis dahin versucht der Mittelfeldspieler "mit Ausdauertraining" zumindest seinen "Fitnesszustand einigermaßen zu halten".

Die Geschehnisse um seinen WM-Leidensgefährten Kevin Kuranyi will Ernst, der das Spiel in Köln am Dienstag im Gegensatz zum Stürmer auch in der zweiten Halbzeit auf der Bank verbrachte, nicht überbewerten. "Kevin war total enttäuscht. Jeder, der schon mal Fußball gespielt hat, weiß auch, das so etwas aus der Emotion heraus passieren kann", bringt der Wahl-Schermbecker Verständnis auf. "Schließlich hat er ja nicht das Stadion verlassen", sollte seiner Meinung nach, nach einem kurzen Seitenhieb auf Spielmacher Lincoln und dessen Frusterlebnis der Vorfall mit dem Ausspruch der Geldstrafe auch zu den Akten gelegt werden.

Autor: sb

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