Dem Pokal-Aus folgte die richtige Reaktion - zumindest bei Bayer Leverkusen.

Heynckes will `Ruhe bewahren - Bayer rehabilitiert

29. Oktober 2006, 09:04 Uhr

Dem Pokal-Aus folgte die richtige Reaktion - zumindest bei Bayer Leverkusen.

Dem Pokal-Aus folgte die richtige Reaktion - zumindest bei Bayer Leverkusen. Während die Werkskicker vier Tage nach der Pleite beim Zweitligisten MSV Duisburg und zuvor zwei Niederlagen in der Bundesliga zurück in die Erfolgsspur fanden, erlebte Borussia Mönchengladbach den bitteren Abschluss einer schlimmen Woche. Nach der Pleite in Berlin und der Pokal-Blamage beim Regionalligisten Osnabrück zerstörte das 0:2 (0: 1) gegen die Bayer-Elf auch den Heimnimbus der Gladbacher `Auswärtsdeppen´ und weiteren Kredit bei den Borussen-Fans. `Einige unserer jungen Spieler haben eine solche Situation noch nicht erlebt´, sagte Gladbachs Trainer Jupp Heynckes und meinte damit noch mehr als die Pfiffe am Samstag vor allem die massiven Fan-Proteste nach der Pleite in Osnabrück. `Diese Ereignisse sind nicht spurlos an der Mannschaft vorbeigegangen´, konstatierte `Don Jupp´. Als Entschuldigung für die erste Niederlage nach der zuvor makellosen Heimbilanz von vier Siegen in vier Spielen wollte der erfahrene Coach das aber ausdrücklich nicht vorschieben. `Insgesamt war die Mannschaft heute nicht voll da.

Wenn man auf allen Positionen seine Leistung nicht abruft, kommt so ein Spiel zustande´, sagte Heynckes. Da patzte sogar der sonst so souveräne Torhüter Kasey Keller beim 0:1 durch Marko Babic (12.), das 0:2 durch Andrej Woronin (74. ) war das i-Tüpfelchen auf einer aus Gladbacher Sicht indiskutable zweite Halbzeit. `Man hatte nicht das Gefühl, dass wir das Ergebnis noch korrigieren können´, gab Heynckes zu, der aber in den nächsten Tagen `die Ruhe bewahren´, mit seinen Spielern jedoch `sehr kritisch umgehen´ will. Auf der gleichen Linie liegt Sportdirektor Peter Pander. `Wir werden jetzt nicht den Holzhammer rausholen, denn ich glaube nicht, dass wir mit Draufhauen weiterkommen´, sagte Pander. Wie Heynckes sah auch er, dass beispielsweise nach der frühen Auswechslung von Bo Svensson Abwehrchef Ze Antonio wieder den `Kinderriegel´ aus Tobias Levels, Marvin Compper und Oliver Kirch dirigieren musste. Stammkräfte wie Nationalspieler Marcell Jansen oder Eugen Polanski, der nach seiner Verletzungspause zumindest wieder auf der Bank saß, sind bei der Borussia nicht gleichwertig zu ersetzen.

Das Kontrastprogramm bot Bayer Leverkusen, das auch im 16. Spiel in Folge in Gladbach nicht verlor. In der ersten Halbzeit agierte Bayer zwar noch phasenweise planlos, aber nach dem Seitenwechsel übernahmen die Gäste eindeutig das Kommando. Das freute vor allem Sportdirektor Rudi Völler, der eine Reaktion der Mannschaft eingefordert hatte. `Diese drei Punkten waren nicht nur wichtig, sondern auch hochverdient´, meinte der frühere DFB-Teamchef: `Die Moral stimmt in der Mannschaft.´ Völler mahnte aber auch an, dass dieser Erfolg nur ein Anfang sein könne. `Es gibt noch keinen Grund, euphorisch zu sein. Das war nur die Pflicht. Dieses eine Spiel reicht nicht. Wir müssen jetzt eine Serie starten´, forderte er:

`Denn wir haben immer noch zu wenig Punkte.´ Durchatmen durfte auch Trainer Michael Skibbe, der zumindest bei den Fans in der Kritik stand. `Das war ein Schritt in die richtige Richtung, weil wir endlich einmal defensiv konstant gut gespielt haben´, sagte er und war zufrieden, dass `wir Gladbach fußballerisch und läuferisch gut im Griff hatten, was nach 120 Minuten im Pokal nicht selbstverständlich ist´. Besonders lobte Skibbe Torschütze Babic, der die ungeliebte Rolle links defensiv gut annahm, und Sergej Barbarez für seine Ruhe im Spiel und die Abgeklärtheit, `auch zum 16. Mal den riskanten Pass zu spielen, wenn es 15-mal nicht geklappt hat´.

Autor:

Kommentieren