BVB - Wörns: "Kritik von Vereinsseite erschwert Arbeit"

rk
22. Oktober 2006, 17:28 Uhr

Es stimmt zur Zeit einfach vieles nicht beim BVB: Die Borussen befinden sich in einer Krise, auch wenn das zwölf Punkte zahlenmäßig nicht unbedingt untermauern.

Es stimmt zur Zeit einfach vieles nicht beim BVB: Die Borussen befinden sich in einer Krise, auch wenn das zwölf Punkte zahlenmäßig nicht unbedingt untermauern. Es herrscht keine Einigkeit im Klub, zu viele Strömungen fließen gegen den möglichen Erfolg. Christian Wörns wurde am Freitagabend wieder einmal deutlich: "Wenn von Vereinsseite Unruhe reingetragen wird, dann erschwert das die Arbeit der Mannschaft." Eine eindeutige Botschaft in Richtung Hans-Joachim Watzke, der nach dem ebenfalls enttäuschenden 1:1 gegen Hannover 96 harsche Kritik an der Spielweise und damit auch an der Arbeit von Coach Bert van Marwijk geübt hatte. Noch einmal der Kapitän: "Was hier in den letzten Wochen abgelaufen ist, steckt man auch als Akteur nicht so einfach weg. Es ist schwer, unter diesen Bedingungen zu arbeiten."
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Zumal der Tätigkeits-Schwerpunkt von Fußballern auf dem Platz liegen sollte, wie auch Wörns unterstreicht: "Wir können nicht ständig von einer Sitzung oder einem Gespräch zum anderen laufen." Vielsagend ergänzt er: "Wenn ich jetzt noch einen draufsetze, dann kommt neue Unruhe auf." Ins gleiche Horn stößt Markus Brzenska: "Geredet haben wir jetzt genug." Noch deutlicher formuliert es Alexander Frei: "Klappe halten und arbeiten." Der Trainer erhielt von Wörns Rückendeckung: "Er kann am wenigsten dafür. Er liefert gute Arbeit ab. Wir müssen uns als Team beweisen."

Doch als Trainer ist der Niederländer dafür verantwortlich, dass sich die Truppe auf dem Platz auch spielerisch weiterentwickelt, davon kann in dem bisherigen Saison-Verlauf aber keine Rede sein, der beste Beweis waren die katastrophalen 90 Minuten gegen den VfL Bochum. Da lieferten alle Beteiligten in Schwarz und Gelb eine "Maloche" ab, die diese Bezeichnung nicht verdient hat. Und das, obwohl Frei betont: "Wir haben eine hohe Qualität im Kader." Wirklich? Die Neueinkäufe, für die Watzke und Michael Zorc hauptsächlich mitverantwortlich sind, wie der Geschäftsführer gerne herausstellt - "dafür verdient der Sportdirektor ein besonderes Lob" - erwiesen sich bisher nicht als die erhofften Verstärkungen.

Insbesondere im Mittelfeld bewahrheitet sich die Prognose von Watzke - "in einem Jahr wird hier niemand mehr von Tomas Rosicky sprechen" - nicht einmal ansatzweise. Steven Pienaar präsentiert sich bisher stets als emsiger Kicker, aber nicht als Spielgestalter. Und auch der von Vereinsseite mit Vorschusslorbeeren überhäufte Tinga bleibt hinter den Erwartungen zurück. Das Problem in der BVB-Schaltzentrale zieht sich wie ein roter Faden durch die ersten acht Spieltage. Das unterstreicht auch Lars Ricken: "Viele unsere Tore haben wir in dieser Spielzeit nicht herausgespielt, sondern sie entstanden durch Standardsituationen."

Hinzu kommt, dass van Marwijk äußerst gereizt auf jede Form von Kritik an seiner Person reagiert. Wie zum Beispiel auf die bereits angesprochenen Äußerungen des Geschäftsführers. Auch der Ex-Rotterdamer suchte danach den Weg in die Öffentlichkeit, obwohl eine ausschließlich interne Aussprache sicherlich besser gewesen wäre. Und reiner ist die Luft auch nach mehreren Unterredungen nicht geworden. Als "BvM" darauf angesprochen wurde, wann die BVB-Fans zuhause endlich wieder einmal ein Fußballfest feiern können, antwortete er beleidigt: "Muss ich diese Frage beantworten? Nächste Frage." Im knallharten Profigeschäft gehört Kritik nun einmal zum Alltagsgeschäft und es wird keine "Gotteslästerung" begangen, wenn hinterfragt wird, warum bisher nicht alles nach Wunsch läuft. Aber wie gesagt, momentan hapert es an vielen schwarz-gelben Ecken. Wie auch der verletzte Sebastian Kehl bereits zur Pause des VfL-Matches konstatierte. "Die Mannschaft ist wie gelähmt und es fehlt die Leidenschaft."

Autor: rk

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