Auf seinen schmalen Schultern liegt nun der Druck der Erwartungen.

HSV: Letzte Hoffnung van der Vaart

20. Oktober 2006, 12:59 Uhr

Auf seinen schmalen Schultern liegt nun der Druck der Erwartungen.

Auf seinen schmalen Schultern liegt nun der Druck der Erwartungen. Wie auf einen Messias wartet der krisengeschüttelte Hamburger SV auf die Rückkehr von Kapitän Rafael van der Vaart. Am Sonntag (17.00/live bei Arena) im Gastspiel bei Bayer Leverkusen kehrt der Spielmacher nach acht Wochen Verletzungspause wieder in die HSV-Mannschaft zurück. Letzte Hoffnung van der Vaart lautet da das Motto bei den seit 15 Pflichtspielen sieglosen Hanseaten und vor allem ihren Fans. Doch der 23-Jährige will diese Rolle nicht ausfüllen. `Ich bin nicht derjenige, der den Erfolg garantiert´, sagt der Niederländer, `niemand sollte erwarten, dass ich in Leverkusen auflaufe, drei Tore schieße und das Spiel allein entscheide.´ Denn eigentlich hat van der Vaart nach zwei Monaten Fußballpause genug mit sich selbst zu tun, muss langsam wieder Spielpraxis sammeln, Sicherheit gewinnen.

`Ich war lange nicht dabei, das darf man nicht unterschätzen´, meint der Mittelfeldspieler. Ein Muskelriss im Oberschenkel bedeutete am 27. August beim 1: 1 gegen Hertha BSC wieder einmal eine lange Zwangspause für den schmächtigen Nationalspieler, dessen Körper während seiner ganzen Karriere immer wieder gegen die großen Belastungen im Profigeschäft rebelliert. Zwölf Verletzungspausen seit Februar 2002 stehen zu Buche, das bedeudete mehr als 20 Monate Aussetzen in viereinhalb Jahren. `Ich bin ganz vorsichtig, gehe kein Risiko mehr ein´, meint van der Vaart, der auch deshalb beim Champions-League-Spiel am Dienstag in Porto (1:4) geschont wurde, obwohl er dort bereits das volle Trainingsprogramm mitgemacht hat. `Es tut nichts mehr weh´, sagte er, räumte aber ein: `Ich habe schon noch ein bisschen Angst.´ Trainer Thomas Doll überlegt deshalb sogar, seinen wertvollsten Spieler in der BayArena gar nicht von Anfang an aufzubieten. `Er wird uns Sicherheit vermitteln, auch wenn er nicht von Beginn an spielt´, sagt der Coach.

Dabei setzt natürlich auch der 40-Jährige in der derzeitigen Situation seine Hoffnungen auf das Comeback seines Spielmachers: `Natürlich lechzen wir danach, dass verletzte Spieler zurückkehren, insbesondere unser Kapitän.´ Denn van der Vaart ist durch seine lange Abwesenheit auch unbelastet vom Ruf, ein Versager zu sein. Er trägt nicht den von Doll ausgemachten `Rucksack´ von Versagensangst, Unsicherheit und fehlendem Vertrauen in die Mitspieler mit sich. `Ich habe immer noch ein gutes Gefühl und wünsche mir, das auf die anderen Jungs übertragen zu können´, sagt der 23-Jährige, `ich freue mich auf das Comeback.´

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