Nein, Andreas Ottl ist kein gewöhnlicher Spieler mehr.

FC Bayern: Andreas Ottl: Der unverzichtbare Musterschüler

18. Oktober 2006, 12:36 Uhr

Nein, Andreas Ottl ist kein gewöhnlicher Spieler mehr.

Nein, Andreas Ottl ist kein gewöhnlicher Spieler mehr. Als der 21-Jährige am Dienstagmorgen am Münchner Flughafen zur Dienstreise des FC Bayern nach Lissabon einchecken wollte, wurde er von einer riesigen Journalisten-Traube aufgehalten, die man sonst nur bei Kapitän Oliver Kahn oder Jungstar Lukas Podolski sieht. Zu Saisonbeginn nur Ergänzungsspieler, ist Ottl nun unverzichtbar im Team des Rekordmeisters und zum gefragten Gesprächspartner geworden. Der Aufstieg des gebürtigen Münchners hat nur bedingt mit dem Ausfall von Owen Hargreaves zu tun. Ottl hat die Position vor der Abwehr zwar von dem verletzten englischen Nationalspieler `geerbt´.

##Picture:panorama:2502##
Doch er hat sich dabei gegen den teaminternen Konkurrenten Martin Demichelis durchgesetzt. Und auch als Hargreaves noch fit war, stand Ottl als zweiter defensiver Mittelfeldspieler in der Startelf. Sechs von sieben Bundesligaspielen bestritt er in dieser Saison von Beginn an. In der vergangenen Saison, als Ottl noch meist mit der zweiten Mannschaft der Bayern in der Regionalliga Süd spielte, bracht er es insgesamt auf nur acht Partien. Mit seinem Tor zum 1:1 beim 1. FC Kaiserslautern machte er die Bayern aber immerhin zum Meister - `mein emotionalster Moment´, sagt er. Seine größte Stunde schlug jedoch in der Champions League beim 2:0 am 2. Spieltag bei Inter Mailand. Zweikampfstark, lauffreudig und frech: Ottl degradierte Weltstar Luis Figo zum Statisten. Franz Beckenbauer adelte ihn als `auffälligsten Spieler´, und Trainer Felix Magath nannte Ottls Leistung `für jemanden in seinem Alter außergewöhnlich.

Er hat gezeigt, dass er ein Spiel lenken kann. Er ist Bayerns nächster Nationalspieler´. Ottl wäre nicht Ottl, wenn er sich ob dieses einen Spiels auf einer Stufe mit den Stars seiner Zunft sehen würde. Er sei schon `ein bisschen stolz´, sagte er: `Aber ich werde jetzt sicher keine Luftsprünge machen.´ Ottl, der sich als `ehrgeizig, zuverlässig und bodenständig´ beschreibt, sehnt sich nicht unbedingt nach Aufmerksamkeit von Fans und Medien. `Ich bin froh, wenn ich meine Leistung bringe und meine Ruhe habe´, sagt er. Sein Lieblingsplatz in München sei `zu Hause im Garten´, meint er - Kollege Kahn dagegen fühlt sich in der Glitzerwelt der Maximilianstraße am wohlsten. `Andreas ist ein guter Junge´, sagt Hermann Gerland, der Ottls Talent bei der zweiten Mannschaft erkannte und förderte: `Charakter gut. Ausdauer gut. Technik gut.´ Ottl sei vielseitig und könne auf jeder Position spielen - ein Musterschüler.

In der Chefetage kommt der höfliche junge Mann, der sich auch bei Balljungen artig bedankt, gut an. `Er ist kein Schwätzer, sondern sehr seriös´, sagt Manager Uli Hoeneß: `Wenn er spielt, habe ich keine Angst. Er kann es schaffen.´ Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge lobt Ottl als ein `großes Talent, mit dem man rechnen kann´. `Ich habe es noch nicht geschafft, auch wenn es gut gelaufen ist´, sagt der U21-Nationalspieler selbst. Er habe zwar schon viel gelernt, seit er im August 2005 in der Bundesliga debütierte. `Aber ich bin noch lange nicht am Ende meiner Leistungsfähigkeit. Ich will und kann noch besser spielen.´ Keine guten Nachrichten für Martin Demichelis.

Autor:

Kommentieren