Die Erleichterung war Bert van Marwijk nicht gerade im Gesicht abzulesen.

BVB: Van Marwijk freut sich auf `ruhige Woche´ - Watzke fordert `Nachschlag´

16. Oktober 2006, 11:40 Uhr

Die Erleichterung war Bert van Marwijk nicht gerade im Gesicht abzulesen.

Die Erleichterung war Bert van Marwijk nicht gerade im Gesicht abzulesen. Etwas missmutig und angespannt saß der Trainer von Borussia Dortmund nach dem 3:2 (1:1) beim Aufsteiger Energie Cottbus vor seinem Glas Pils, als er den Befreiungsschlag nach zuletzt zwei Spielen in Folge ohne Sieg und der Kritik an seiner Person kommentierte: `Ich bin sehr zufrieden, dass wir die drei Punkte geholt und nach den turbulenten letzten Wochen jetzt erst einmal Ruhe haben.´ Wahrscheinlich ahnte der Niederländer, dass es trotz nur noch zwei Zählern Rückstand auf die Tabellenspitze mit der Ruhe ganz schnell wieder vorbei sein könnte. Nach der anonymen Spielerkritik an seinem Training und seiner Taktik sowie dem öffentlichen Disput mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke steht van Marwijk nach wie vor unter Druck.
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`Dieser Auswärtssieg zählt nur etwas, wenn wir gegen Bochum nachlegen´, forderte Watzke einen `Nachschlag´ in Derby gegen den VfL am Freitag. Auch Kapitän Christian Wörns sprach wenig überschwänglich von einem `kleinen Schritt, auf dem man aufbauen kann´. Tatsächlich war beim Champions-League-Sieger von 1997 lediglich in der zweiten Halbzeit eine Leistungssteigerung gegenüber den desolaten Auftritten gegen Hannover 96 (2:2) und Borussia Mönchengladbach (0:1) zu erkennen. Selbst die frühe Führung durch Verteidiger Markus Brzenska (1.) gab den Schwarz-Gelben wenig Selbstvertrauen, postwendend gelang Vragel da Silva (3.) der Ausgleich. `In der Kabine habe ich den Spielern gesagt, sie sollen schneller und präziser nach vorne spielen.

Das hat in der zweiten Hälfte gut geklappt´, erklärte van Marwijk. Nach dem Doppelschlag erneut durch Brzenska (57.) und den Schweizer Nationalspieler Alexander Frei (59.) war die Gegenwehr der Cottbuser engültig gebrochen. Das 2:3 durch den Rumänen Vlad Munteanu nach einem unberechtigten Foulelfmeter (89.) war nur Ergebniskosmetik. Für den 1,96-m-Abwehrhünen Brzenska waren seine beiden mit Wucht in die Maschen gesetzten Kopfballtreffer auch Frustbewältigung nach der verpassten EM-Qualifikation mit der U21-Nationalmannschaft gegen England. `Am Dienstag war ich noch der Arsch der Nation, einige Tage später bin ich der Matchwinner in der Bundesliga´, sagte Brzenska, der von den präzise getimten Freistößen von Lars Ricken profitierte. Ricken feierte elf Monate nach seinem Kreuzbandriss ein starkes Comeback in der Startelf des BVB. Bei Energie machten die Spieler unterdessen ihre Schwäche bei Standardsituationen für die sechste Niederlage im siebten Aufeinandertreffen mit der Borussia verantwortlich.

`Wir haben zweimal bei Freistößen geschlafen, das wird in der Bundesliga rigoros bestraft´, haderte Mittelfeldspieler Timo Rost. Trainer Petrik Sander betonte, dass trotz nur noch zwei Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz keine Unruhe im Verein aufkommen werde: `Es ist nichts Weltbewegendes passiert. Wir müssen akzeptieren, wenn wir durch zwei Standards und einen Sonntagsschuss verlieren.´ Auch für Kapitän Kevin McKenna, der bei den Freistößen Brzenska zugeordnet war und die Gegentreffer auf seine Kappe nahm, hat sich nach der ersten Heimniederlage der Saison nichts an der Marschroute geändert: `Wir spielen gegen den Abstieg, das war allen von Beginn an klar. Wir leben nicht in einer Traumwelt.´

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