Ein Kommentar über den Zustand des FC Schalke 04.

Schalke:So kann aus totaler Dominanz fatale Ignoranz werden

02. Oktober 2006, 17:44 Uhr

Ein Kommentar über den Zustand des FC Schalke 04.

In einem waren sich Spieler, Trainer und Vorstand
von Schalke 04 nach der zweiten bitteren Pleite in vier Tagen
einig: Die Unruhe beim Möchtegern-Meister kommt von draußen. Das
ist entweder eine genau kalkulierte, in diesen turbulenten Tagen
bemerkenswert einheitliche Außendarstellung oder ganz einfach ein
erschreckendes Ignorieren der Tatsachen.
Wer hat Nationalspieler Gerald Asamoah suspendiert? Der
Trainer. Wer hat dessen Kabinengeflüster über Coach Mirko Slomka an
die Öffentlichkeit gebracht? Der Manager. Wer hat beklagt, dass die
Mannschaft keine eingeschworene Einheit sei, und öffentlich die
Suche nach einem Maulwurf gestartet? Der Kapitän. Wer hat Asamoah
begnadigt, obwohl er auf seiner Meinung beharrte, und so die
Autorität des eigenen Trainer geschwächt? Der Manager.
Wer sich danach wundert, dass Medien und Fans nicht in
Begeisterungsstürme ausbrechen, sondern hinterfragen, ob das Duo
Andreas Müller und Mirko Slomka den eigenen hohen Ansprüchen
gewachsen ist, ist naiv.
Wer sich wundert, dass der Trainer in Frage gestellt wird,
kennt das Geschäft nicht. Wer vom Finale im UEFA-Cup redet und in
der ersten Runde scheitert, wer Topstürmer verpflichtet und sein
System umstellt, um die Torausbeute zu steigern, und dann im
Schnitt einmal pro Spiel jubeln darf, wer vor der Saison die
`totale Dominanz´ propagiert und damit sogar bei den eigenen
Spielern auf Kritik stößt, der hat wohl - vorsichtig formuliert -
nicht alles richtig gemacht.
Wer sich dann über das Presseecho wundert, sollte vielleicht
in aller Ruhe und Beschaulichkeit beim SC Freiburg arbeiten, aber
nicht bei einem Klub, der nach eigenem Selbstverständnis zu den
Großen in Europa gehören will. Und wer in der Krise Ursache und
Wirkung verwechselt, eigene Fehler und Versäumnisse ignoriert und
die Schuld ständig bei anderen sucht, dürfte die Lösung kaum finden.
So schnell kann aus totaler Dominanz fatale Ignoranz werden.
Thomas Lipinski, sid

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