Wenn es für den VfL Bochum richtig gut läuft, ist Frank Heinemann ab Samstagnachmittag nicht mehr U19-Trainer. Wenn es knüppeldick kommt, dann auch.

Heinemanns Zweitjob

Heinemann: "... da wäre ich schön doof"

08. Mai 2010, 08:57 Uhr

Wenn es für den VfL Bochum richtig gut läuft, ist Frank Heinemann ab Samstagnachmittag nicht mehr U19-Trainer. Wenn es knüppeldick kommt, dann auch.

Denn Heinemann kann sich erst dann wieder seiner eigentlichen Aufgabe als Nachwuchskoordinator widmen, wenn Dariusz Wosz von seiner Mission bei den Profis zurückkehrt. „Er schafft den Klassenerhalt“, ist Heinemann überzeugt.

Und deshalb fährt das VfL-Urgestein direkt nach dem Derby gegen Wattenscheid mit der gesamten A-Jugend weiter ins rewirpowerSTADION, um den Abstiegskrimi der ersten Mannschaft gegen Hannover zu verfolgen. Ein Sieg ist Pflicht, damit Heinemanns 34. und mit Abstand kurioseste Saison bei den Blau-Weißen einigermaßen versöhnlich endet.

In den vergangenen Monaten änderte sich nämlich einiges für den einstigen „ewigen Assistenten“: Nach der Entlassung von Marcel Koller agierte er zunächst gemeinsam mit Wosz als Interims-Coach bei den Profis, anschließend folgte das Funktionärsamt in der Jugend und nun die befristete Rolle als Linienchef der U19. „Das waren viele neue Situationen für mich. Aber ich hatte den Vorteil, dass ich die Leute im Verein kenne und somit keine typische Eingewöhnungsphase nötig war“, betont Heinemann.

Wohl wissend, dass er in seiner aktuellen Rolle mitunter in ungläubige Gesichter blickt, wenn das Thema Vereinstreue auf den Tisch kommt. Denn seit seiner Jugend hat Heinemann dem VfL die Stange gehalten. „So lange werden die Jungs heute normalerweise nicht mehr bei einem Klub bleiben“, bemerkt der 45-Jährige, um direkt nachzuschieben: „Ich bin aber keiner, der immer über die Vergangenheit redet.“
[infobox-right]Zur Person
Frank Heinemann (* 8. Januar 1965 in Bochum) spielte beim SV Vöde (1971-73) und DJK Hiltrop-Bergen (1973-76), ehe es ihn zum VfL Bochum zog. Über den Nachwuchs und die Amateure schaffte er 1986 den Sprung zu den Profis, für die er bis 1996 195 Bundesligaspiele (14 Tore) und 21 Zweitligapartien (1 Tor) bestritt. Anschließend wechselte er in den Trainerstab der ersten Mannschaft. Sein Vertrag in Bochum läuft bis zum 30. Juni 2011.[/infobox]
Schließlich hat er aktuell mit der U19 auch glänzende Zukunfts-Aussichten: Der Abstand auf Spitzenreiter Leverkusen schmilzt, theoretisch könnte der Blondschopf sogar zum ersten Mal einen Titel mit Bochum gewinnen. Doch in diesem Punkt wird Heinemann energisch: „Ich helfe nur aus und werde nichts Grundlegendes ändern, da wäre ich ja auch schön doof. Wenn es tatsächlich mit der Meisterschaft klappen sollte, dann ist das Dareks Titel.“
Heinemann ist eben ein absoluter Teamplayer. Man spürt, wie sehr er die Präsenz auf dem Rasen vermisst hat, wie er in den Einheiten aufblüht. Doch er ist keiner, der sich über seinen Hauptjob mit der vielen Büroarbeit beschweren würde. Ganz im Gegenteil: „Mich interessiert auch, wer in der U9 spielt. Daher werde ich mich öfter mal auf dem Platz blicken lassen. Nicht, um den großen Zampano zu machen, sondern um die Jungs besser kennen zu lernen.“

Dafür nimmt er auch gerne in Kauf, dass sich sein Arbeitsalltag eher in die Abendstunden verlagert hat. „Ich musste mein Leben neu ordnen“, betont Heinemann, und er wirkt nicht so, als würde er das bereuen.

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