Australian Open: Selbstbewusster "Gonzo" fordert den Meister

Gonzales akzeptiert keine Grenzen

(sid)
03. Februar 2007, 21:30 Uhr

Fernando Gonzalez schwebt wie auf Wolke sieben durch die Australian Open in Melbourne. Anscheinend unaufhaltsam, perfekt, berauscht vom eigenen Spiel. Der 26 Jahre alte Chilene spielte in den letzten Tagen das Tennis seines Lebens, steigerte sich noch von Match zu Match mit dem vorläufigen Höhepunkt des Halbfinals gegen Tommy Haas, als er den besten deutschen Profi mit nur drei Fehlern und 42 Gewinnschlägen abschoss. Am Sonntag (19.30 Uhr/9.30 MEZ) steht `Gonzo´ nun vor dem größten Match seiner Karriere, seinem ersten Endspiel bei einem Grand Slam - und der Gegner ist Roger Federer.

`Er gewinnt immer, er muss auch mal verlieren und ich werde das am Sonntag versuchen´, erklärte Gonzalez. Grenzen akzeptiert der Mann aus Vina del Mar nicht mehr, seit er begriffen hat, was er auf dem Tennisplatz alles erreichen kann. 0:9 lautet zwar seine bisherige Bilanz gegen den Weltranglisten-Ersten aus Basel - egal: `Ich war bei den früheren Spielen noch längst nicht so gut wie jetzt. Ich bin ein anderer Spieler.´

Da kommt Larry Stefanki ins Spiel. Vor acht Monaten hat der Doppel-Olympiasieger von Athen den amerikanischen Coach angeheuert, der bereits seinen chilenischen Landsmann Marcelo Rios sowie Jewgeni Kafelnikow an die Spitze der Weltrangliste führte. `Ich war 25 und ich war bereit für den nächsten Schritt´, erzählte Gonzalez, der seit Jahren im Ranking zwischen zehn und 30 festhing und nie das Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier geschafft hatte.

Der 49 Jahre alte Coach hat erst einmal seinem Schützling die Naschereien abgewöhnt. Keine Schokolade und kein Kuchen mehr, ein anständiges Ernährungsprogramm, Salat, Pasta, Huhn statt Steak. Die geliebte Avocado aber, die er seit der Kindheit täglich verputzt, blieb auf dem Speiseplan. Fitnesstrainer Carlos Burgos kümmerte sich um die Kondition. Auf dem großen Foto an der Lod-Laver-Arena sieht er noch pausbäckig aus, doch der Gonzalez, der Sonntag aufschlägt ist sicher fünf Kilo leichter als vor einem Jahr.

Den Ball unglaublich mit seiner Rechten beschleunigen, das konnte Gonzalez schon immer. `Er hat die schnellste Vorhand, die es zur Zeit im Tennis gibt´, glaubt Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen. Aber früher hat sich Gonzalez allein auf seinen Monster-Schuss verlassen. `Links hatte ich ein Loch´, meint er in Anspielung auf seine vernachlässigte Rückhand.

Und er war ungeduldig: `Früher habe ich im Match zwei Winner geschlagen, aber 45 Fehler.´ Stefanki aber hat ihn Geduld gelehrt und die Rückhand stabilisiert. `Im Tennis gibt es keine Geheimnisse. Aber wir haben daran gearbeitet, dass ich in wichtigen Momenten versuchen muss, ruhig zu bleiben.´ Das gelingt ihm nun erstklassig. `Er ist schrittweise immer besser geworden, er spielt klüger´, sagt Federer, der deshalb ein `hartes Match´ erwartet.

Der Schweizer wird trotz seiner Favoritenstellung keinesfalls den Fehler machen, `Gonzo´ zu unterschätzen. Der Chilene hat bewiesen, dass er jeden in Schwierigkeiten bringen kann. `Ich habe zuletzt im Herbst gegen ihn in Basel und Madrid gewonnen, das kann ein Vorteil sein´, sagte Federer, `ich muss mir trotzdem genau überlegen, wie ich spiele. Es wird sicher ein Match, das Spaß macht, aber er ist gefährlich.´

Autor: (sid)

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