Deutschlands Handballer sind nach einem dramatischen Halbfinal-Krimi nur noch einen Sieg von der Erfüllung ihres Gold-Traumes entfernt und greifen nach dem ersten WM-Titel seit 29 Jahren. Vor den Augen von Bundespräsident und Edelfan Horst Köhler gewann das Team von Bundestrainer Heiner Brand in einem packendem Duell gegen Europameister Frankreich erst nach zweimaliger Verlängerung mit 32:31 (27:27, 21:21, 11:12).

WM 2007: Nun winkt der Titel

Deutsche Handballer greifen nach WM-Gold

(sid)
03. Februar 2007, 16:03 Uhr

Deutschlands Handballer sind nach einem dramatischen Halbfinal-Krimi nur noch einen Sieg von der Erfüllung ihres Gold-Traumes entfernt und greifen nach dem ersten WM-Titel seit 29 Jahren. Vor den Augen von Bundespräsident und Edelfan Horst Köhler gewann das Team von Bundestrainer Heiner Brand in einem packendem Duell gegen Europameister Frankreich erst nach zweimaliger Verlängerung mit 32:31 (27:27, 21:21, 11:12).

Den entscheidenden Treffer für die deutsche Mannschaft erzielte Markus Baur mit einem Siebenmeter eine gute Minute vor dem Abpfiff. Als Torwart Hennig Fritz den letzten Wurf von Daniel Narcisse parierte, kannte der Jubel der 19.000 Zuschauer in der ausverkauften Kölnarena keine Grenzen mehr. Nach dem achten Sieg im neunten Turnierspiel trifft der Gastgeber am Sonntag (16.30 Uhr/live in der ARD) im siebten WM-Finale einer deutschen Mannschaft seit 1938 auf den Sieger des zweiten Halbfinals zwischen dem EM-Dritten Dänemark und Polen am Donnerstagabend in Hamburg.

"Ich konnte mir noch vor zwei Wochen nicht vorstellen, dass so etwas passieren könnte. Ich habe nach der Schlusssirene einfach nur genossen", meinte ein überglücklicher Bundestrainer Heiner Brand im ZDF-Interview unmittelbar nach Spielende: "Das Spiel war ein einziges Auf und Ab, ein einziges Hin und Her, ich bin noch gar nicht in der Lage für eine vernünftige Analyse."

Spielmacher Baur hatte mit seinem Treffer 15 Sekunden vor dem Schlusspfiff das deutsche Team in die erste Verlängerung gerettet. Anschließend schaffte es wieder keines der Teams, sich entscheidend abzusetzen. Die Franzosen lagen zwar dauernd in Führung, doch Holger Glandorf erzwang 30 Sekunden vor dem Ende der Verlängerung die erneute Zusatzschicht. Der Nordhorner war mit fünf Treffern gemeinsam mit Baur auch bester Werfer seines Teams. Für die Franzosen traf Daniel Narcisse (Gummersbach/8) am besten. Bundestrainer Brand könnte es nun seinem fußballerischen Vorbild Franz Beckenbauer gleich tun und nach dem Gewinn des Titels als Spieler (1978) auch die WM-Trophäe als Trainer holen.

Insgesamt wäre es nach dem Goldgewinn von 1938 der dritte WM-Titel für Deutschlands Handballer. Zudem schafft der Weltmeister die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Glück brachte der deutschen Mannschaft auch ein besonderer Anruf von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Brand am Mittwochabend alles Gute gewünscht hatte. Zuletzt hatte der Coach mit seiner Mannschaft 2003 in Portugal das WM-Endspiel erreicht, dort aber mit 31:34 gegen Kroatien verloren.

Zwei Tage nach dem Viertelfinal-Coup gegen Titelverteidiger Spanien (27:25) entwickelte sich von Beginn an die erwartete Abwehrschlacht. Dabei stand der Mittelblock der Gastgeber mit Oliver Roggisch (Magdeburg) und dem Kronauer Andrej Klimovets, der überraschend für Sebastian Preiß aus Lemgo in die Startformation kam, zunächst sehr sicher. Hellwach präsentierte sich auch wieder Keeper Henning Fritz, der allein in der ersten Halbzeit zehn Paraden zeigte. Doch nach einer 3:1-Führung (8.) der Deutschen kamen die mit sechs Bundesliga-Legionären angetretenen Franzosen immer besser ins Spiel.

Große Hektik brachten zu diesem Zeitpunkt die Schiedsrichter Patrick Hakansson/Mats Nilsson (Schweden) mit etlichen nicht nachvolziehbaren Entscheidungen auf beiden Seiten ins Spiel. Besonders Rückraumass Karabatic fand immer wieder eine Lücke und war mit fünf Treffern maßgeblich an der zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Führung (12:10/30.) des WM-Dritten von 2005 beteiligt.

Doch nach dem Wechsel kämpften sich die Deutschen angetrieben von den euphorischen Fans wieder heran. Beim Stand von 17:17 (49.) war der Ausgleich erstmals wieder hergestellt, ehe die Gastgeber drei Minuten später durch Glandorf zum 18:17 die Führung eroberten und wieder im Spiel waren. Bundespräsident Köhler war fünf Tage nach dem Hauptrundensieg gegen Frankreich (29:26) schon zur Halbzeit trotz des Rückstandes schier aus dem Häuschen. "Diese Mannschaft ist einfach toll. Ich kann kaum an mich halten", schwärmte er.

Autor: (sid)

Kommentieren