Jens Lehmann hat ihn einmal als

BVB: An Weidenfeller wird Jogi Löw nicht vorbeikommen

rk
01. September 2006, 11:09 Uhr

Jens Lehmann hat ihn einmal als "den verrücktesten Torwart, mit dem ich je zusammengearbeitet habe" bezeichnet.

Jens Lehmann hat ihn einmal als "den verrücktesten Torwart, mit dem ich je zusammengearbeitet habe" bezeichnet. Gemeint hat der jetzige Londoner damals seinen ehemaligen Mitstreiter Roman Weidenfeller, der sich nach seinem Wechsel von Kaiserslautern nach Dortmund partout nicht mit seiner Reservistenrolle beim BVB anfreunden wollte. Das war vor vier Jahren, in einer Zeit, in der sich der inzwischen 26-Jährige bei den BVB-Fans mit seiner Aussage, "mein Vorbild ist Oliver Kahn", zudem keine Freunde schuf.
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Doch, es sollte noch schlimmer kommen. Als es Lehmann auf die britische Insel gezogen hatte, im Gegenzug Guillaume Warmuz von Arsenal ins Revier gewechselt war, degradierte ihn Matthias Sammer schon nach einem halben Jahr wieder zur Nummer zwei, die er zunächst auch bei Bert van Marwijk innehatte. Das für ihn wenig erfreuliche Jubiläum von 25 Begegnungen hintereinander auf der Bank war dann aber der Aufbruch zu neuen, erfolgreichen Ufern. Im Herbst 2004 bekam er vom niederländischen Coach eine neue Chance, bei der er mit beiden Händen zugriff. Nicht nur mit blitzsauberen Paraden zwischen den Pfosten, auch sein Auftreten außerhalb des Spielfeldes ist inzwischen von Reife geprägt. Die einstigen kernigen Sprüche, wie zum Beispiel, "von den Leistungen her muss ich mich vor niemandem verstecken", hat der gelernte Bürokaufmann schon längst zu den vergessenen Akten gelegt.

Sein oberstes Motto lautet schlicht und einfach, "ich will immer gute Leistungen bringen und mich mit diesen empfehlen." Das gelingt ihm, jedoch nicht immer. Während er beim BVB seit rund 24 Monaten die uneingeschränkte Nummer eins ist, die ihm Bernd Meier auch gar nicht streitig machen will, "ich will ihn mit meiner Erfahrung nur noch mehr anspornen", werden seine tadellosen Vorstellungen vom DFB-Trainerstab immer noch nicht honoriert. Zwar konnte er sich gelegentlich im inzwischen aufgelösten Perspektiv-Team präsentieren, mehr aber auch nicht.

Auch nach dem Rücktritt von "Titan" Kahn blieb das Telefon still, Joachim Löw favorisiert neben Jens Lehmann den Stuttgarter Timo Hildebrand. Eher ein Ritual als eine nachvollziehbare Entscheidung. Der VfB-Keeper profitiert noch immer von seinem Rekord, 884 Minuten kein Bundesliga-Gegentor hingenommen zu haben. Nur, dieser ist fast drei Jahre alt. Darum dürfte sich Weidenfeller am vergangenen Samstag nicht nur über die drei Punkte im Schwabenland, sondern auch über die Tatsache, als klarer Sieger aus dem indirekten Duell der beiden Torhüter hervorgegangen zu sein, gefreut habe. Verbal ausgekostet hat er diesen Triumph nicht, "meine Leistungen müssen andere beurteilen, ich möchte dazu nichts sagen."

Für ihn sprangen andere in die Bresche, wie zum Beispiel Bert van Marwijk, "natürlich ist ein Torhüter dafür da, Bälle zu halten, aber Roman hat in Stuttgart eine erstklassige Leistung abgeliefert." Florian Kringe stellte klar: "Absolute Spitze, was er alles rausgehauen hat." sein Trainer ist deshalb überzeugt, "ich bin niemand, der einzelne Spieler dem Bundestrainer empfiehlt. Die Leistungen sprechen für sich und die werden sich auch durchsetzen." Davon ist auch Christian Wörns überzeugt: "Roman ist ruhiger geworden und deshalb viel souveräner." Das stimmt, jedoch nicht immer. Wenn der Junggeselle seine Freizeitkluft gegen das Torwart-Trikot tauscht, dann sieht er nur den Erfolg und scheut sich auch nicht, den einen oder anderen Mitspieler bei Nachlässigkeiten so richtig den Kopf zu waschen. Sogar Tomas Rosicky kann ein Lied davon singen.
Genau diese Züge weist auch Jens Lehmann auf. Wenn der Ball ruht, dann ist der gebürtige Essener der Wunsch-Schwiegersohn jeder Mutter, aber auf dem Rasen herrschen andere Höflichkeitsgesetze. Letztendlich hat er sich damit durchgesetzt, auch in der Nationalmannschaft, es wäre also eigentlich nur logisch und vor allem auch den Leistungen nach gerecht, die beiden "Verrückten" wieder zu vereinen. Ihr Auftrag, Herr Löw.

Autor: rk

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