In den Tennishallen in Essen-Borbeck fand der letzte Leistungslehrgang des Deutschen Rollstuhl-Tennis-Verbandes (DRT) im Jahr 2006 statt, und es war eine Veranstaltung voller Premieren. Zunächst einmal wurde durch die DRT-Präsidentin Regina Isecke die Trainerpositionen mit Christoph Müller (Krefeld) als Lehrgangsleitung neu besetzt.

Phau und Uebel trainierten im Rollstuhl

Windschnittige Fahrtechnik

RS
03. Februar 2007, 21:21 Uhr

In den Tennishallen in Essen-Borbeck fand der letzte Leistungslehrgang des Deutschen Rollstuhl-Tennis-Verbandes (DRT) im Jahr 2006 statt, und es war eine Veranstaltung voller Premieren. Zunächst einmal wurde durch die DRT-Präsidentin Regina Isecke die Trainerpositionen mit Christoph Müller (Krefeld) als Lehrgangsleitung neu besetzt.

Als Co-Trainer kam Christoph Kellermann (Selm-Cappenberg) zum Einsatz und auch dies war eine Premiere. Beide Coaches wussten mit einem abwechslungsreichen Zwei-Tages-Konzept zu überzeugen. Sie sorgten bei den Mitgliedern der Rollstuhl-Tennis-Nationalmannschaft wie Nora Sommerfeld (Düsseldorf), Linda Wagemann (Wendelstein), Silke Wildmann (Heidelberg), Ariane Cless (Heidelberg) und Gaby Hartwig (Hameln) sowie beim Nachwuchsmann Jonas Kowalski (Geldern) mit ihren innovativen Trainingsideen für ein abwechslungsreiches Programm.

Ebenfalls wurde dabei das Tennis-Sportabzeichen des DTB abgenommen und mit viel Geschick meisterten die Rollstuhl-Tennisspieler/-innen die Aufgaben unter Wettkampfbedingungen. Motiviert waren sie zudem durch die Anwesenheit der beiden erfolgreichen deutschen Tennisprofis Björn Phau (Grün-Weiss Mannheim) und Lars Uebel vom Bundesliga-Aufsteiger Solinger TC.

„Unser Gedanke war, die Rollis in ihrem Bemühen zu bestärken, konzentriert und beharrlich an sich zu arbeiten“, betont Müller. Knapp vier Stunden nahmen sich die beiden Tennis-Bundesligaspieler Zeit, um mit den besten deutschen Rollstuhl-Tennis-Athleten zunächst einen intensiven Erfahrungsaustausch vorzunehmen, und zum anderen aber auch mit ihnen zu spielen.

Selbstverständlich ließen es sich Phau und Uebel nicht nehmen, sich mit den Lehrgangsteilnehmern einzuschlagen und anschließend mit ihnen in Doppelmatches auch gemeinsam zu spielen. So etwas hat es in der Geschichte des deutschen Rollstuhl-Tennis bislang noch nicht gegeben. Abschließend wollte die aktuelle Nummer 61 der ATP-Weltrangliste, der 27-jährige Björn Phau, selbst Erfahrungen sammeln und das Tennisspiel aus einer für ihn anderen Perspektive heraus betrachten.

„Mein Respekt gegenüber den Rollstuhl-Fahrern war ja vor diesem Lehrgang schon groß, aber selber den Stuhl steuern und gleichzeitig Ball und Schläger unter Kontrolle zu behalten, das alles ist viel schwieriger als ich es gedacht hatte“, staunte der Agassi-Bezwinger des Jahres 2006. Immer wieder brachte ihn Uebel als Zuspieler mit gezielten Schlägen in Richtung Körper in Bedrängnis. „Das Spiel im Stuhl erfordert ein sehr hohes Maß an Koordination, Übung und ausgereifter Fahrtechnik“, erklärt Regina Isecke, die in ihrer aktiven Zeit als Rollstuhl-Tennisspielerin selbst Weltklasse verkörperte und Titel in Serie gewann.

Sehr schnell entwickelte Phau seinen eigenen Fahrstil und auf die Frage von Trainer Kellermann, weshalb er sich so stark nach vorne beuge, antworte der Weltklassemann aus Weilerswist: „Dadurch bin ich windschnittiger.“ Nicht nur diese Szene sorgte bei den Beteiligten für eine ausgelassene Stimmung und lockere Atmosphäre. Zwei Tage lang schafften es die Coaches, sechs Rollstuhl-Tennisspielern unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Spielstärken ausgestattet, zu einem Team zusammenzuschweißen. Am Ende des Lehrgangs konnte das Duo Müller/Kellermann den Teilnehmern zum bronzenen bzw. silbernen Sportabzeichen gratulieren.

DRT-Präsidentin Isecke, die aufmerksame Beobachterin an beiden Lehrgangstagen war, zog ein entsprechend positives Fazit: „Ich kann nur hoffen, dass diese beiden neuen Trainer uns lange erhalten bleiben. Meine Hoffnung geht dahin, dass sie sich künftig um die Belange unserer Damen-Nationalmannschaft und um die damit zusammenhängenden Lehrgänge kümmern. Vor allem im Hinblick auf die Paralympics im Jahr 2008 in Peking. Auf diesen Lehrgang dürfen wir besonders stolz sein."

Autor: RS

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