Es macht den Eindruck, als bewegten sich die Gegner vom Freitag im Gleichschritt, doch irgendwie scheinen die Hanseaten dabei zwei Fuß voraus – gerade auch in der Tabelle der noch ganz jungen Saison.

SCHALKE/BREMEN - Ein Vergleich der Bayern-Jäger

tm
24. August 2006, 11:06 Uhr

Es macht den Eindruck, als bewegten sich die Gegner vom Freitag im Gleichschritt, doch irgendwie scheinen die Hanseaten dabei zwei Fuß voraus – gerade auch in der Tabelle der noch ganz jungen Saison.

Es macht den Eindruck, als bewegten sich die Gegner vom Freitag im Gleichschritt, doch irgendwie scheinen die Hanseaten dabei zwei Fuß voraus – gerade auch in der Tabelle der noch ganz jungen Saison. Dabei läuft relativ viel parallel: von der vollmundigen Zielstellung für 2007 als selbsternannte Bayernjäger bis hin zu ihren Sponsorenterminen. Am Sonntag huldigte Werder auf Spiekeroog einer Reederei, am Dienstag warf sich Schalke beim Herrenausstatter in Herne ordentlich in Schale.

Zwei Punkte Vorsprung haben die Bremer, obwohl sie die schlechteren Voraussetzungen für ihre Vorbereitungen hatten: mehr müde WM-Teilnehmer und kurz vor Saisonbeginn noch der Verteidigertausch von Fahrenhorst zum noch nicht einsatzfähigen Mertesacker. Aber sie schleppen die Kollegen mit Trainingsrückstand leichter durch, ob Klose, Borowski oder auch Torsten Frings, der die kurze Sommerpause aber gleich relativiert: "Das ist doch inzwischen jedes Jahr so, daran haben wir uns gewöhnt."

Schalke wirkt frischer, doch energischer, willensstärker und zielstrebiger tritt bislang Werder auf, das mit dem Ligapokal schon den ersten Titel der Saison abgestaubt hat. Während die Gelsenkirchener gegen Frankfurt nach dem Ausgleich jede Linie verloren und auch in Aachen eine ganze Halbzeit schwächelten, ließen sich die Norddeutschen weder in Hannover noch gegen Leverkusen von Rückständen aus der Bahn werfen.

Im Gegenteil: da krempelten sie die Ärmel richtig hoch, reagierten auf die Notsituation, indem sie den Gegner unter Druck setzten. Bei 96 holten sie dreißig Sekunden nach dem Ausgleich beispielsweise einen Elfmeter heraus – mangelnde Spritzigkeit kaschierten sie mit großem Einsatz. Miroslav Klose brachte es in Hannover auf den Punkt: "Gerade wir Nationalspieler können noch nicht bei 100 Prozent sein, aber der Trainer verlangt, dass wir uns in jedem Spiel den Hintern aufreißen und das hat die ganze Mannschaft getan."

Klose hat schon wieder zwei Treffer auf seinem Konto, bewegt sich damit in anderen Dimensionen als der nach wie vor glücklose Kevin Kuranyi. Auch in der Kreativzentrale mutet Werder eleganter an, seine Nummer zehn setzt Akzente wie kein anderer Bundesligaspieler in den ersten beiden Runden. Der 21 Jahre alter Brasilianer Diego, von der Ersatzbank des FC Porto an die Weser gewechselt, verzauberte das staunende Publikum mit Ballgeschick, Übersicht und Tordrang – wie Lincoln an seinen besten Tagen. Doch während der Schalker trotz Elfmeterchance gegen die Eintracht noch auf ein Erfolgserlebnis wartet, führt Diego die Scorerliste der Liga mit einem Tor und vier Vorlagen deutlich an.

Dreimal so viele Treffer wie die Westfalen haben die Bremer in den beiden Spielen erzielt, obwohl sie weniger Chancen dazu hatten. Und doch bleiben sie selbstkritisch und unaufgeregt, während in Gelsenkirchen kleine Schritte überschwänglich gefeiert werden. "Wir haben über weite Strecken so gespielt, dass man an den Titel denken kann", fand Lincoln – eine gewagte Analyse des Frankfurtspiels. Immerhin: In der Abwehr scheint Schalke weiter als Werder und auch die Bilanz der letzten Jahre lässt für Freitagabend hoffen.

Ihren Sponsorentermin unter der Woche brachten die Königsblauen mit Kaffee und ein wenig Tischfussball übrigens recht zügig hinter sich, während die Bremer mit Fußball-Tennis und Barbecue eine Tagestour draus machten. Möglicherweise haben sich die Schalker da ja aufs Wesentliche konzentriert.

Autor: tm

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