Neulich war Christoph Kramer bei der Nationalmannschaft. Mit der U19-Auswahl nahm er an einem Turnier im spanischen La Manga teil, es lief eher durchwachsen.

Leverkusens Jugend

Kramers Weg aus "Bauern" - in die Bundesliga

03. April 2010, 14:17 Uhr

Neulich war Christoph Kramer bei der Nationalmannschaft. Mit der U19-Auswahl nahm er an einem Turnier im spanischen La Manga teil, es lief eher durchwachsen.

Für den Leverkusener war die Teilnahme dennoch etwas Besonderes: „Als ich mit dem Fußball angefangen habe, wollte ich schon in die Nationalmannschaft. Nun tatsächlich auf dem Platz die Nationalhymne zu hören, sorgt schon für ein Gänsehautgefühl.“

Dabei schien ein solches Erlebnis noch vor kurzem in aussichtsloser Ferne. Schließlich ist er in Bayers C-Jugend ausgemustert worden, weil er mit einer Körpergröße von 1,58 Meter schlicht zu klein war. „Damals ging schon etwas kaputt in mir. Ich hatte Angst, dass alles vorbei ist“, berichtet der gebürtige Solinger. Es folgten zwei Spielzeiten bei Fortuna Düsseldorf, „in der Bauernliga“, wie Kramer mit einem Grinsen bemerkt. Wohl wissend, dass er dort zu einem Großen heranreifte – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der Leistungssprung ging mit einem rasanten Wachstumsschub einher.

Mittlerweile misst der defensive Mittelfeldspieler stolze 1,89 Meter und ist seit 2008 wieder in Leverkusen. „Es ist doppelt und dreifach schön, wenn ein Spieler über diesen Umweg noch einmal richtig interessant wird“, betont sein Trainer Sascha Lewandowski. Und tatsächlich: Nicht nur in der U19 und im DFB-Team ist Kramer eine feste Größe, auch höhere Aufgaben werden ihm offenbar zugetraut.

Ende Januar durfte er mit den Profis beim Test in Aachen für eine Viertelstunde ran, an der Seite seines großen Vorbildes Simon Rolfes. „Es ist ein cooles Gefühl, mit den Stars, die man aus dem Fernsehen kennt, auf dem Platz zu stehen“, berichtet der 19-Jährige.

Für diese Erlebnisse nimmt er gerne all die Entbehrungen in Kauf, die der Traum vom großen Fußball erfordert. Jeden Tag fährt er aus Solingen zum Training, pro Strecke ist er eine Dreiviertelstunde unterwegs. Und dann stehen im Mai auch noch die Abiturprüfungen an. „Ich bin ein klassischer Viererkandidat, der immer irgendwie durchkommt“, sagt der Blondschopf von sich selbst.

Er spürt, dass er in vielerlei Hinsicht vor entscheidenden Wochen steht. „Jetzt werden die Weichen gestellt“, betont Kramer. Und er meint damit nicht nur seine schulische Laufbahn. Sein Vertrag läuft zum Saisonende aus, noch hat es keine konkreten Verhandlungen über eine Verlängerung für den Seniorenbereich gegeben.

Gedanken macht er sich deswegen aber nicht. Das ist auch nicht nötig. Schließlich muss er nicht befürchten, wie in der C-Jugend erneut ausgemustert zu werden. „Danach wollte ich es allen zeigen, es war eine Trotzreaktion“, erklärt der Youngster seinen persönlichen Aufstieg. Und er räumt ein: „Damals hätte ich es mir nicht erträumen können, noch einmal für Leverkusen zu spielen.“

Mittlerweile darf er sich sogar in die BayArena träumen. Fast jedes Match des Bundesliga-Teams verfolgt er gemeinsam mit seinen Mitspielern in Block F9. Vielleicht feiern sie dort im Sommer sogar die Deutsche Meisterschaft. Womöglich darf Kramer aber selbst auf dem Platz um diesen Titel kämpfen – mit der A-Jugend.

Denn die U19 hat derzeit alle Karten in der Hand, sich als Meister der Weststaffel für das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. „Ich bin selbst überrascht, dass wir oben stehen“, räumt der Kapitän ein. Wohl wissend, dass er selbst auch einiges zu der Entwicklung beigetragen hat: „Ich versuche, die Mannschaft zu lenken und zu dirigieren.“ Das gelingt ihm so bemerkenswert gut, dass ihm nun Türen offen stehen, die eigentlich schon längst verschlossen schienen.

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