Vor exakt einem Jahr, da schrieb er gleich reihenweise positive Nachrichten.

BVB: Sahin und die Schattenseiten eines Shootingstars

rk
14. August 2006, 08:32 Uhr

Vor exakt einem Jahr, da schrieb er gleich reihenweise positive Nachrichten.

Vor exakt einem Jahr, da schrieb er gleich reihenweise positive Nachrichten. Nuri Sahin war der uneingeschränkte Shootingstar der Fußball-Bundesliga. Als 16-Jähriger und zudem jüngster Spieler aller Zeiten, der je in der deutschen Eliteliga auflaufen durfte, setzte er mit seinem Einsatz in Wolfsburg ein erstes, bemerkenswertes Ausrufezeichen, dem weitere, scheinbar unzählige folgen sollten. Beim 2:1-Auswärtserfolg in Nürnberg schoss er sein erstes Tor, debütierte zudem in der türkischen Nationalmannschaft, in der er in kürzester Zeit zu sieben weiteren Einsätze kam. Rekorde, die immer mit dem Zusatz "jüngster" verknüpft waren.

Inzwischen hat den Mittelfeldspieler jedoch der Alltag eingeholt und genau der kann auch bittere Stunden hervorbringen. Wie zum Beispiel am Freitagabend in der Allianz-Arena. Da erhielt das Super-Talent von Coach Bert van Marwijk die Höchststrafe. Erst in der 19. Minute für den verletzten Sebastian Kehl eingewechselt, musste er schon nach 78 Zeigerumdrehungen seinen Platz für Ebi Smolarek wieder räumen. Eine Entscheidung, die bei Sahin verständlicher Weise keine Begeisterung hervorrief, selbst wenn Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sich schützend vor seinen "Rohdiamanten" stellte: "Er war rund eine Stunde dabei. So lange wie er sonst auch auf dem Platz steht. Man sollte stets daran denken, dass er eigentlich noch A-Jugendlicher ist. Welcher Spieler seines Alters kann schon von sich behaupten, so lange in München agiert zu haben."

Der Noch-17-Jährige, der am 5. September seinen nächsten Geburtstag feiern wird, sah sich allerdings eher selbstkritisch: "Es war die Entscheidung des Trainers, aber ich weiß selbst, dass ich nicht gut gespielt habe." Gleichzeitig räumte er ein: "Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, zum Einsatz zu kommen, war darauf nicht vorbereitet. Doch das soll keine Ausrede sein." Stimmt, denn ein Kicker, der auf der Bank sitzt, der muss ohne Wenn und Aber darauf rechnen, die Trainingsjacke auszuziehen.

Der Einsicht folgte prompt der Trotz: "Den Kopf lasse ich trotzdem nicht hängen, denn ich weiß genau, was ich kann." Seine persönliche Marschroute: "Ich muss besser werden und auch im Training noch mehr Gas geben." Kein Einspruch, denn schon in der gesamten Vorbereitung konnte Sahin keine Glanzlichter setzen. Allerdings muss ihm zugute gehalten werden, dass die Eindrücke, die in den vergangenen zwölf Monaten auf ihn eingestürzt sind, nicht leicht zu verkraften sind. Die Schule ist nicht mehr "up to date", das BVB-Gästehaus hat er verlassen, so ein Cabrio hat zudem seine besonderen Reize.

Doch all diese Annehmlichkeiten müssen in den Hintergrund rücken, damit sich Sahin wieder auf den Ball konzentrieren kann, selbst wenn ihm zugute gehalten werden muss, dass die Leistungskurve bei Spielern seines Alters nur in den seltensten Fällen uneingeschränkt nach oben zeigt, sondern in der Regel von Wellenbewegungen geprägt ist.

Autor: rk

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