Der Fußball in Italien kommt auch sechs Tage nach
der Verkündung der Berufungsurteile im Manipulationsskandal nicht
zur Ruhe.

Italien-Skandal: Werden Strafen womöglich zurückgenommen?

31. Juli 2006, 13:51 Uhr

Der Fußball in Italien kommt auch sechs Tage nach
der Verkündung der Berufungsurteile im Manipulationsskandal nicht
zur Ruhe.

Während das Schlichtungskomitee des Nationalen
Olympischen Komitees CONI auf die erneuten Einsprüche wartet,
behalten sich die betroffenen Klubs weitere rechtliche Schritte
vor, und der Konsumentenschutzverband Codacons fordert bereits eine
Annulierung der Urteile wegen der Befangenheit eines Richters. Der
geplante Start der Serie A am 27. August wird immer
unwahrscheinlicher, der Beginn der Pokalrunde wurde bereits vom 13.
auf den 20. August verschoben.
Nachdem Rekordmeister Juventus Turin bereits in der
vergangenen Woche Einspruch gegen den Zwangsabstieg in die Serie B
eingelegt hatte, werden in den kommenden Tagen auch die Proteste
von den mit Punktabzügen bestraften AC Florenz (19 Zähler) und
Lazio Rom (11) erwartet. Einzig der AC Mailand, der bei der
Berufungsverhandlung vergangene Woche lediglich zu einem Abzug von
acht Zählern verurteilt worden war und nun wieder in der
Champions-League-Qualifikation starten darf, will auf weitere
rechtliche Schritte verzichten.
Dem Schlichtungskomitee kommt die schwierige Aufgabe zu,
zwischen dem italienischen Verband, der die Ermittlungen gegen die
Klubs in die Wege geleitet hatte, sowie den bestraften Vereinen zu
vermitteln. Sollte es zu keiner Einigung kommen, droht eine
langwierige Prozesswelle, die den Saisonstart gefährden würde.
So könnten die Klubs bei einem unabhängigen Verwaltungsgericht
in Rom Einspruch einreichen. Sollte auch dieser nicht nach den
Wünschen der Vereine entscheiden, bliebe als Möglichkeit der so
genannte Staatsrat, die letzten Instanz im italienischen
Verwaltungssystem.
Inzwischen wird in Italien sogar die Möglichkeit diskutiert,
die durch das Berufungsgerichts verhängten Strafen zu annullieren.
Dies fordert der Konsumentenschutzverband Codacons. Einer der
Richter im Berufungsgerichts soll in den vergangenen Jahren
Rechtsanwalt einiger Firmen wie dem Telekom-Konzern TIM oder der
Bank Capitalia gewesen sein, die zu den Sponsoren der Skandalklubs
zählten. Der Fußballverband will die Bedenken überprüfen. In erster
Instanz waren neben Juve auch Florenz und Rom mit einem Abstieg in
die Serie B bestraft worden.
Ungeachtet dessen laufen die Ermittlungen gegen weitere Klubs
an, die auch in den Sog des Absprachenskandals geraten sein sollen.
Staatsanwalt Stefano Palazzi wird über die Eröffnung eines
Prozesses gegen den Erstligisten Reggina Calcio und seinen
Präsidenten Pasquale Foti entscheiden. Belastet wurde Foti von
einigen abgehörten Telefongesprächen mit Ex-Juventus-Manager
Luciano Moggi, aus denen angeblich eine Verbindung zu den
Schiedsrichtern hervorgehen soll.
Inzwischen feiert Massimo Moratti, Präsident von Inter
Mailand, sich selbst als moralische Instanz und nebenbei den
nachträglich zuerkannten Meistertitel für die letzte Saison.
`Unsere Ehrlichkeit ist belohnt worden´, sagte Moratti bei einer
Feier mit seinen Spielern in Mailand nach dem ersten `Scudetto´
seit 1989.
Der nächste Inter-Titel soll aber auf dem grünen Rasen und
nicht am `grünen Tisch´ erobert werden. Dafür rüstet Inter auf:
WM-Held Fabio Grosso (US Palermo) wurde bereits verpflichtet,
außerdem laufen derzeit konkrete Verhandlungen mit den Stürmern
Luca Toni (AC Florenz) und Zlatan Ibrahimovic (Juventus Turin).

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