Bremen: Zocken um `Merte´ und bwin.de

21. Juli 2006, 12:52 Uhr

Klaus Allofs sagt nichts mehr. Außer: `Keine Wasserstandsmeldungen´. Das ist ein fast sicheres Indiz dafür, dass Werder Bremens Zocken mit Hannover 96 um den Wechsel von Nationalspieler Per Mertesacker in die entscheidende Phase geht.

Klaus Allofs sagt nichts mehr. Außer: `Keine Wasserstandsmeldungen´. Das ist ein fast sicheres Indiz dafür, dass Werder Bremens Zocken mit Hannover 96 um den Wechsel von Nationalspieler Per Mertesacker in die entscheidende Phase geht. Werder-Sportdirektor Allofs kann da ganz ruhig sein, denn spätestens nächste Saison kommt der lange Innenverteidiger so oder so an die Weser, dann aber für den festgeschriebenen Schnäppchenpreis von einer Million Euro. Jetzt könnte 96 noch etwa fünf Millionen erlösen.
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Hannovers `Comeback-Boss´ Martin Kind hat deshalb Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Man spricht. Längst haben sie an der Weser Spitzenklub-Attitüde angenommen. Sie wissen um die eigene Stärke. Das Konto prall, der Ruf glänzend. Der einst kleine, grün-weiße Sympathikus aus dem Norden, der Galliern gleich den Großen widerstand, hat sich nach drei Jahren in der Champions League in Folge ohne Frage zur Nummer zwei in Deutschland nach Branchenführer Bayern München gemausert. Die Verhandlungsstrategie um `Merte´ ist deshalb auch kaum verwunderlich genauso wie bei allen Topvereinen: Werde ich mit dem abgebenden Klub nicht einig, wird der Spieler bemüht. `Ich will sofort zu Werder´, ließ Mertesacker deshalb unmittelbar nach der WM verlauten.

Vor dem Turnier war der Transfer mit dem Bremer Angebot von 3,5 Millionen gescheitert. `Nach dem Mertesacker-Transfer wären wir mit den Planungen durch´, erklärte Allofs. Der Sportchef hat in Linksverteidiger Pierre Wome, Spielmacher Diego und Mittelstürmer Hugo Almeida drei potenzielle Hochkaräter geholt, dazu Clemens Fritz von Bayer Leverkusen und Stürmer Mohamed Zidan, der vom FSV Mainz 05 zurückkommt. `Wir sind in der Breite besser als letztes Jahr, können jetzt zwei gleichwertige Mannschaften stellen´, meint Allofs. Nur der Weggang von Spielmacher Johan Micoud birgt noch ein Fragezeichen: Ist der 21 Jahre alte Brasilianer Diego (vorher FC Porto) schon soweit, den Franzosen zu ersetzen?

Mit sechs Millionen Euro ist der Südamerikaner jedenfalls die teuerste Verpflichtung der Vereinsgeschichte. `Er kann in der Liga für Furore sorgen´, ist sich Allofs sicher und bläst zum Angriff auf die Bayern: `Wir wollen Meister werden.´ Gestört wird die Bremer Euphorie zurzeit nur durch den Ärger um den neuen Hauptsponsor betandwin, der sechs Millionen Euro jährlich einbringt. Der Vollzug einer Unterlassungsverfügung, mit der Werder die Werbung für das im Land Bremen möglicherweise illegale Wettunternehmen untersagt wurde, ist zur Zeit allerdings ausgesetzt, weil ein Richter beim Verwaltungsgericht in Urlaub ist. Werder wirbt also wieder, auf der Internetseite des Klubs tauchte der betandwin-Schriftzug am Freitag wieder auf. `Wir sind gehen davon aus, dass das Verwaltungsgericht positiv für uns entscheidet, wenn es zu der Verhandlung kommt´, sagt Sprecher Timo Polster.

Einen Plan B gibt es angeblich nicht. Am Freitag im Testspiel gegen Ankaragücü lief das Team jedenfalls mit dem Schriftzug bwin.de auf, und auch auf dem offiziellen Mannschaftsfoto, das am 29. Juli gemacht wird, sollen die Spieler in den neuen Trikots mit Sponsor-Beflockung abgelichtet werden. Zocken können sie - bei `Merte´ wie bei bwin.

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