Die BVB-Spieler in der Einzelkritik

rk
02. Juni 2006, 09:22 Uhr

Roman Weidenfeller und Christian Wörns waren in der RS-Bewertung zur Saison 2005/06 die besten Stammkräfte des BVB.

Roman Weidenfeller und Christian Wörns waren in der RS-Bewertung zur Saison 2005/06 die besten Stammkräfte des BVB. Alle Spieler in der Einzelkritik hier im Überblick:

Dennis Gentenaar (Notendurchschnitt: 2,60 / Bewertete Einsätze: 10): Lange Zeit konnte der Niederländer seine Fähigkeiten nur in Freundschaftspartien oder im Oberligateam unter Beweis stellen. Als er nach Roman Weidenfellers Verletzung dann in der Bundesliga zum Einsatz kam, präsentierte er sich als sicherer Rückhalt. Erledigte seine Aufgaben ruhig und sachlich, ohne Show-Effekte. In Hannover erwischte der Keeper einen absoluten Sahnetag und legte eine blitzsaubere Weltklasseleistung hin.

Roman Weidenfeller (2,70/24): Eine Knieverletzung sorgte für sein vorzeitiges Saisonende. Zuvor hatte sich der Schlussmann erneut als erstklassiger Meister seines Fachs ausgezeichnet. Sowohl in der Strafraumbeherrschung als auch auf der Linie mit teilweise glänzenden Reflexen. Absolut unverständlich, dass der Ex-Lauterer nicht als dritter Torwart zur WM mitgenommen wurde, zumal "Weide" sich beim BVB immer mehr zum Führungsspieler etabliert.

Christian Wörns (2,74/27): Man muss schon Jürgen Klinsmann heißen, um auf die Dienste des besten deutschen Abwehrspielers bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land verzichten zu können. Da der Kapitän lange glaubte, dass nach Leistung nominiert wird, kniete er sich mächtig rein und legte seine vielleicht beste Saison als Profi überhaupt hin. Bitter für ihn und den BVB, dass er nach seiner Kießling-Attacke in den ersten beiden Partien der neuen Spielzeit aufgrund seiner Sperre passen muss.

Markus Brzenska (3,10/19): Erlebte eine bittere Hinrunde, als er nur selten berücksichtigt wurde. Doch "Brenner" steckte den Kopf nicht in den Sand und war hellwach, als er seine Chance erhielt. Mit seiner nüchternen Spielweise, die jedes Risiko vermeidet, etablierte er sich anschließend und kegelte sogar Christoph Metzelder aus der Mannschaft. Zum Schluss mit leichten Schwächen, die aber das Gesamtsaisonbild nicht trüben.

Tomas Rosicky (3,21/28): Da können seine Kritiker noch so oft vorrechnen, wie selten sich der Tscheche in Dortmund in die Torschützenliste eingetragen hat, er war der dominante Akteur im schwarz-gelben Mittelfeld. Der "Fußball-Mozart" kann den Ball halten, ein Spiel dementsprechend beruhigen, er kann mit schnellen Antritten eine Abwehr schwindelig spielen und außerdem hat er ein exzellentes Auge für seine Mitspieler. Die konnten viel zu selten mit seinen feinen Zuspielen etwas anfangen. Die Zukunft wird zeigen, wie groß die Lücke ist, die er hinterlassen hat.

Leonardo Dede (3,39/30): Der Brasilianer konnte schon bessere Referenzen als die der letzten zwölf Monate vorlegen. Als ihm Bert van Marwijk wieder mehr Freiheiten nach vorne einräumte, war weitaus mehr Leben auf der linken Seite zu registrieren. Am Ende der langen Saison zeigte seine Leistungskurve eindrucksvoll nach oben. Eine Tatsache, die Mut für die anstehenden Aufgaben macht. Immerhin ist insbesondere "Leo" mehr als heiß auf das Erreichen des internationalen Geschäfts.

Sebastian Kehl (3,39/28): Die Wege des Bundestrainers sind schon reichlich kurios. In der ersten Serie waren "Kellys" Darbietungen wesentlich effektiver als in der zweiten. Im neuen Jahr erlaubte sich der Mittelfeldspieler den einen oder anderen Durchhänger, selbst wenn es an seinem kämpferischen Engagement nichts zu mäkeln gibt. Doch ausgerechnet in der kleinen Schwächeperiode sprang er im letzten Moment noch auf den WM-Zug.

Marc-André Kruska (3,50/10): Verkehrte Welt. Im Gegensatz zu Markus Brzenska erlebte er nach einer ordentlichen Hinrunde in der Folgezeit die meisten Begegnungen nur von der Bank aus. Es ist schwer für ihn, an Sebastian Kehl vorbeizukommen, zumal der defensive Mittelfeldspieler kein Allrounder ist und er deshalb nicht auf sehr vielen Positionen eingesetzt werden kann.

Philipp Degen (3,59/27): So schnell kann es gehen. In der Winterpause wurde noch offen darüber spekuliert, ob der Schweizer bereits nach einem halben Jahr beim BVB weitertransferiert werden soll. Zu selten hatte er sich an die Vorgaben seines Trainers gehalten, mit dem er mehr als einmal aneinander geriet. Doch der Ex-Basler erwies sich als lernfähig und steigerte sich kontinuierlich. In München legte er dann die beste Leistung hin, die sogar Bert van Marwijk zu einem Extralob hinriss.

Christoph Metzelder (3,62/19): Der Vize-Weltmeister von 2002 schob insbesondere in der zweiten Saisonhälfte reichlich schwarz-gelben Frust. Kleinere Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück, auf dem Feld konnte er nur in Ausnahmefällen an seine Glanzleistungen früherer Jahre anknüpfen. Als Integrationsfigur und Vordenker ist er sicherlich für den BVB unentbehrlich, doch für die erste Elf befand ihn dann selbst sein Förderer Bert van Marwijk nicht mehr gut genug. Irgendwie riecht es nach Abschied, wenn "Metze" nach der WM seinen Zukunftsentscheidungen bekannt geben wird.

Nuri Sahin (3,63/22): Er ist der Shootingstar der abgelaufenen Spielzeit, daran ändern auch seine Zwischentiefs nicht, die für einen Akteur seines Alters einfach unvermeidbar sind. Der 17-Jährige lebt von seiner unbekümmerten Art, Fußball zu spielen, doch da ihm die Frische fehlte, kam auch Ideenarmut auf. Aufgrund der vielen internationalen Verpflichtungen im Juniorenbereich und anschließend auch in der türkischen A-Nationalmannschaft wirkte der Youngster überspielt. Die lange Urlaubspause wird ihm gut tun und vom ersten Spieltag an auch der Borussia.

Florian Kringe (3,76/30): Der Mann für alle Fälle. Egal, ob als Manndecker oder Außenverteidiger, natürlich sowohl rechts als auch links oder im offensiven Mittelfeld, wenn "BvM" eine dringende Lösung sucht, dann findet er meistens den Blondschopf. Der hat dann natürlich das Problem, sich nirgendwo so richtig fest spielen zu können. Trotzdem hat er diesmal seine vorherige Torlosigkeit abgelegt und traf immerhin fünfmal.

David Odonkor (3,86/30): Mit seiner Schnelligkeit kann er eine ganze Abwehrseite einfach stehen lassen, aber am Ende muss auch etwas Zählbares in Form einer gelungenen Flanke oder eines erfolgreichen Torschusses herausspringen. "Ben Johnson" wird sich in Zukunft zu mehr Ruhe zwingen müssen, durch seinen gut gemeinten Übereifer schwächt er sich selbst und letztendlich auch das Team. Vielleicht wird der Lerneffekt durch die überraschende WM-Teilnahme beschleunigt.

Ebi Smolarek (4,08/34): Das hat man davon, wenn man die Fans siebzehn Spiele lang zu sehr verwöhnt. In dieser Phase traf der Pole gleich elffach und ließ zwischenzeitlich den Ausfall von Jan Koller vergessen. Doch dann kam die große Flaute, die verzeihlich ist, wenn man berücksichtigt, dass der frühere Rotterdamer eigentlich auf den Außenbahnen zuhause ist. Trotzdem: Manche Möglichkeiten, wie zum Beispiel die 1000-prozentigen gegen Eintracht Frankfurt, darf ein Profi einfach nicht vergeigen.

Delron Buckley (4,71/21): Er wirkte von Anfang an wie ein Fremdkörper im BVB-Team und konnte diese Außenseiterrolle nie ablegen. Mit jeder Begegnung ohne Treffer schwand zudem sein Selbstvertrauen, das am Ende bei Null angelangt war. Wenn nicht viel gelingt, dann sollte sich jeder Akteur so reinknien, dass er zumindest behaupten kann, er hätte alles gegeben. Ebi Smolarek hatte es dem Südafrikaner jede Woche vorexerziert, kapiert hat er trotzdem nichts. Eine vorzeitige Trennung ist für beide Seiten eine Erlösung.

Matthew Amoah (4,85/7): Absolvierte zwar nur sieben Spiele für seinen neuen Klub, da er jedoch erst in der Winterpause nach Dortmund kam, wird er noch bewertet. Allerdings alles andere als gut. Dem Ghanaer fehlt jegliches Durchsetzungsvermögen, sein Zweikampfverhalten ist schlichtweg eine Katastrophe. Bleibt die Hoffnung, dass er die anstehende Vorbereitung ohne Verletzung absolvieren und dann noch beweisen kann, dass ihn Bert van Marwijk zurecht absolut wollte.

Folgende Spieler können aufgrund der geringen Zahl der bewerteten Einsätze nicht beurteilt werden: Lars Ricken (4,20/10) kam aufgrund eines Kreuzbandrisses nur in der Hinrunde zum Einsatz, das Fazit haben wir schon in der Winterpause gezogen. Jan Koller (3,63/8), Salvatore Gambino (4,28/7), Uwe Hünemeier (3,00/2), Cedric van der Gun (3,00/1), Caliskan (4,00/1).

Autor: rk

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