Lust auf Fußball hat Rudi Assauer offensichtlich immer noch. Am Freitag fuhr der abgedankte Manager des FC Schalke nach Epe, gestern freute er sich in Hassel mit den A-Junioren über den Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft.

Tönnies will Müller als "Mr. Schalke" aufbauen

hb
21. Mai 2006, 11:32 Uhr

Lust auf Fußball hat Rudi Assauer offensichtlich immer noch. Am Freitag fuhr der abgedankte Manager des FC Schalke nach Epe, gestern freute er sich in Hassel mit den A-Junioren über den Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft.

Lust auf Fußball hat Rudi Assauer offensichtlich immer noch. Am Freitag fuhr der abgedankte Manager des FC Schalke nach Epe, um sich einen glanzlosen 3:0-Sieg der Bundesliga-Profis bei einem Kreisligisten anzusehen. Gestern ließ er sich am Hasseler "Lüttinghof" blicken und freute sich mit der "U 19" über ein 3:0 gegen Hertha BSC, das für die A-Junioren den Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft bedeutete.

Am morgigen Montag indes wird der Aufsichtsrat in einer turnusgemäßen Sitzung gemeinsam mit dem Vorstand die Woche eins nach Assauers Rückzug formal abwickeln. Die eigentlich für den 1. August geplante Neustrukturierung des Vorstands wird vorgezogen, Andreas Müller wird ab sofort Assauers Nachfolger auf dem Manager-Posten. Und Gerd Rehberg hat bereits angekündigt, für ein weiteres Jahr das Präsidentenamt bekleiden zu wollen, da er den Verein in der jetzigen, schwierigen Situation "nicht im Stich" lassen werde.

Aufsichtsratschef Clemens Tönnies hat bereits angekündigt, Müller als neuen "Mr. Schalke" aufbauen zu wollen. "Ich bin der festen Überzeugung, dass Andy Müller als unser Sportmanager in die Rolle hineinwächst. Er ist noch jung, Erfahrung hat er, und an Charisma fehlt es ihm auch nicht. Er wird einen Riesenjob machen", sagte der Unternehmer.

Die Konzentration von Tönnies gilt bis auf weiteres der finanziellen Stabilisierung der nach seinen Angaben mit "aktuellen Verbindlichkeiten in Höhe von 120 Millionen Euro" belasteten Königsblauen. Ein Mittel dabei soll der Verzicht auf weitere Kredite der Hausbanken sein: "Wir haben noch in jüngster Zeit welche erhalten. Wir wollen aber zukünftig keine mehr." Seinen Angaben zufolge sollen die zuletzt bekannt gewordenen Privatdarlehen in Kürze durch Zahlungseingänge in Höhe von 25 Millionen Euro aus der Champions League sowie dem Verkauf von Dauerkarten und Arena-Logen und Mitgliedsbeiträgen tilgen. Um einen Liquditäts-Engpass zu überbrücken, hatten Tönnies mit 4,7 Millionen Euro aus seiner Privatkasse sowie Aufsichtsrats-Kollege Karl-Heinz Beul mit weiteren drei Millionen Euro und Assauer selbst mit 500.000 Euro ausgeholfen.

Geschäftsführer Peter Peters, der wie Schnusenberg bisher nicht bereit war, weiter zu den Vorgängen in der abgelaufenen Woche Stellung zu nehmen, sieht in der problematischen Außendarstellung des Clubs eine der größten Aufgaben der Zukunft. Man müsse vor allem den aus seiner Sicht völlig falschen und schädlichen Eindruck aus der Welt schaffen, der durch die jüngste "Focus" –Geschichte über die Finanzlage der Gelsenkirchener entstanden sei.

Tönnies will bei dem künftigen Sparkurs auch eine strenge Auswahl bei künftigen Neuverpflichtungen treffen. "Wir werden keine Ablösesummen mehr bezahlen, sondern nur noch Spieler kaufen, die frei wechseln können", stellte der Fleisch-Fabrikant klar.

Das verpasste Saisonziel Champions League-Teilnahme macht den "Knappen" aus Sicht von Tönnies keinen Strich durch die Rechnung. "Mit dem Erreichen des UEFA-Pokals liegen wir im Liquiditätsplan. Das Erreichen des Halbfinales im UEFA-Pokal war lukrativer als ein Ausscheiden in der ersten K.o. -Runde nach den Gruppenspielen der Champions League."

Zweifel an der Seriösität des Schalker Finanzgebarens hält der Aufsichtsrats-Boss ungeachtet der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen des umstrittenen Ein-Euro-Deals mit der Stadt Gelsenkirchen für das ausgediente Parkstadion für unangebracht. Tönnies: "Die Übernahme der Ruine Parkstadion war ein sehr guter Deal. Das war praktizierte Wirtschaftsförderung. Dass eine solche Wertsteigerung durch Schalke als Buchhaltungsverbrechen dargestellt wird, ist doch ein Witz."

Aufsichtsrats-Mitglied Rolf Rojek dagegen, der mit seinem Votum contra Assauer persönlich in eine große Zwickmühle geraten war, will sich am heutigen Sonntag per Info-Post in einem Mail-Rundbrief an die Fans wenden und dort seinen Standpunkt erklären.

Autor: hb

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