Eben noch am Gardasee, nun zurück im rauen Bundesliga-Alltag: Lorenz-Günther Köstner ist plötzlich Cheftrainer des Deutschen Meisters VfL Wolfsburg.

Zurück in der Bundesliga

Köstner: "Ein Feigling war ich noch nie"

Tom Vaagt (sid)
26. Januar 2010, 15:25 Uhr

Eben noch am Gardasee, nun zurück im rauen Bundesliga-Alltag: Lorenz-Günther Köstner ist plötzlich Cheftrainer des Deutschen Meisters VfL Wolfsburg.

Mit einem Erfolgserlebnis im Punktspiel am kommenden Freitag beim Hamburger SV (20.30 Uhr/live bei Sky und Liga total) soll Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner den freien Fall des deutschen Fußball-Meisters VfL Wolfsburg stoppen und Manager Dieter Hoeneß Zeit bei der Suche nach einen Nachfolger für den am Montag entlassenen Armin Veh verschaffen.

Mit einem Sieg könnte der Coach aber vielleicht sogar Werbung in eigener Sache betreiben. "Der Plan ist, dass Lorenz-Günther Köstner erfolgreiche Arbeit macht und dann wieder unsere zweite Mannschaft übernimmt. Aber im Fußball gab es schon alles. Wir wollen uns alle Handlungsoptionen offenhalten", sagte Hoeneß am Dienstag und betonte, noch mit keinem Trainerkandidaten "konkrete" Gespräche geführt zu haben: "Ich finde es auch merkwürdig, wenn man morgens einen Trainer freistellt und am Abend schon den Nachfolger präsentiert."

Köstners "verdammte Pflicht, Aufgabe ohne Angst anzugehen"
[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/015/829-16347_preview.jpeg Dieter Hoeneß (Foto: firo).[/imgbox]
Köstner, der am Montag noch mit der zweiten Mannschaft des VfL im italienischen Pechiera weilte und am Dienstagnachmittag die erste Einheit bei den Profis leitete, meinte: "Als Dieter Hoeneß anrief, habe ich nicht lange überlegt oder nachgefragt. Es ist meine verdammte Pflicht, die Aufgabe ohne Angst anzugehen. Ein Feigling war ich noch nie." Das klingt fast wie eine Kampfansage und die Hoffnung auf ein großes Bundesliga-Comeback.

Zuletzt war Köstner vor knapp neun Jahren in Deutschlands Eliteliga als Coach im Amt und stieg mit der SpVgg Unterhaching ab. In Wolfsburg kehrt er nun zurück - und darf unter Umständen sogar bleiben. "Es ist auch eine Chance für ihn, als Trainer ein Zeichen zu setzen", sagte Hoeneß, der seinem alten Weggefährten aus Stuttgarter Zeiten möglicherweise zumindest bis zum Sommer das Vertrauen schenkt: "Dann ist die Trainer-Auswahl und auch die Wahrscheinlichkeit, sich für den Richtigen zu entscheiden, größer. Einige Trainer stehen ja jetzt noch unter Vertrag."

Huub Stevens könnte im Sommer kommen

Dies trifft zum Beispiel auf Huub Stevens zu. Mit dem Niederländer bildete Hoeneß bereits von 2002 bis 2003 ein Gespann bei Hertha BSC Berlin. Für eine sofortige Übernahme der seit neun Pflichspielen sieglosen Wolfsburger steht Stevens zwar nicht bereit, zur kommenden Spielzeit besitzt der 56-Jährige allerdings eine Ausstiegsklausel aus seinem Kontrakt bei Red Bull Salzburg.
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/006/382-6468_preview.jpeg Bernd Schuster (Foto: firo).[/imgbox]
Der ebenfalls im VfL-Umfeld gehandelte und derzeit vereinslose Bernd Schuster (zuletzt Real Madrid) ist hingegen schon jetzt auf dem Markt. "Das ist Wunschdenken der Medien", meinte Hoeneß. Köstner betreut die U23 der Wolfsburger seit rund zwölf Monaten und steht mit der Mannschaft derzeit auf dem zweiten Tabellenplatz der Regionalliga Nord. Der Abschied von seinem bisherigen Team fiel dem Trainer schwer. "Da musste ich schon ein paar Tränen verdrücken, aber die erste Mannschaft hat Vorrang", gesteht Köstner, auf den Hoeneß große Stücke zu halten scheint. "Er bringt die nötige Erfahrung mit, um so eine Aufgabe zu übernehmen. Ich hoffe, dass er der Mannschaft durch seine ruhige, aber auch konsequente Art mehr Sicherheit geben kann", meinte der Manager.

Hoeneß: "Die nächsten Spiele haben es in sich"

Statt Viertliga-Fußball wartet auf Köstner am Freitag nun der HSV. Danach geht es für den VfL in der Liga gegen Rekordmeister Bayern München, Tabellenführer Bayer Leverkusen und Schalke 04. Zudem steht die Europa-League-Zwischenrunde gegen den FC Villareal auf dem Programm. "Diese Spiele haben es in sich", sagte Hoeneß. Auch der Manager weiß, dass ein neuer Trainer angesichts der starken Gegner und der drohenden Fortsetzung der Negativserie schnell verbrannt sein könnte. Übergangslösung Köstner steht hingegen weniger unter Druck.

Autor: Tom Vaagt (sid)

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