Die Fußball-Bundesliga ist bekannterweise ein knallhartes Geschäft, in dem sich Hans-Joachim Watzke seit seinem Amtsantritt im letzten Jahr glänzend behauptet.

BVB: Watzkes Sanierungs-"Clou": Der Stadionrückkauf läuft

rk
15. Mai 2006, 08:13 Uhr

Die Fußball-Bundesliga ist bekannterweise ein knallhartes Geschäft, in dem sich Hans-Joachim Watzke seit seinem Amtsantritt im letzten Jahr glänzend behauptet.

Die Fußball-Bundesliga ist bekannterweise ein knallhartes Geschäft, in dem sich Hans-Joachim Watzke seit seinem Amtsantritt im letzten Jahr glänzend behauptet. Zwischenzeitlich kann sich der BVB-Geschäftsführer aber ein spitzbübisches Lächeln nicht verkneifen, insbesondere dann, wenn ihm wieder einmal ein ganz besonderer Clou im Rahmen des schwarz-gelben Sanierungsverfahrens gelungen ist.
Am Freitag-Nachmittag konnte der Unternehmer aus dem Sauerland deshalb wieder einmal sein feinstes Sonntagslächeln aufsetzen: "Wir sind dabei, das Kernstück der Rekonstruktion, nämlich den größten Hemmschuh Stadiondeal, zu unseren Gunsten umzusetzen." Mit Hilfe des Bankhauses Morgan Stanley werden die Borussen den 5800 Molsiris Fondzeichnern insgesamt 57,2 Millionen Euro anbieten, damit das Stadion nicht nur zu 48,8 Prozent, sondern wieder zu 100 Prozent in den Besitz des Bundesligisten gelangt. Watzke weiter: "Das ist ein sehr faires Angebot, denn die Anleger erleiden keine Verluste, sie bekommen ihr eingesetztes Kapital sowie die aufgelaufene Zinszahlung überwiesen."
Im Gegensatz zu März 2005 wird es aber keine Sonderversammlung der Anteilseigner geben, sie werden per Brief ihren Zuspruch oder ihre Ablehnung mitteilen. Bis zum 29. Mai müssen dann mindestens 75 Prozent mit Ja stimmen, dann kann das Geld schon zwei Tage später fließen. Mit einem Nein wollen sich die Borussen-Verantwortlichen nicht ernsthaft beschäftigen: "Dann haben die Zeichner ein erhebliches Risikopotenzial, weil wir so nicht vier bis fünf Millionen Euro pro Jahr einsparen können. Diesen Betrag würden wir zur Stärkung der Mannschaft einsetzen." Das nicht erhoffte "Horror-Szenario": "Zur Zeit haben wir einen rückläufigen Zuschauerschnitt von 2000 bis 3000, das gibt pro Jahr eine siebenstellige Mindereinnahme. Außerdem sind die zukünftigen TV-Erlöse deutlicher am sportlichen Erfolg orientiert." Aber nicht nur die Fans, auch die Werbepartner haben ihre Erwartungen: "Mit der RAG und Signal Iduna haben wir erstklassige Partner, die uns aber wieder im Europapokal sehen wollen."
Aus steuerlichen Gründen wird dann das Westfalenstadion in den Besitz der Goool.de (94,9 Prozent) und dem Verein gehen (5,1 Prozent). Diese Aufsplittung wird vorgenommen, damit die Grunderwerbsteuer nicht im vollen Umfang fällig wird. Doch nicht nur die Reintegration des Freudentempels, sondern auch die Aussicht auf eine erneute Kapitalerhöhung soll für einen neuen finanziellen Atem sorgen. Auf der letzten Hauptversammlung wurde beschlossen, dass die GmbH & CoKg a.A. noch einmal rund 14,2 Millionen Aktien auf den Markt werfen darf, was bei dem derzeitigen Kurswert rund 30 Millionen Euro einbringen würde. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass dafür Abnehmer vorhanden sind. Auf dem freien Markt sicherlich kaum, aber nach dem Aus des Molsiris-Geschäfts hat Watzke Hoffnung, dass ein Großinvestor, wie zum Beispiel Florian Homm, noch einmal zuschlagen könnte.
Das wäre auf der anderen Seite auch mehr als erfreulich, denn durch den Stadionrückkauf steigen die BVB-Verbindlichkeiten von 90 auf 145 Millionen Euro. Einen kleinen Wehrmutstropfen musste der BVB-Geschäftsführer trotzdem in den Freudenbecher fließen lassen. Die Nordrhein-Westfälische Landes- sowie die Bundesregierung haben der RAG bisher noch kein grünes Licht für den angestrebten Börsengang gegeben. Der sollte laut Werner Müller im Mai 2007 über die Bühne gehen. Da die Politiker frühestens Anfang kommenden Jahres eine Entscheidung treffen, wird dieser Zeitpunkt kaum zu halten sein. Die mögliche Folge: Die RAG kann von ihrem Sonderkündigungsrecht zum Ende der kommenden Saison Gebrauch machen. Das ist nämlich genau dann einsetzbar, wenn der Börsengang nicht über die Bühne geht.

Autor: rk

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