Bundesligist Bayer Leverkusen hat beim Finanzamt am 18. Mai 2004 vorsorglich Selbstanzeige erstattet. Es geht um Rechnungen von rund 9,5 Millionen Euro, die nicht eindeutig zugeordnet werden konnten.

Bayer meldet Zahlungen "vorsorglich" dem Finanzamt

kl
27. April 2006, 11:25 Uhr

Bundesligist Bayer Leverkusen hat beim Finanzamt am 18. Mai 2004 vorsorglich Selbstanzeige erstattet. Es geht um Rechnungen von rund 9,5 Millionen Euro, die nicht eindeutig zugeordnet werden konnten.

Bundesligist Bayer Leverkusen hat am 18. Mai Selbstanzeige beim Finanzamt erstattet. Es geht um 11,85 Millionen US-Dollar (rund 9,5 Millionen Euro), die auf Konten lateinamerikanischer Firmen geflossen waren. Diese wurden dem einflussreichen südamerikanischen Spielerberater Juan Figer zugeordnet.

"Die vorliegenden Rechnungen konnten trotz aufwändiger Recherchen seit November 2003 nicht eindeutig zugeordnet worden, so dass wir vorsorglich entschlossen haben, die Zahlungen beim Finanzamt anzumelden und nachträglich zu versteuern. Das war eine reine Vorsichtsmaßnahme", sagte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser dem Sport-Informations-Dienst (sid) und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers (Donnerstag-Ausgabe). Auf Grund der Selbstanzeige der Bayer Fußball GmbH und der Steuernachzahlung droht keine weitere strafrechtliche Verfolgung.

Am Dienstag hatte es unter anderem auf der Geschäftsstelle von Bayer Leverkusen einen Besuch der Steuerfahndung gegeben. Die Steuerermittler sahen Aufklärungsbedarf im Falle des Transfers von Zoran Mamic (1998/99) für rund 900.000 Euro vom VfL Bochum nach Leverkusen. Zwei Jahre später war der Profi für eine halbe Million Euro zurück nach Bochum gegangen. Holzhäuser erklärte, er sei "irritiert", dass nur zwei Tage nach diesem Vorkommnis, das in keinem Zusammenhang mit der Selbstanzeige Bayers stehe, interne Steuerdetails über Bayer Leverkusen an die Öffentlichkeit getragen worden seien. "Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass das Steuergeheimnis nicht gewahrt wurde", sagte der Bayer-Chef, der aber weiterhin dabei ist, den UEFA-Cup-Sieger von 1988 finanziell wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.

"Sanierungsplan ist in vollem Gange"

Das Magazin stern hatte in der Fastabstiegssaison 2002/2003 von einem Verlust von rund 42 Millionen Euro und von Bankschulden von 60,6 Millionen Euro berichtet. Holzhäuser bestätigte damalige Netto-Verbindlichkeiten von 60 Millionen Euro, erklärte allerdings: "Diese wurden mittlerweile um 75 Prozent, die Personalkosten um fast 50 Prozent reduziert. Unser Konsolidierungs- und Sanierungsplan ist in vollem Gange."

Dass laut stern im Geschäftsjahr 2005 trotzdem ein Verlust von fünf Millionen Euro stehe, relativierte Holzhäuser: "Das ist ein "worst-case"-Szenario von Fünf-Millionen-Minus, es kann aber auch Elf-Millionen-Plus geben." Dies hänge von möglichen UEFA-Cup, -DFB-Pokal- und -Ligapokal-Einnahmen sowie Transfererlösen ab. Der Bayer-Geschäftsführer will die Fußball-GmbH jedenfalls schon sehr bald in die Gewinnzone führen und sieht seine Pläne nicht als gefährdet an.

Autor: kl

Kommentieren