Die Liste der Absteiger der Hinrunde, die nahezu alle Feldspieler beinhaltet, ist bei weitem länger als die der Aufsteiger. Auch der Trainerwechsel bewirkte wenig.

VfL-Bilanz

Die Auf- und Absteiger der Hinrunde

Ulrich Homann
01. Januar 2010, 11:47 Uhr

Die Liste der Absteiger der Hinrunde, die nahezu alle Feldspieler beinhaltet, ist bei weitem länger als die der Aufsteiger. Auch der Trainerwechsel bewirkte wenig.

Aufsteiger:

Es gibt im Kader des VfL Bochum keinen Feldspieler, der auch nur ansatzweise für eine solche Rubrik in Frage käme. Zumindest bei den beiden Torhütern Philipp Heerwagen und Andreas Luthe scheint eine solche Klassifizierung aber angemessen. Heerwagen war lange Zeit als Nummer drei chancenlos. Luthe war kaum für die Amateure gut genug. [imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/014/133-14586_preview.jpeg Auf die Torhüter war Verlass: Philipp Heerwagen (l.) und Andreas Luthe (Foto: firo).[/imgbox]Doch mittlerweile haben sich beide in der Hierarchie nach oben gekämpft. Heerwagen hat sich vor Daniel Fernandes und René Renno auf die Nummer eins geschoben. Seine Leistungen nähren die Hoffnung, dass Bochum mit ihm über Jahre wieder eine konstante Nummer eins hat. Und Luthe vertrat den verletzten Heerwagen in vier Spielen zuverlässig bis spektakulär. Kein Wunder, dass der VfL mit beiden schnell verlängern will, um die Baustelle Torwartposition schließen zu können.

Absteiger:

Die Liste entspricht dem Feldspielerkader. [imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/014/099-14552_preview.jpeg Erzielte in der Hinrunde nur zwei Tore: Stanislav Sestak (Foto: firo).[/imgbox]Als Ausnahmen können allein und mit teilweise großen Abstrichen Marcel Maltritz, Christian Fuchs durch die letzten und Mimoun Azaouagh durch die ersten Spiele genannt werden. Vielleicht ist auch noch Diego Klimowicz bei vier Toren noch einigermaßen im Plan. Der Rest lieferte überwiegend für einen Profi-Fußballer beschämende Leistungen ab. Als größte Flops zu nennen sind Slawo Freier, Shinji Ono, Joel Epalle, Stanislav Sestak, Zlatko Dedic und das ewige Talente Dennis Grote.

Das Problem:

Liegt eindeutig beim vorhandenen Spielerkader. Alle, die Coach Marcel Koller für den Niedergang verantwortlich machten, müssen sich widerlegt fühlen. Denn nach seinem von außen durchgesetzten Rausschmiss wurde es nicht einen Deut besser, obwohl gleich zwei Trainer danach versuchten, Leistung aus den Spielern herauszukitzeln. Auch den Verantwortlichen ist nicht wirklich einen Vorwurf zu machen. Denn der Kader ist von den Namen her und die Bochumer Möglichkeiten berücksichtigend absolut erstligareif aufgestellt. Dass von diesen Spielern aber nahezu niemand sein Können abrufen und in den Dienst der Mannschaft stellen konnte, ist wohl kaum Thomas Ernst oder Ansgar Schwenken anzulasten. Auch der andauernde Hinweis auf die gute Arbeit von Stefan Kuntz ist deshalb müßig, weil die meisten der derzeitigen Spieler ja auch in dessen Manager-Zeit beim VfL unter Vertrag standen.

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Dass Anthar Yahia, Zlatko Dedic und Stanislav Sestak in dieser Zeit zu Nationalhelden wurden und mit ihren Ländermannschaften zur WM fahren, unterstreicht nur noch das Rätsel. Warum solche Akteure in den Liga-Spielen regelmäßig versagen, kann eigentlich gar nicht erklärt werden. Auch die Frage nach einer sinnhaften Taktik erscheint eher unwichtig, so lange die Spieler kollektiv außer Form sind. Herrlich kann in der kurzen Pause zwischen den Jahren nochmals an der Fitness arbeiten, er kann die Spieler an der Ehre packen, ihnen deutlich machen, dass nicht mehr viele von ihnen nach diesen Leistungen mit Verträgen bei anderen Erstligisten rechnen können und ein Abstieg etliche weitere Arbeitsplätze im Umfeld des Vereins gefährdet.

Ansonsten liegt es im Benehmen der Herren Profis, wie sie die Rückrunde zu gestalten gedenken. Man erwartet in Bochum gewiss keine Wunderdinge. Aber solche Spiele wie im letzten halben Jahr muss sich wirklich kein Fan bieten lassen ohne richtig sauer zu werden. Von daher war der versöhnliche Jahresabschluss mit dem vehement erkämpften Sieg in Hannover nicht mehr als ein kleiner Neuanfang.

Zukunft:

Sie hängt kurzfristig mal wieder am Klassenerhalt in der ersten Liga. Administrativ ist der Klub erstklassig aufgestellt. Es fehlt den Profis an nichts. Der Verein ist von seinen wirtschaftlichen Möglichen zwischen und im Schatten von Dortmund sowie Schalke natürlich chronisch stark eingeschränkt, macht aber wirklich das Beste aus dieser Lage und kann wirtschaftlich durchaus mit drei, vier anderen Klubs aus der ersten Liga mithalten.

Gegen alle anderen greifen die Gesetze des Kampfes David gegen Goliath. Von daher muss ein Abstieg realistischerweise immer mal wieder einkalkuliert werden. Aber bitte nicht so kampf- und emotionslos, wie er sich zuletzt abzeichnete. Doch noch kann eine leidenschaftlich absolvierte Rückrunde die Spieler rehabilitieren und dem Verein die schwere Bürde eines neuerlichen Abstiegs abnehmen. Der Sieg in Hannover hat unterstrichen, dass die Mannschaft kann - wenn sie will.

Autor: Ulrich Homann

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