Das tat weh! Der VfL Bochum ist gegen den Rekormeister Bayern München mit 1:5 untergegangen und war damit am Ende sogar noch eingermaßen gut bedient.

VfL Bochum - Bayern 1:5

Mutlos ins Verderben

Günther Pohl und Uli Homann
12. Dezember 2009, 17:35 Uhr

Das tat weh! Der VfL Bochum ist gegen den Rekormeister Bayern München mit 1:5 untergegangen und war damit am Ende sogar noch eingermaßen gut bedient.

Nach drei Spielen ohne Niederlage und nur einem Gegentor hatte man sich im VfL-Kader vor dem Heimspiel gegen Bayern München Mut gemacht. Ungeachtet der Ereignisse von Turin wollte man dem Team von der Isar das Leben so richtig schwer machen. Nüchterne Bilanz nach 90 einseitigen Minuten: Die guten Vorsätze erwiesen sich als Luftblasen. Der VfL hatte bei der klaren 1:5 (0:3)-Heimniederlage gegen den FC Bayern München nicht den Hauch einer Chance.

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Oft geben Statistiken nicht den tatsächlichen Spielverlauf wieder. Am Samstag aber sagte eine Zahl mehr als tausend Worte. Das Starensemble in Rot hatte nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Florian Mayer einen Ballbesitzanteil von 75 Prozent zu verzeichnen. Und was die damit über weite Strecken veranstalteten, ließ Fußball-Feinschmecker mit der Zunge schnalzen. Der VfL dagegen stolperte nach 20 halbwegs ordentlichen Minuten mutlos ins Verderben. Fatal nur, dass man dem Gast bei den ersten Gegentreffern tatkräftige Unterstützung zukommen ließ. Ein unnötiger Fehlpass vor dem ersten Tor durch Mario Gomez, bei Treffer zwei gar ein Eigentor von Mergim Mavraj. Aber die Gäste hätten schon zu diesem Zeitpunkt eigentlich die Hilfe gar nicht benötigt.

Spätestens nach dem dritten Treffer war der VfL dann nur noch ein Spielball für die Münchener. Deren Coach Louis van Gaal, der so langsam den Bayern-Ansprüchen gerecht wird, war dann auch voll des Lobes über seine Mannschaft: „Ich habe vorher gesagt, dass so ein Spiel nach den Erlebnissen von Turin nicht einfach ist, weil man den Fokus auf die nächste Aufgabe lenken muss. Aber meine Spieler haben das gut hinbekommen.“ Doch der Holländer wäre sich nicht treu geblieben, hätte er nicht auch ein Haar in der Suppe entdeckt: „Es ist natürlich schade, dass wir hinten nicht zu Null gespielt haben. Aber nach zwei Siegen in einer Woche kann der Trainer sehr zufrieden sein.“

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Davon war sein Kontrahent Heiko Herrlich weit entfernt. Sein ernüchterndes Fazit: „In dieser Verfassung, in der sich Bayern zur Zeit befindet, haben wir keine Chance gehabt. Wir müssen unsere Punkte woanders holen. Bayern ist ein anderes Kaliber.“ Schon konkreter wurde er zu dem, was ab der 20. Minute passiert war: „Wir haben gravierende Fehler im Spielaufbau gemacht und so den Bayern Geschenke bereitet.“ In der Tat. Hatte der VfL es verstanden, in den letzten drei Begegnungen die Fehlpassquote zu minimieren, produzierten selbst Routiniers wie Freier, Fuchs oder Pfertzel beständig haarsträubende Pässe in die gegnerischen Beine.

Und deshalb war die klare 1:5-Niederlage für den Coach besonders schmerzlich, der wieder einmal erkennen musste, dass auf ihn in den nächsten Wochen noch viel Arbeit wartet. Bei der Aufarbeitung der Partie wird er feststellen, dass zwischen dem verbalen Mut seiner Akteure vor dem Spiel und den dann gezeigten Leistungen noch Welten liegen. Auch in der Anfangsphase hatte man nämlich nie das Gefühl, als glaube die Mannschaft tatsächlich an eine Überraschung gegen die Bayern. Da konnte einem Torhüter Philipp Heerwagen richtig leidtun, weil die Gegenwehr seiner Vorderleute sich auf ein Minimum beschränkte.

Am Sonntag sollte nach der Nachbereitung der Blick nach vorne gehen. Denn am kommenden Samstag wartet mit Hannover ein Gegner, der nicht über die Qualitäten der Bayern verfügt und nach drei Eigentoren in Mönchengladbach wohl auch in einem angekratzten Nervenkostüm steckt.

Autor: Günther Pohl und Uli Homann

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