Die „23. Dortmunder Hallenfußball-Stadtmeisterschaft“ ließ wenige Wünsche offen. Mehr als 2000 Zuschauer pilgerten zur Endrunde in die Halle Wellinghofen. Dort wurde ein Turnier gekrönt, das in mehr als drei Wochen sportlich und stimmungsmäßig absolute Maßstäbe setzte. „Es war schön“, bilanzierte Dortmunds Kreisvorsitzender Jürgen Grondziewski ebenso knapp wie umfassend.

Dortmund: Eine Nachlese zur Hallenstadtmeisterschaft

Stolzer Sieger eines fairen Turniers

Felix Guth
16. Januar 2007, 15:01 Uhr

Die „23. Dortmunder Hallenfußball-Stadtmeisterschaft“ ließ wenige Wünsche offen. Mehr als 2000 Zuschauer pilgerten zur Endrunde in die Halle Wellinghofen. Dort wurde ein Turnier gekrönt, das in mehr als drei Wochen sportlich und stimmungsmäßig absolute Maßstäbe setzte. „Es war schön“, bilanzierte Dortmunds Kreisvorsitzender Jürgen Grondziewski ebenso knapp wie umfassend.

„Der Titel ist das Größte, was für einen Amateurfußballer in Dortmund möglich ist“, meinte Giovanni Schiatarella, zentrale Figur im Sieger-Team von Phönix Eving. Angemessen feierten die Kicker vom Grävingholz deshalb ihren ersten Titelgewinn der Vereinsgeschichte. Über die souveräne Art und Weise war selbst Phönix-Präsident Rüdiger Weigelin, der das Turnier mit Fanschal mitten im Evinger Fanblock verfolgte, etwas überrascht. „Das war Routine. Eigentlich war ja schon das Spiel gegen Aplerbeck ein vorgezogenes Finale.“

Für Einen war der Erfolg ein besonderer emotionaler Moment: Der langjährige Phönix-Präsident Dieter Beuchel, durch eine schwere Krankheit an den Rollstuhl gefesselt, bekam „seinen“ Triumph. „Wir waren mal dran“, sagte er in der Sendung „Sport-Live“ auf dem Dortmunder Sender Florian TV. Die gesamte Phönix-Truppe stand ließ dort mit den Moderatoren Uwe Kisker und Ulrich Behle die Stadtmeisterschaft noch einmal Revue passieren.

Der knapp unterlegene Finalist ÖSG Viktoria demonstrierte nicht nur auf dem Platz Klasse. Die Mannschaft von Trainer Bernd Wächtler zeigte sich auch als Meister der Selbstironie. Nach dem Halbfinalsieg gegen Wickede rannte das Team geschlossen vor die Halle und stimmte im Kreis einen ungewöhnlichen Spruch an: „Wir können nicht pöhlen, wir können nicht pöhlen“. Dies war offenbar als Antwort an all jene gedacht, die den „Östlichen“ die Berechtigung an der Endrundenteilnahme abgesprochen hatten.

Der ASC 09 Dortmund tröstete sich mit Platz drei und damit, an der Seite des TuS Körne eine nahezu perfekte Turnierorganisation gewährleistet zu haben. „Wir haben uns hier sympathisch präsentiert“, meinte Spielertrainer Hannes Wolf und meinte damit nicht nur die fußballerische Leistung. Die lückenlose Verköstigung der Zuschauer war gesichert, kleinere Konflikte auf den Rängen lösten sich schnell auf. Wahrlich würdige Ausrichter.

Die Stadtmeisterschaft war eine Art Seelenmassage für die gestressten Teams der Hinrunde. Denn die ÖSG steht in der Bezirksliga ebenso im Abstiegskampf wie die in der Halle ebenfalls überzeugende Westfalia aus Wickede. Selbstvertrauen holte sich durch den Einzug in die letzte Runde auch SuS Derne. „Jetzt muss die Konzentration auf die Rückrunde aber sofort wieder beginnen“, meinte Trainer Holger Tremblau stellvertretend für seine Kollegen.

Für einige ambitionierte Clubs war das Turnier hingegen eine Enttäuschung. Stefan Hübenthal, Akteur des gescheiterten Titelverteidigers Mengede 08/20 unternahm den Versuch einer Analyse: „Es gab in den letzten Wochen eigentlich kein anderes Thema. Vielleicht waren wir zu verkrampft und sind deshalb so früh gescheitert.“

In einem geradezu bemitleidenswerten Zustand präsentierte sich der TuS Eving, dem es scheinbar nicht mehr gelingen will, positive Schlagzeilen zu schreiben. Dabei fiel weniger das sportliche Abschneiden des Landesligisten (Aus am ersten Tag der Endrunde) ins Auge. Vielmehr waren es Randaspekte, die Aufschluss über den Zustand des Evinger Teams geben. Da verschwanden Spieler in der Zwischenrunde trotz einer klaren Führung vorzeitig in der Kabine, da gab es harte Worte untereinander, da suchte ein Kapitän wie Dimitrios Kalpakidis auf dem Feld allein sein Glück und übersah seine Mitspieler konsequent. Viel, viel Arbeit wartet auf den neuen TuS-Trainer Ingo Kleefeldt, der bei der Endrunde noch im Urlaub weilte.

Unabhängig von der sportlichen Einschätzung fiel eines auf: Es war ein faires Turnier. Bis auf den Vorrunden-Ausfall von Sila Spor in der Halle Nette blieb alles ruhig. Die Endrunde kam gar ohne eine einzige rote Karte aus. Kritik an den überwiegend sehr jungen Schiedsrichtern wurde trotzdem laut. „Dabei gab es aus meiner Sicht wenige schwerwiegende Fehler. Vieles wurde viel zu negativ betrachtet“, sagte Jürgen Grondziewski.

Es überwog letztlich die friedliche Stimmung. Und die Dortmunder Fußballfans zeigten wieder einmal, was sie stimmungsmäßig leisten können. Hierbei stachen vor die Anhänger des Bezirksligisten TuS Eichlinghofen. Sie ließen es sich trotz des Viertelfinal-Aus ihrer Mannschaft nicht nehmen, mit einigen Phönix-Spielern den Sieg zu feiern.

Ganz beendet ist das Top-Ereignis Hallenstadtmeisterschaft aber noch nicht: Am kommenden Samstag (20. Januar) steigt in der „Depothek“ in Dortmund eine große „Players Party“. Phönix Eving rief dieses Idee schon vor dem Turnier ins Leben und gewann BVB-Profi Christoph Metzelder als Schirmherren. Die Karten kosten 10 Euro.

Autor: Felix Guth

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