Ein langgezogenes „One hundred and eighty“ schallt es durch dem Raum. 180 – das ist die höchste Punktzahl, die ein Dartspieler in drei Würfen erreichen kann.

Ortstermin

Phil Taylor - der König der Pfeile

05. Dezember 2009, 09:27 Uhr

Ein langgezogenes „One hundred and eighty“ schallt es durch dem Raum. 180 – das ist die höchste Punktzahl, die ein Dartspieler in drei Würfen erreichen kann.

Ein Ergebnis, dass der Engländer Phil Taylor reihenweise bejubeln kann. Kein Wunder: Der Mann ist immerhin 14-facher Dart-Weltmeister. In der Gaststätte „Mauritius“ in Münster konnten sich Fans von seinem Können überzeugen.

Ein Ortstermin:

Als ich um kurz vor 18 Uhr die Gaststätte betrete, steigt meine Nervosität merklich an. Schließlich kommt es nicht jeden Tag vor, dass man einen solchen Ausnahmesportler treffen kann. Der Schankbereich ist brechend voll. Überall sehe ich Hemden und T-Shirts, die auf die verschiedensten Dartklubs hinweisen: „Moin Moin Darts Lennep“, „Die Bonsais Alberloh“, „Knight Darter“, „Flying Pickers“ und natürlich die heimischen „Arrows Münster“. Deren 1. Vorsitzender Patrick Exner ist mächtig stolz, dass Phil „The Power“ Taylor bei ihnen vorbeischaut. „Das ist so, als könnte man als Formel 1-Fan Schumi treffen“, beschreibt er den Stellenwert des Engländers für den Dartsport.
[infobox-right]German Darts Championchip:

Am 28. und 29. November fand in Halle die dritte Auflage der German Darts Championship statt, bei der lediglich zwei Spieler der Top 32 fehlten. An beiden Tagen sorgten 3.000 Zuschauer für ein stimmungsvolles Turnier. Im Finale trafen Phil Taylor und Mervyn King aufeinander. Der 14-fache Weltmeister ließ an seiner Überlegenheit keine Zweifel aufkommen und gewann das Turnier zum zweiten Mal.
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Der hintere Teil der Gaststätte ist für das Publikum zunächst tabu. Phil Taylor sitzt an einem Tisch, trinkt Rotwein und knabbert immer wieder ein paar Salzstangen. Neben dem 49-Jährigen sind auch die spanische Nummer Eins Carlos Rodriguez und der deutsche Spieler Tomas „Shorty“ Seiler anwesend. So langsam weicht meine Anspannung dem Gefühl, dass „The Power“ – trotz all seiner Erfolge – sehr gelassen und bodenständig ist. Das bestätigt sich auch beim anschließenden Gespräch. „Ich mache nur meinen Job. Es ist toll, dass ich damit so viel Geld verdienen kann, aber es ist nicht entscheidend“, beschreibt Taylor seine Motivation.

Gegen 19.30 Uhr wird der Raum für alle Besucher geöffnet und was sich dann abspielt erinnert an den Auftritt eines Popstars. Über 100 Leute drängen so weit es geht nach vorne, um einen Blick auf ihr Idol zu erhaschen. Ein Vater ruft: „Patricia! Geh weiter nach vorn’ und mach Fotos!“ Einige Leute stellen sich auf Stühle um ihre Sicht zu verbessern. Christoph „Toffi“ Janning von den Arrows Münster sagt: „Eigentlich hätten wir eine Bühne bauen müssen.“ Insgeheim bin ich ein wenig stolz, dass ich das Privileg hatte, Taylor in Ruhe zu treffen und ohne Gedränge zu fotografieren.
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Vorne spielen Seiler und Rodriguez ein Doppel gegen Taylor und Hobbyspieler Marcel Radmer, der bei einem Preisausschreiben gewonnen hat und nun Seite an Seite mit dem Engländer antritt. Von 501 an wird abwärts gespielt. Dass ich nicht der geborene Dartspieler bin, war mir auch schon vorher klar, trotzdem verfalle ich ins pure Staunen darüber, wie schnell eine Runde beendet ist. Während ich gut und gerne 45 Würfe und eine Portion Glück benötige, gelangt Taylor in 12 bis 15 Würfen aus Null. Ein ganz seltener Erfolg ist der so genannte 9er-Dart. Das ist die schnellst Möglichkeit ein Spiel zu beenden – in lediglich neun Würfen! „Es ist nicht wie Sex“, sagt Taylor lachend. „Der dauert länger.“ Nach der Partie spreche ich mit Taylors Doppelpartner Marcel Radmer, der von der einmaligen Erfahrung noch völlig überwältigt ist. „Das war schon ein geiles Gefühl, neben ihm zu stehen und sich mit ihm abzuklatschen.“ Seine Augen leuchten.

Unterdessen hat Taylor angefangen Autogramme zu schreiben und wieder kann ich kaum glauben, dass es ein Sportler ist, um den sich die Menschen drängen und nicht der auferstandene Michael Jackson. Weil es keine vorgefertigten Autogrammkarten gibt, wird kurzerhand auf allem unterschrieben, was man bei sich hat: Schals, Handytaschen, Portmonees. Manch einer steht gar mit nacktem Oberkörper dar, um sein Hemd signieren zu lassen. „Wahnsinn. Das ist pure Gänsehaut“, sagt Janning über den Besuch des Engländers. Bevor ich nach Hause gehe, sichere ich mir auch noch eine Unterschrift des Weltmeister. Ganz stilecht, auf einem Bierdeckel.

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