Wettbetrug für Spielerkäufe:Der Ex-Profi Dragan Antic ist sich sicher, dass osteuropäische Vereine mit Hilfe von Manipulationen Neuzugänge finanzieren.

Wettskandal

Wettbetrug für Neuzugänge

sid
26. November 2009, 12:37 Uhr

Wettbetrug für Spielerkäufe:Der Ex-Profi Dragan Antic ist sich sicher, dass osteuropäische Vereine mit Hilfe von Manipulationen Neuzugänge finanzieren.

Antic, der im Zuge des zweiten Wettskandals im deutschen Fußball im Jahr 2007 um den Malaysier William L. zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden war und davon insgesamt zweieinhalb Monate in Untersuchungshaft saß, erklärte. "Wenn ein Klub einen Neuzugang finanzieren muss, ist es naheliegend, ein unwichtiges Spiel zu verkaufen. Solange Fußball gespielt wird, wird es betrügerische Wetten geben", sagte der ehemalige Oberliga-Kicker Antic der Rhein-Neckar-Zeitung.

Antic war ein so genannter "Runner" des im Jahr 2007 wegen "Verabredung zum gewerbs- und bandenmäßigen Betrug und Versuch des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs" zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilten Drahtziehers William L., der nach seiner Freilassung gegen Kaution im vergangenen Jahr abgetaucht war und nun schon wieder in den neuen Wettskandal in Asien verwickelt sein soll.

Die "Runner" sind bei der Wettmafia dafür zuständig, Spieler und Offizielle für Manipulationen zu gewinnen. Auf seinen Mobiltelefonen fanden sich Hunderte von Nummern von Profis, Spielervermittlern und Funktionären in Serbien, Österreich, Kroatien, Zypern, Griechenland, Bulgarien oder Finnland. Zudem gab es auch Spuren zu mehreren Bundesliga-Vereinen. Im Januar 2008 wurde Antic in Frankfurt zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Als er zuvor vor einer Mannheimer Pizzeria festgenommen worden war, kam er sich vor, "als ob gerade Osama bin Laden verhaftet worden wäre".

Laut Antic sind inbesondere Profis aus osteuropäischen Ländern empfänglich für Manipulationen, da sie dort zumeist eher schlecht verdienen und deshalb nach Nebeneinkünften suchen. "In Bosnien kommt ein Profi auf 250 Euro. Da sind ein paar Tausend Euro zusätzlich viel Geld", erklärte Antic, der sich eine Verwicklung in den neuen Wettskandal von deutschen Erst- oder Zweitliga-Profis nur schwer vorstellen kann: "Schon in der 2. Liga liegen die Gehälter bei 20.000 Euro aufwärts. Da muss man schon blöd sein, wenn man bei Betrügereien mitmacht und eine Bestrafung und das Ende der Karriere riskiert", sagte Antic.

Die Zeit im Gefängnis beschrieb der 46 Jahre alte Serbe als die härteste seines Lebens. Doch gewettet wird weiter. Rund 500 Euro pro Woche lässt sich Antic seine Leidenschaft kosten. "Das ist fast schon eine Sucht bei mir", sagte Antic, der Wettbetrüger William L. im Jahr 2005 bezeichnenderweise in einem Casino kennengelernt hatte.

Autor: sid

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