2. Liga

RS-Kaderanalyse: So bundesligatauglich ist der VfL Bochum (Teil eins)

Tizian Canizales
09. April 2021, 11:30 Uhr
Armel Bella Kotchap, Manuel Riemann, Robert Tesche und Tarsis Bonga (von links) können einen Kieler Torschuss nicht verhindern. Foto: Udo Kreikenbohm

Armel Bella Kotchap, Manuel Riemann, Robert Tesche und Tarsis Bonga (von links) können einen Kieler Torschuss nicht verhindern. Foto: Udo Kreikenbohm

Sieben Spieltage vor Schluss zeichnet sich immer deutlicher ab, dass der VfL Bochum nach elf Zweitligasaisons wieder in die Fußball-Bundesliga zurückkehren könnte. RevierSport hat den Kader des Tabellenführers auf seine Bundesligatauglichkeit geprüft. 

Der VfL Bochum hat den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga selbst in der Hand. Sieben Spiele vor Schluss trennen den VfL vier Punkte von den Verfolgern Hamburger SV und SpVgg Greuther Fürth. Holstein Kiel hat zwar ein Spiel, aber auch acht Punkte weniger als die Bochumer. Der Weg zum Erfolg war für Trainer Thomas Reis dabei fast immer das 4-2-3-1-System. In Teil eins der großen Kaderanalyse prüft RevierSport die Defensive auf ihre Bundesligatauglichkeit und prognostiziert, an welchen Stellen der VfL nachlegen könnte.

Tor:

Mit Manuel Riemann steht ein absoluter Leader im Tor. Der 32-Jährige dirigiert die Mannschaft auf dem Platz lautstark und ist gerade bei den Geisterspielen immer wieder deutlich im Stadion zu hören. Als erfahrener Keeper gibt er seiner jungen Innenverteidigung Armel Bella Kotchap und Maxim Leitsch den nötigen Rückhalt. Doch nicht nur akustisch ist Riemann präsent. 


Auch sportlich genießt er in Bochum einen hohen Stellenwert. In 27 Spielen kassierte er bisher 27 Gegentore, spielte dabei zehn Mal zu Null. Dabei wehrte er auch schon zwei Elfmeter ab. Zudem ist Riemann ein mitspielender Torwart. Immer wieder spielt er lange Pässe, die den Mitspieler teils wie an der Schnur gezogen erreichen. Dadurch kann er ganze Mannschaftsteile des Gegners aus dem Spiel nehmen. Für Riemann persönlich wäre es die erste Saison im Oberhaus. Er hat noch bis zum 30.06.2023 Vertrag. 

Hinter Riemann ist der VfL mit Patrick Drewes als Nummer zwei gut aufgestellt. In der Liga kam der 28-Jährige zwar noch nicht zum Einsatz, allerdings im DFB-Pokal. Im Zweitrundenspiel gegen Mainz 05 musste er nach Riemanns Platzverweis nach 95 Minuten einen Kaltstart hinlegen und meisterte diesen bravourös. Er blieb ohne Gegentor und parierte im Elfmeterschießen den entscheidenden Strafstoß. Mit Drewes hat Reis einen Keeper auf der Bank, auf den er sich im Ernstfall verlassen kann. Allerdings läuft sein Vertrag im Sommer aus. Paul Grave spielte als dritter Torwart bisher keine Rolle. 

Urteil: Bundesligatauglich

Rechtsverteidigung:

Mit dem Costa-Ricaner Cristian Gamboa kann Reis auf der Rechtsverteidiger-Position eine weitere Planstelle für die Bundesliga besetzen. Der 31-Jährige ist aktuell gesetzt und gibt seinem Trainer kaum einen Grund, daran in einem möglichen Aufstiegsfall etwas zu ändern. Dazu bringt er aus seiner Zeit in der Premier League (West Bromwich Albion) und Schottlands Premiership (Celtic Glasgow) eine wichtige Portion Erfahrung mit. Seine einzigen Mankos sind seine Anfälligkeit für Gelbe Karten (zehn in 25 Spielen) und teils zu wenig offensive Akzente. Sein Pendant Danilo Soares ist deutlich gefährlicher. Gamboa hat noch bis zum 30.06.2023 Vertrag. 


Als Vertreter steht hinter dem Nationalspieler Herbert Bockhorn bereit. Vor der Saison von Borussia Dortmund II gekommen, hat sich Bockhorn zwar noch keinen Stammplatz, aber eine wichtige Funktion in der Mannschaft erkämpft. Er ist auf den Flügeln variabel einsetzbar und hat Gamboa bei seinen Gelbsperren gut vertreten. Durch seine Geschwindigkeit stellt er als Rechtsverteidiger im Angriff immer eine zusätzliche Option dar. Bockhorns Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2022.

Urteil: Bundesligatauglich

Innenverteidigung:

Das Prunkstück des VfL: Mit Maxim Leitsch (22 Jahre) und Armel Bella Kotchap (19 Jahre) haben die Bochumer das wohl vielversprechendste Innenverteidigerpärchen der 2. Liga in ihren Reihen. Leitsch ist unter Reis schon seit über einem Jahr gesetzt und hat sich zum Abwehrchef entwickelt. Mit Bella Kotchap hat sich ein Talent aus der eigenen Jugend den zweiten Platz erkämpft. Beide spielen seit dem 8. Spieltag fast ununterbrochen nebeneinander. Den 19-Jährigen zeichnet, trotz seiner massiven Statur und einer Körpergröße von 1,90 Metern, seine hohe Geschwindigkeit aus. Mit einem Marktwert von fünf Millionen Euro ist er der wertvollste Spieler der 2. Liga.


Beide Spieler dürften aufgrund ihrer Leistungen im Sommer jedoch Begehrlichkeiten wecken. U-21-Nationalspieler Leitsch ist noch bis zum 30.06.2022 an den VfL gebunden, Bella Kotchap sogar noch zwei Jahre länger. Allerdings gab es bei ihm schon im vergangenen Sommer Gerüchte um ein Interesse aus England. Und da war der gebürtige Pariser noch weit davon entfernt, Stammspieler zu sein...

Doch selbst wenn sich die Bochumer von einem der beiden Spieler trennen würden, stünde hochkarätiger Ersatz bereit. Vasilios Lampropoulos hatte die Saison neben Leitsch begonnen, seinen Stammplatz jedoch an Bella Kotchap verloren. Seit dem 13. Spieltag fällt Lampropoulos mit einer Muskelverletzung aus. Wann er zurückkehren wird, ist unbekannt. Sein Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2022.

Einer, der nach über einem Jahr Verletzungspause sein Comeback feiern konnte, war Anfang März Saulo Decarli. Der Schweizer vertrat beim 3:0-Sieg gegen die Würzburger Kickers den gelbgesperrten Leitsch. Dabei zeigte er eine starke Leistung, musste aber dennoch auf die Bank zurück. An Leitsch und Bella Kotchap ist aktuell kein Vorbeikommen. Decarlis Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2022.

Erhan Masovic spielte in dieser Saison noch keine große Rolle. In sechs Ligaeinsätzen durfte er lediglich beim 3:0-Sieg gegen den 1. FC Heidenheim von Beginn an ran. Sein Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2023. 

Urteil: Bundesligatauglich

Linksverteidigung:

Danilo Soares spielt seine vielleicht beste Saison im VfL-Trikot. Der Brasilianer hat nur ein Spiel gelbgesperrt verpasst und harmoniert mit seinem Vordermann Gerrit Holtmann blendend. Im Gegensatz zu Gamboa auf der Gegenseite ist er offensiv deutlich gefährlicher. In 26 Spielen gelangen ihm schon zwei Tore und zwei Vorlagen. Dazu ist der 29-Jährige noch bis zum 30.06.2024 an den VfL gebunden. Viel mehr kann sich ein Trainer eigentlich nicht wünschen. 


Hinter Soares klafft jedoch eine Lücke. Mit Moritz Römling hat der VfL im Winter ein Talent an den Regionalligisten Wuppertaler SV verliehen. Dort kommt der 19-Jährige seither regelmäßig zum Einsatz. In der Hinrunde spielte er unter Reis dagegen nahezu keine Rolle. Ob man ihm den Sprung in die Bundesliga zutraut, das ist fraglich. Zuletzt nahm Bockhorn die Position des Soares-Vertreters ein. Dennoch täte es dem VfL gut, noch einen gelernten Linksverteidiger im Kader zu haben. 

Urteil: Nachholbedarf

In Teil zwei der großen RevierSport-Kaderanalyse werden das Mittelfeld und der Angriff unter die Lupe genommen.

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10.04.2021 - 12:14 - soso

OH VFL

Keine Sorge - für Platz 15 sollte es schon reichen. Muß ja nicht gleich der UUefa Cup sein.

Aber ist schon schade: kein Derby BO vs GE