Die Ultras von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund wollen das BVB-Stadionkonzept zum teilweisen Wiedereinlass der Fans in der neuen Saison boykottieren. RevierSport hat bei Thilo Danielsmeyer, dem Leiter des Dortmunder Fanprojektes, nachgefragt.

"Entweder alle oder keiner"

BVB-Ultras wollen Stadionkonzept boykottieren

Stefan Bunse
11. Juli 2020, 11:52 Uhr
Eine volle "Süd" wird es in Dortmund lange nicht mehr geben. Foto: firo

Eine volle "Süd" wird es in Dortmund lange nicht mehr geben. Foto: firo

Die Ultras von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund wollen das BVB-Stadionkonzept zum teilweisen Wiedereinlass der Fans in der neuen Saison boykottieren. RevierSport hat bei Thilo Danielsmeyer, dem Leiter des Dortmunder Fanprojektes, nachgefragt.

Bei der DFL basteln sie gerade an dem Konzept „Restart 2.0“. Und auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hofft vielleicht schon zu Saisonbeginn Mitte September wieder Fans im Signal-Iduna-Park begrüßen zu dürfen. Wenn auch deutlich weniger als die Hälfte der 81.365 Zuschauer, die sonst da sind, wenn der BVB spielt.

Zwischen 20.000 und 30.000 Zuschauer sollen dann wieder ins Stadion dürfen, wenn sich die Zahl der Corona-Infizierten weiter positiv entwickelt. Laut RevierSport-Informationen plant Borussia Dortmund derzeit mit ca. 25.000 Zuschauern. Dabei könnten je die Hälfte der 55.000 Dauerkarteninhaber nach den derzeitigen Planspielen abwechselnd bei jedem 2. Heimspiel der Schwarz-Gelben zum Zuge kommen. RevierSport hat Thilo Danielsmeyer, Leiter des BVB-Fanprojektes, zur Situation befragt.

Herr Danielsmeyer, wie bewerten Sie die Planspiele des BVB?
Zunächst einmal muss ich sagen, dass der Verein sich wirklich große Mühe gibt, eine möglichst gute Lösung für möglichst viele Fans zu finden. Denn eins ist klar: Wenn nur 25.000 Fans statt über 80.000 ins Stadion können, kann es keine gerechte Lösung für alle geben. Das ist unmöglich. Aber das macht der Klub wirklich gut. Sie beziehen die Fans ein, holen sich immer wieder Rückendeckung. Dennoch gibt es natürlich Knackpunkte.

Welche zum Beispiel?
Ich beziehe mich jetzt nur auf die fußballkulturellen. Fußball ist ja auch ein gesellschaftliches Ereignis. Wenn jetzt der Fan aus dem Sauerland nicht mehr mit seinen sechs Kumpeln zum Spiel kommen kann, sondern vielleicht nur noch mit zwei oder drei, dann ist das nicht dasselbe. Und es kann ja dann auch nicht mehr jeder auf seinem Platz sitzen, sondern womöglich im ganzen Stadion verstreut. Oder nehmen Sie die Fanklubs, von denen ja nicht jedes Mitglied eine Dauerkarte haben kann. Wenn die keine Kontingente für die Heimspiele bekommen können und somit keine Chance haben, gemeinsam den BVB zu erleben, dann verändert sich langfristig etwas.

Wovor haben Sie Angst?
Ich möchte, dass wir möglichst viel vom alten Fußball retten können. Der lebt nun mal von den Fans. Jeder kennt doch auch die „Originale“ in seinem Verein, die schon immer da waren und die sich vielleicht trotzdem keine eigenen Dauerkarten leisten können. Und was passiert mit der Südtribüne? Dortmund lebt von der Südtribüne. Ohne eine lebendige „Süd“ ist der BVB nicht derselbe Verein. Das wissen die Verantwortlichen auch. Sie versuchen wirklich alles, was verantwortlich ist. Und was wäre die Alternative? Weiter gar keine Zuschauer reinzulassen, obwohl es vielleicht möglich wäre? Das kann es ja auch nicht sein.

Wie stehen denn die Ultras zu den Plänen?
Die aktive Fanszene wird dann wohl nicht ins Stadion gehen. Sie sagen ganz klar: Entweder alle oder keiner. Dennoch dürfen wir gerade auch diese Fans nicht verlieren. Wie gesagt. Es ist unmöglich, Gerechtigkeit für alle zu schaffen. Umso wichtiger ist es, im Dialog zu bleiben. Und das tun wir.

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren

12.07.2020 - 11:10 - Kuk

Wir öffnen KiTa's, Schulen, Restaurants, etc. Schritt für Schritt. Auch die Kontaktbeschränkungen haben wir nicht in einem Schitt aufgehoben.
Diese schittweise Aufhebung der Einschränkungen erfolgte, da wir die Auswirkungen nicht präzise genung vorhersagen konnten.
Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum im BL-Fußball "alle oder keine" für die Zuschauer gelten soll.

M.E. ist nur ein schrittweises Herantasten verantwortbar. Diese Schritte dürfen dann aber nicht nur für den Fußball gelten, sondern auch für Messen, Konzerte, etc.
Fiebermessung und/oder Corona-Tests, Abstand, Maske, Registrierung oder Luftströmungs-Anlagen (oder wie die heißen) könnten dabei helfen.

12.07.2020 - 09:04 - Spieko

@RWE-ole

Guten Morgen, natürlich meine ich das mit der Gesundheit ernst...
bezüglich des Autofahrens...ich erledige alles mit dem Rad und mache herrliche Touren innerhalb Deutschlands.Auch den Weg zur Dienststelle habe ich IMMER mit dem Rad zurück gelegt; bei schlechtem Wetter nahm ich den Bus.
Ich lasse mich auch nicht von der Hysterie anstecken, begegne dem Virus jedoch mit Respekt und halte mich an die Vorgaben wie Abstand und Maskenpflicht.
Ich begegne anderen Menschen mit Respekt und werde auch niemanden verunglimpfen, der anderer Meinung ist.
Zu den Virologen sei gesagt, dass es auch dort verschiedene Meinungen gibt. Mit der Kultur wie auch mit dem Fußball wird es auch weiter gehen.Ich denke, wir sind in unserem Land dank der Einschränkungen auf einem gutem Weg, sodass es bald wieder aufwärts geht. Als ehemaliger aktiver Fußballer würde ich auch gerne wieder ein Fußballspiel live im Stadion sehen.
Was wir brauchen, ist noch Geduld...
Allen einen schönen Sonntag und bleibt gesund!

11.07.2020 - 21:42 - RWE-ole

@Spieko:
Wenn Sie das wirklich komplett ernst meinen, dass die Gesundheit der Allgemeinheit oberste Priorität hat, dann muss auch mit sofortiger Wirkung das Autofahren komplett verboten werden.

Warum wird eigentlich jeder, der sich von der Hysterie nicht anstecken lässt, direkt als „hat den Schuss nicht gehört“ verunglimpft ?

Auch an Sie die Frage:
Da selbst unter Virologen inzwischen die Meinung auftaucht, dass es niemals einen Impfstoff geben wird, wie soll es mit der gesamten menschlichen Kultur (inkl. Fußball) Ihrer Meinung nach weitergehen ?

11.07.2020 - 17:28 - Spieko

Die eigene Gesundheit und die der Allgemeinheit hat oberste Priorität !!!
Denke, dass die Borussen - Fans genau so denken, wie die Fans anderer Vereine.
Und wer anders denkt, der hat den "Schuss" nicht gehört und es immer noch nicht begriffen.

Beitrag wurde gemeldet

11.07.2020 - 16:45 - Ruhrperle

Herr Danielsmeyer hat recht . Borusssia lebt von der "Süd", von den Fangruppen , von der Gemeinschaft . Die Südtribüne hat eine Kapazität von ca. 35000 Zuschauer .
Wenn 25000 ins Stadion dürfen ist doch alles ganz einfach - alle ab auf die "Süd" !
Wer dazu Fragen haben sollte - bitte ca. 5 Wochen Geduld haben.... Gut , kann sein , dass die Wahrheit dann weh tut - aber man ist um eine Erfahrung reicher, von der andere Vereine dankend und glücklich proftieren können !
Ja, ja , so sind die Borussen-Fans .... was zählt schon die eigene Gesundheit und die der Allgemeinheit !
Für den wahren Borussen gilt "Treue" und "Wahre Liebe" auch über den Tod hinaus ! Jawoll, isso...!

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion überprüft und nicht als Verstoß eingestuft.

Beitrag wurde gemeldet

11.07.2020 - 16:43 - RWE-ole

Eine ernstgemeinte Frage an diejenigen hier, die weiterhin keine Zuschauer zulassen würden:
Was soll denn eurer Meinung nach passieren, wenn es niemals einen Impfstoff geben wird ?

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion überprüft und nicht als Verstoß eingestuft.

Beitrag wurde gemeldet

11.07.2020 - 13:59 - heidi kabeljau

Gibt es in naher Zukunft keinen wirksamen Schutz (Impfstoff) gegen diesen Virus, könnte das Ende der Stehplätze in deutschen Stadien bevorstehen.
Abstand halten lässt sich auf Sitztribünen relativ einfack einhalten. Wie aber soll das auf Stehtribünen passieren? Zumal die UEFA schon vor Jahren die
Abschaffung von Stehplätzen gefordert hat. Die gibt es auch nur noch in Deutschland.

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion überprüft und nicht als Verstoß eingestuft.

Beitrag wurde gemeldet

11.07.2020 - 13:05 - Lackschuh

hoelwil

Passend und Realitätsnah in Worte gefasst! Das Gesamtthema dürfte uns mit Pro & Contra noch viel beschäftigen............. ??

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion überprüft und nicht als Verstoß eingestuft.

Beitrag wurde gemeldet

11.07.2020 - 12:56 - Spieko

@ hoelwil

ich sehe das genau so wie du.
Wir brauchen alle Geduld...die Gesundheit ist wichtiger als alle anderen Dinge

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion überprüft und nicht als Verstoß eingestuft.

Beitrag wurde gemeldet

11.07.2020 - 12:14 - hoelwil

Sagen wir mal die Infektionszahlen lägen im September bei 1500/pro Tag bundesweit. Und dann 25000 Zuschauer bei den grossen Stadien wie Dortmund, Hertha, Bayern und Schalke. Dann liegt die Bombe für die 2 Welle. Eine halbleere Süd wäre dann schon eine halbleere Süd zuviel. Die Abstände sind dort doch gar nicht einzuhalten. Deutschland ist im Moment das einzige Land weltweit in dem die Zahlen nur leicht ansteigen. Ansonsten explodieren die Infektionen weltweit. Wir werden davon auch nicht verschont ,da bereits jetzt zuviel gelockert wurde und die Leute undisziplinierter werden. Mal abwarten ,ob im September überhaupt gespielt werden kann. In der Schweiz wurden gestern abend, wegen Corona, schon wieder die ersten Partien abgesagt und die Schweiz ist jetzt auch nicht extrem weit von Deutschland weg. Grössere Ausbrüche nach BL Spielen an 36 BL Standorten sind jedenfalls nicht nachverfolgbar bzw. kontrollierbar.

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion überprüft und nicht als Verstoß eingestuft.

Beitrag wurde gemeldet

11.07.2020 - 11:02 - Kuk

Eine halbleere SÜD ist echter Käse !
Hunderte oder Tausende von Infizierten sind nicht verantwortbar !

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion überprüft und nicht als Verstoß eingestuft.