Dortmund

Das war das BVB-Jahr 2018

25.12.2018

Beim BVB ist im Jahr 2018 viel passiert. Wir arbeiten das auf. 

Aubameyang verlässt den BVB
Das Jahr beginnt für Borussia Dortmund mit einem spektakulären Wechsel. Innerhalb von nur sechs Monaten verlässt bereits der zweite Hochkaräter den BVB. Pierre-Emerick Aubameyang, mit 15 Toren bester Torjäger der Schwarz-Gelben in der gesamten Saison (!), schließt sich dem FC Arsenal an. Im Sommer zuvor hatte Ousman Dembélé sich aus Dortmund weggestreikt. Und auch der exzentrische „Auba“ hätte den Klub gern verlassen. Das erklärt er in einer Nachricht an die BVB-Fans.
„Ich wollte schon im letzten Sommer gern wechseln, da es nicht klappte, musste es jetzt sein“, schreibt der Angreifer auf seinem Instagram-Account. Und weiter: „Vielleicht war es nicht der beste Weg, für den ich mich entschieden habe, aber jeder weiß, dass Auba verrückt ist.“ Bei den Borussen herrscht nach den Querelen um den Aufmerksamkeit suchenden Stürmer gewissermaßen Erleichterung. Aubameyang hat zuvor eine Mannschaftssitzung ausgelassen – dafür suspendierte ihn Trainer Peter Stöger. Für diese und weitere Eskapaden bittet der Gabuner die Fans um Entschuldigung.

BVB-Fans verabschieden Marc Bartra
Auf den letzten Drücker wechselte Marc Bartra in seine spanische Heimat – der BVB hatte so kurzfristig keine Möglichkeit, den Verteidiger gebührend zu verabschieden. Vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Europa League gegen RB Salzburg holen die Borussen das nach. Der 27-Jährige hat Tränen in den Augen, als ihn die Fans der Schwarz-Gelben mit einer Welle und spanischen Spruchbändern verabschieden. Anschließend verliest er gemeinsam mit Stadionsprecher Norbert Dickel die Mannschaftsaufstellung der Dortmunder. Bartra hat bei den Anhängern einen besonderen Status: Beim Anschlag auf die Mannschaft im April 2017 wurde er schwer am Arm verletzt. 
Auch Monate nach seinem Weggang aus Dortmund hatte er seinen alten Verein nicht vergessen. Als Landsmann Paco Alcacer zu den Schwarz-Gelben wechselte, versicherte er via Twitter: „Viel Glück, Paco! Ich bin mir sicher, dass du es genießen wirst, für diese Mannschaft zu spielen, in der Bundesliga zu spielen und vor allem für diese Fans zu spielen.“


Das Europa-League-Aus gegen RB Salzburg

Das endgültige Ausscheiden ihrer Mannschaft bekommen einige der Treusten gar nicht live mit. Teile des Bündnisses „Südtribüne Dortmund“ boykottieren das Rückspiel in der Europa League bei RB Salzburg (0:0). Damit protestieren sie gegen den österreichischen Marketing-Konzern Red Bull, dessen massive Investitionen RB Salzburg erst den Aufstieg ermöglicht haben. Die Fans spenden das für die Eintrittskarten einkalkulierte Geld an den in der vierten Liga spielenden RB-Stadtrivalen Austria Salzburg. 
Nach dem Hinspiel, das der BVB vor eigenem Publikum mit 1:2 verliert, gibt es ein ungewohntes Bild im Dortmunder Stadion: Von der Südtribüne gibt es Pfiffe – viele Fans fühlen sich nach der über weite Strecken desaströsen Leistung der Profis verschaukelt. Die Chance auf Wiedergutmachtung bei ihrem Geduldigen Anhang verdaddeln die Borussen eine Woche später.


Mattthias Sammer kehrt zurück nach Dortmund

Er feierte mit dem BVB drei Meistertitel: 1995 und 1996 als Spieler, 2002 als Trainer. Danach war sein Verhältnis zum Revierklub – vorsichtig ausgedrückt – eher unterkühlt. Anders ausgedrückt: Matthias Sammer war einer der Ersten, wenn es darum ging, verbal in Richtung Borussia Dortmund zu schießen. Seine Rückkehr als externer Berater: Eine Sensation. Dafür war Vorarbeit nötig. 
Mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat er sich versöhnt. Von Sammers Mitwirken erhofft sich der BVB-Boss große Effekte: „Unser Anspruch: Alles kritisch auf den Prüfstand zu stellen.“ Der 51-Jährige bringe „frischen Wind und hohe Kompetenz“ mit nach Dortmund. Watzke freut sich auf „eine unbequeme, aber von Vertrauen geprägte Diskussionskultur“. Dass Sammer zuvor Sportchef beim FC Bayern München war, stört den Geschäftsführer nicht: „Ich habe schnell gemerkt, dass Matthias eine viel höhere BVB-Affinität hat, als viele glauben.“


Sahin-Wechsel nach Bremen

Bevor er geht, erhält er ein Versprechen vom Boss. „Ich wünsche mir“, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke über Nuri Sahin, „dass er nach seiner Karriere – in welcher Funktion auch immer – zum BVB zurückkehrt“. Das sind wertschätzende Worte an den 52-maligen türkischen Nationalspieler, der seinen Herzensverein Borussia Dortmund verlässt und sich Werder Bremen anschließt. Sahin gehört trotz seines Wechsels in die Hansestadt weiterhin zu den Identifikationsfiguren bei den Schwarz-Gelben. 
Er gewann mit Dortmund die Deutsche Meisterschaft, holte den DFB-Pokal, absolvierte im Alter von 16 Jahren, elf Monaten und einem Tag als immer noch jüngster Spieler eine Bundesliga-Partie und begleitete den Klub aus einer finanziell und sportlich düsteren Zeit an die Spitze des deutschen Fußballs. Dann er Abgang zu Real Madrid, der Umweg über den FC Liverpool und schließlich die Heimkehr an die Strobelallee. Weil er als Fußballer nach eigener Aussage nur zu einhundert Prozent bei Borussia Dortmund funktioniere. Und nun? In Bremen läuft es für Sahin durchwachsen. Watzkes Wunsch nach einer erneuten Rückkehr wird er wohl erfüllen: „Ich gehe nicht ganz, denn Borussia wird immer in meinem Herzen sein.“ 

Weidenfeller-Abschiedsspiel

Ein schöner, schlichter Abschiedsgruß der Südtribüne: „Danke Roman!“ Ein Spruchband, hinter dessen Aussage viel steckte. Die Anerkennung für 16 Jahre bei Borussia Dortmund, für zwei Deutsche Meisterschaften, zwei DFB-Pokalsiege, und den Einzug ins Endspiel der Champions League 2013. Doch allein mit dieser Bilanz hätte er dieses Standing wohl nicht erreicht. Weidenfeller war enorm ehrgeizig, war emotional, konnte fuchsteufelswild werden, wenn ein Kollege nicht so wollte, wie er selbst es sich vorstellte. 
Der BVB erweist ihm im September eine Ehre, die ihm unter Peter Stöger im letzten Saisonspiel gegen Mainz 05 enthalten bleibt. Weidenfeller bekommt ein Abschiedsspiel, bei dem ihn über 70.000 Fans feiern. Es ist einer der emotionalen Höhepunkte des BVB-Jahres. Dortmunds Fans feiern einen Mann, der das Vereinsmotto zu jedem Zeitpunkt seiner Karriere gelebt hat: Echte Liebe.


Prozess und Urteil gegen Sergej W.

Das Kapitel um den Anschlag auf den BVB ist seit November abgeschlossen. Zumindest juristisch. Denn das Dortmunder Landgericht verurteilt den Attentäter Sergej W. wegen versuchten Mordes in 28 Fällen, gefährlicher Körperverletzung und Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion zu einer Haftstrafe von 14 Jahren. Der Anwalt von Borussia Dortmund zeigt sich mit dem Urteils zufrieden: „Uns war es wichtig, dass das Gericht auf versuchten Mord erkennt“, erklärt Alfons Becker. 
Zuvor hatten ehemalige und aktuelle BVB-Spieler und –Trainer zum Teil hoch emotionale Aussagen abgelegt. So brach Matthias Ginter bei seinen Schilderungen mehrfach in Tränen aus. Verteidiger Sokratis räumte ein: „Das ist etwas, was ich mit Sicherheit nie vergessen werde.“ Der Portugiese Raphael Guerreiro betonte: „Es fällt mir schwer, darüber zu sprechen.“ Ex-Trainer Thomas Tuchel hingegen glaubte, dass er seinen Job behalten hätte, wenn die öffentliche und interne Diskussion über den Anschlag nicht den tiefen Graben zwischen ihm und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke verursacht hätte.


3:2-Sieg gegen die Bayern

Ein großer Abend für den BVB: Gegen den FC Bayern München holt Dortmund zweimal einen Rückstand auf und biegt das Spiel schließlich um. Am Ende siegt die Borussia mit 3:2 und lässt sich von den eigenen Fans schon als Deutscher Meister feiern. Diese spontane Party ist natürlich arg verfrüht und dem Überschwang der positiven Emotionen geschuldet, aber nach diesem Gala-Auftritt keineswegs mehr unwahrscheinlich. 
Die wohl beste Begründung dafür, dass man an diese Mannschaft glauben kann, liefert der Kapitän: Marco Reus, der zunächst zwei große Gelegenheiten vergibt, dann aber zwei Tore schießt, zeigt eine Moral, die einen Top-Fußballer auszeichnet. Und dann hat der BVB da schließlich noch einen Paco Alcacer. Der Spanier sicherte mit seinem Treffer den Sieg des achtmaligen Deutschen Meisters über den Dauer-Titelträger aus dem Süden. Und wenige Wochen zuvor hatte auch er gezeigt, dass er ein Mann für die ganzen engen Spiele ist: Gegen den FC Augsburg erzielte er in der letzten Minute der Nachspielzeit den 4:3-Siegtreffer. Ein Erfolg, der das Selbstbewusstsein der Dortmunder noch einmal stärkte.


Derby-Sieg auf Schalke

Der Wille zum Sieg ist bei einem Profi vom Format eines Marco Reus vorauszusetzen. Bei seiner Ankündigung vor dem Spiel auf Schalke aber schloss er die Fans von Borussia Dortmund in sein Pflichtbewusstsein mit ein: „Wir sind euch noch etwas schuldig“, erklärte der BVB-Kapitän vor dem Derby in Richtung der Anhänger. 
Die Rechnung ging auf: Thomas Delaney erzielte sein erstes Tor für Dortmund – und gleich so ein enorm wichtiges und bedeutsames. Und dann traf einer in seiner unnachahmlichen Art, der eigentlich etwas anderes im Kopf hatte: Jadon Sancho erzielte das 2:1, jubelte gemessen am Stellenwert dieses Tores aber bemerkenswert verhalten. Der Grund: Zwei Tage vor dem Derby war seine Oma verstorben. „Ich widme das Tor meiner Oma. Ich werde dich für immer und ewig lieben. Ich weiß, du schaust gerade zu mir herunter und lächelst.“ Autor: Dominik Hamers

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