21.07.2009

Blindenfußball: Historischer Erfolg der Deutschen Nationalmannschaft

„Die EM hat niemanden interessiert“

Die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft hat bei der Europameisterschaft im französischen Nantes den fünften
Platz erreicht. Der zweite EM-Auftritt nach 2007 endete mit einem 2:1-Sieg im Spiel um Platz fünf gegen die Türkei.

Zuvor hat das Team von Trainer Uli Pfisterer zwei Niederlagen gegen den Gastgeber und England einstecken müssen. Italien wurde in der Vorrunde mit 4:0 besiegt.

„Unser Erfolg ist gar nicht hoch genug anzusehen“, zeigt sich der 57-Jährige mit dem Abschneiden seiner Jungs hochzufrieden. Bei den beiden Niederlagen gegen „Blindenfußball-Vorbild“ Frankreich und die finanzkräftigen Engländer, die mit einem Mannschaftsbus nach Nantes angereist waren, hatte man auch lange gut ausgesehen. Am Ende hieß es jedoch 0:2 gegen die „Equipe tricolore“ und 1:4 gegen die „Insel-Kicker“.[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/012/409-12860_preview.jpeg Der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft gelang in Frankreich ein historischer Erfolg. Mitbekommen hat dies indes kaum jemand.[/imgbox]

Pfisterer, der 1972 den letzten Olympiaplatz im Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft an Uli Hoeneß abtreten musste, ist sich sicher, dass seine Mannschaft um Michael Wahl, Cengiz Dinc, Alexander Fangmann und Co. viel besser Blindenfußball spielen würde, wenn der DFB die Mannschaft nur halb so gut unterstützen würde, wie es die FA bei den Engländern tut.

Der „Halb-Australier“ ist nicht nur vom nationalen Verband enttäuscht, sondern auch von der Organisation der Franzosen. „Es ist ein Armutszeugnis für Frankreich“, poltert Pfisterer, der über 30 Jahre lang in Melbourne lebte und über die Rahmenbedingungen der Veranstaltung in Nantes schockiert ist.

Zuschauerresonanz und Medienpräsenz seien „unterirdisch“ gewesen. „Die EM hat niemanden interessiert“, ärgert sich der ehemalige Zehlendorfer.

Die nächste EM findet 2011 statt. Als Austragungsort ist Deutschland im Gespräch. „Eine Heim-EM wäre super. Wir könnten unser Organisationstalent unter Beweis stellen und zuhause einen Platz auf dem Treppchen anvisieren.“

Autor: Krystian Wozniak

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