21.10.2008

SGS: Deutsch-griechischer Rohdiamant funkelt stürmisch

Natis schnellster Sprint

Rotzfrech, torgefährlich, natürlich! Das sind nur einige Eigenschaften, mit denen man Sofia Nati beschreiben kann. Mit ihren 15 Jahren ist die gebürtige Griechin die zweitjüngste Spielerin (nach Saarbrückens Dzsenifer Marozsán), die jemals in der deutschen Bundesliga auflief.

Dort wird sie auch bleiben, nicht umsonst brachte Schönebecks Coach Ralf Agolli sie bereits beim 4:0 in Herford, der zweite Pflichtspiel-Einsatz folgte im Pokal gegen den HSV (4:1). "Ich habe ihr gesagt, sie soll einfach verrückte Sachen machen", ist Agolli mächtig stolz auf seinen Rohdiamanten. Als die Stürmerin das 3:1 im Cup-Match erzielte, wusste der 47-Jährige nicht wohin mit seinem Grinsen, so breit war das.

Ähnlich grinste auch Nati, als Agolli sie vom Warmmachen zur Einwechselung beorderte. Ein Blick noch auf die Tribüne, wo Vater Anastasios vor Stolz fast platzte und Mutter Konstantina Polichronidou mitfieberte. "Ich habe in dieser Situation an gar nichts gedacht, habe nur alles auf mich zukommen lassen", erinnert sich das Talent. Ähnlich wie beim Treffer: "Ich schaute noch, ob jemand frei war, dann habe ich einfach geschossen." Danach führte der Weg direkt zu Agolli. "Das war mein bisher schnellster Sprint", leuchten die Augen. Und Agolli? Der grinst und grinst! Nati: "Er sagte mir vorher: Gehe einfach raus und mach dein Spiel." Was sie tat.

Spielberechtigt ist der Youngster "oben" mit einer Sondergenehmigung, weil sie sechs Einsätze in der U15- und U16-Nationalmannschaft des DFB hat, dazu mussten die Auswahl-Trainer zustimmen. Logisch, dass das alles erfolgte, schließlich ließ der Verband bei der Vergabe des deutschen Passes vor knapp einem Jahr auch die Verwaltung mächtig beschleunigende Beziehungen spielen. Man wird wissen warum - Qualitätssicherung für den DFB. "Meine Mitspielerinnen motivieren mich unheimlich", fühlt sich Nati im aktuellen SGS-Kader richtig wohl, "ich habe großen Respekt vor allen." In der männlichen C-Jugend der SGS holte sich die gebürtige Oberhausenerin zuletzt den Schliff, "jetzt bin ich komplett bei der Frauen-Auswahl." Agolli wird sie kaum wieder weg lassen.

Nati, ehemals bei der SG Osterfeld und bei DJK Arminia Klosterhardt, absolviert das komplette Programm, nur bei einer Extraeinheit beim Club-Fitnessstudio-Partner "Punch" stand sie noch nicht im Ring. "Das kommt noch." Begeisterung ist die Motivation. "Ich stecke das eigentlich gut weg", erklärt sie einer möglichen Erschöpfung eine deutliche Absage. Paralleles Ziel ist für die Zehntklässlerin der Oberhausener Theodor Heuss-Realschule erst die Mittlere Reife, dann, wenn alles klappt, der zweijährige Besuch eines Berufskollegs. Dazu kommen Bewerbungen für eine Ausbildung im Verwaltungsbereich. Ein Praktikum im kaufmännischen Sport- und Fitnessbereich "war eher langweilig."

Außerdem geht es auch um das Zeitmanagement. "Im Rahmen des Berufskollegs ist die Doppelbelastung mit dem Sport besser zu bewältigen, in einer Ausbildung hat man bestimmt größere Probleme, freigestellt zu werden." Der Fußball dominiert Natis Tagesablauf. "Viel Zeit für anderes habe ich nicht." Und will sie nicht, zuhause wird im Zimmer schon einmal mit Bruder Georgios gepölt. Und was sagt Agolli? "Wenn wir bei Auswärtsfahrten an Raststätten anhalten, dann packen Sofia und Bella Linden immer sofort einen Lederball aus. Die Leute kriegen dann richtig was zu sehen. Beim nächsten Mal nehmen wir Geld für die Show." Und der Mann grinst weiter.

Wenn man Nati danach fragt, gibt sie offen zu, "vielleicht ein bisschen verrückt" zu sein. Was Agolli sicherlich fördern wird. "Ansonsten bin ich sehr aufgeschlossen", erklärt die 1,64 Meter große Dribblerin, "dazu auch sehr ehrgeizig und willensstark. Als Sportlerin, aber auch privat, da gibt es keine großen Unterschiede." Deutsche Disziplin gepaart mit griechischer Emotionalität. Keine schlechte Mixtur. Zum Ehrgeiz passt der gewählte Lieblingsspieler. "Cristiano Ronaldo finde ich schon stark." Der ist Portugiese. Und was meint Agolli? "Sofia wird ihren Weg gehen, sie hat genug Menschen, die dafür sorgen, dass sie am Boden bleibt."

Autor: Oliver Gerulat

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