25.04.2008

Michalke im Interview: Was bei Bochum top und bei Duisburg mies läuft

"Gute Handschrift beim VfL - MSV steht sich selbst im Weg"

Sechs Jahre Profi-Fußball erlebte Kai Michalke beim VfL Bochum. Eine Zeit, die geprägt hat.

"Immer, wenn ich in Bochum vorbeischaue, erfahre ich positive Resonanz", sagt der Mittelfeldspieler, der im Sommer 2006 in die Nachbarschaft Holland wechselte und dort für Heracles Almelo in der Ehrendivisie aktiv ist. Trotz des 1:5 bei Vizemeister Ajax Amsterdam hielt Almelo am vergangenen Wochenende die Klasse. Ein großer Erfolg für den kleinen Club. "Wir haben noch ein paar Testspiele, bis wir in den Urlaub starten können. Wenn es sich einrichten lässt, bin ich am Samstag beim Derby VfL gegen MSV dabei", sagt Michalke, der für beide Revier-Clubs die Schuhe schnürte. Im Gespräch mit RevierSport sagt der 32-Jährige, warum ihn die Bochumer Entwicklung begeistert und was das größe Problem der Zebras ist.
Kai Michalke, ein Deutscher in Holland: Hat man da nicht automatisch einen schwierigen Stand?
Nein, gar nicht. Mein Vorteil war in Almelo sicherlich, dass mit Martin Pieckenhagen schon ein Deutscher unter Vertrag stand. Wir haben sofort die Sprache gelernt, das hätten wir nicht gemusst, weil die Teamkollegen auch deutsch verstehen, aber es hat einfach mit Respekt zu tun. Ich bin mit offenen Armen empfangen worden, es macht Spaß.
[infobox-right]Steckbrief Kai Michalke
Geboren am: 5. April 1976 in Bochum. Familienstand: Verheiratet, zwei Kinder. Größe: 1,78 Meter. Gewicht: 73 Kilogramm. Spieler-Stationen: VfL Bochum, Hertha BSC Berlin, 1. FC Nürnberg, Alemannia Aachen, MSV Duisburg, Heracles Almelo. Bundesliga-Spiele: 158 (18 Tore), Zweitliga-Spiele: 99 (24 Tore). Einsätze in der Ehrendivisie: 22 (kein Tor).

Info Heracles Almelo
Der Verein wurde am 3. Mai 1903 ins Leben gerufen. Namens-Geber ist der griechische Held Herakles. Die Heim-Partien werden im Polman-Stadion auf künstlichem Grün ausgetragen, 8.500 Fans finden in der kleinen Arena Platz. Die Vereinsfarben sind schwarz-weiß. Hauptsponsor ist die Firma ten Cate, die Kunstrasen-Spielfelder verkauft und auch auf der Trikot-Brust von Heracles prangt. Bekannteste Spieler sind Martin Pieckenhagen (ehemals HSV), Kai Michalke und Rob Maas (Hertha, MSV).
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Im ersten Jahr lief es gar nicht erfreulich für Sie, die zweite Serie klappte dafür umso besser
Ich hatte einen Achillessehnen-Riss und bin sehr lange ausgefallen. In der Hinrunde dieser Saison gab es auch noch ein paar Probleme wegen einer Schleimbeutel-Entzündung, aber die Rückserie war richtig prima. Ich habe eigentlich immer gespielt, gute Leistungen gezeigt und sieben Tore vorbereitet.
Das 1:5 in Amsterdam...
...hatte keine Auswirkungen mehr auf den Abstiegskampf. Vor sechs Wochen hätten wir in diesem Duell mit Ajax noch gute Chancen gehabt, aber wir haben zum Schluss etwas den Faden verloren. Trotzdem sind wir in der Liga geblieben, aber leider knapp an den Play-Offs vorbeigeschrammt. Mein Vertrag läuft Ende Juni aus, der Verein treibt die Planungen nach der Rettung jetzt richtig voran, aber es ist noch offen, ob ich hier weitermache. Zwei, drei Jahre möchte ich auf jeden Fall noch spielen.
Was fällt Ihnen zum VfL Bochum ein?
Ich verfolge das noch sehr intensiv, was dort abläuft. Kürzlich war ich gegen Hertha BSC im Stadion, das war ein schwaches Spiel, aber die Entwicklung, die der VfL in den letzten Jahren genommen hat, freut mich sehr. Obwohl Gekas, Misimovic und Drobny als Eckpfeiler abgegeben wurden, ist es dem Club erneut gelungen, eine schlagkräftige Truppe aufzustellen. Das zeugt von einem guten Näschen auf dem Transfermarkt und natürlich auch von der richtigen Trainer-Handschrift. Bochum ist dabei, sein Fahrstuhl-Image abzulegen.
In Duisburg zeichnet sich das Gegenteil ab!
Da sollte sich der Verein mal hinterfragen. Welcher Spieler hat sich in der letzten Zeit verbessert? Viel ist aus meiner Zeit ohnehin nicht mehr übrig, da spielen jetzt noch Ivo Grlic, Tobi Willi und Mihai Tararache, es gab viel Fluktuation.
Sind Sie rückblickend noch sauer auf den MSV?
Ich bin bestimmt nicht im Guten gegangen und war nach meinem Wechsel nie mehr in der Arena. Die habe ich ehrlich gesagt bewusst gemieden. Ich bin ein selbstkritischer Spieler, doch wie es vor zwei Jahren abgelaufen ist, das war nicht in Ordnung. Man hat mich zu Unrecht in eine Ecke gedrängt, mit der ich in der Folgezeit noch reichlich zu kämpfen hatte. Es kann nicht sein, dass alles nur an einem Spieler festgemacht wird. Ich hatte von Beginn an Null Kredit beim Publikum, Rückendeckung vom Verein gab es dabei nicht. Da ist es natürlich schwer, den Knoten zu durchschlagen.

Oft wurde von den "problematischen Typen" gesprochen. Stimmte die Einschätzung?
Die Truppe hatte einen sehr schwierigen Charakter, das ist wahr. Da hat es in vieler Hinsicht an Harmonie gemangelt. Egosimus stand im Vordergrund, damit steht sich der MSV bis heute selbst im Weg. Beim VfL, bei Alemannia Aachen oder jetzt in Almelo wird nicht über einen, sondern mit einem geredet. Da kannst du auch Erfolg haben.
Wem drücken Sie im Derby die Daumen?
Dem VfL - und zwar beide Daumen! Ich bin gebürtiger Bochumer, habe beim VfL die Möglichkeit erhalten, Profi zu werden. Da ist schon ein besonderer Bezug da. Trotzdem wünsche ich Duisburg, dass sie in der Liga bleiben. So verbittert bin ich nicht, dass ich dem MSV nur noch Schlechtes mit auf den Weg gebe.
Spielt Bochum irgendwann mal vor knallvollen Rängen?
Die Nähe zu Gelsenkirchen und Dortmund ist nun mal problematisch, die Zahl auf über 25.000 zu erhöhen, dürfte schwierig sein. Aber man kann auch im Schatten der großen Vereine seinen eigenen Weg gehen. Die Jugendabteilung leistet hervorragende Arbeit, es kommen immer wieder Talente nach oben. Der VfL hat es immer geschafft, seine Nische zwischen Schalke und dem BVB zu finden. Aktuell sind die Bochumer die Nummer zwei im Revier. Ein Riesen-Erfolg.

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