13.01.2008

Sponsoring

Abhängigkeit führt Vereine in Ruin

Der Mann mit dem Koffer voller Geld, er ist aus dem hiesigen Amateurfuß­ball so gut wie verschwunden und die Umschläge mit den schönen Scheinen bleiben aus.

Wo ist er denn hin, fragen sich viele Spie­ler. Einer dieser Gönner, wegen deren finanzieller Alleinherrschaft ein Ver­ein in den Konkurs gehen musste, war „Ötte“ Weisenstein.

[box_rsprint]1990 trat der Unternehmer den Vorsitz beim SV Rotthausen an, wo er in den 1960er Jahren im Sturm spielte. Der Tradi­tionsclub aus dem Gelsenkirchener Süden schaffte dank der finanziellen Anstrengungen des Mäzens vier Auf­stiege binnen sechs Jahren und kam 1995 in der Oberliga Westfalen an. Drei Saisons kickten die Schwarz-Gel­ben in der vierthöchsten Spielklasse, der Abstieg 1998 wurde mit der sofor­tigen Rückkehr in die Oberliga korri­giert. Mitten in der Serie 1999/2000 stieg Weisenstein, der seinen Rückzug vorher mehrfach angekündigt hatte, aus. Die Spieler suchten sich flugs neue Clubs, die Mannschaft trat zur Rückrunde nicht mehr an. Der 1912 gegründete Verein verschwand in den Geschichtsbüchern, unter dem Namen SSV Rotthausen 2000 starteten alte SVR‘ler in der Kreisliga C einen Neu­anfang, 2004 fusionierte man mit dem FC Achternberg zum heutigen SSV/FCA Rotthausen und kickt in der Bezirksliga Staffel 13.

Der Aufstieg und Niedergang des SV Rotthausen ist beispielhaft für die Abhängigkeit von einzelnen Spon­soren. Andere Clubs, die wie Phönix aus der Asche aufstiegen und relativ schnell wieder in Staub aufgingen, sind im Revier Post Recklinghausen und der VfR Sölde.

Die Blau-Weißen aus dem Vest, bei denen der langjährige Bundesliga-Profi Martin Max das Tore schießen lernte, schafften es 1997 ebenfalls bis in die Oberliga Westfalen, allerdings dauerte der Aufstieg von der Kreis­liga bis dorthin zwei Jahrzehnte. Zwei Jahre konnte man an der „Langen Wanne“, das Stadion war 1973 fertig gestellt worden, sogar Oberliga-Fuß­ball bewundern, was leider nicht viele interessierte. Post spielte quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Der Oberliga-Schnitt lag gerade bei etwa 200 Zuschauern. Ein fast typisches Symptom für die gebrochene Reck­linghäuser Fußball-Tradition.

Dem langsamen Aufstieg in die Oberliga folgte ein rasantes Ende. Zu Beginn der Saison 1999/2000 stellte sich heraus, dass sich der Verein übernommen hatte. Nach wenigen Wochen der Saison wurden die Reck­linghäuser wegen des totalen Finanz­kollapses aus der Wertung genommen. „Gewisse Abgaben wurden seinerzeit nicht an das Finanzamt geleistet und wir haben schließlich Insolvenz ange­meldet und dies als erster und bis­her einziger Verein in Deutschland mit dem alten Namen überstanden“, bemüht sich der heutige Präsident Niko Merteventzis wenigstens noch etwas Positives im großen Scheitern zu sehen. „Selbst nach der Insolvenz hatten wir noch 96.000 DM Schulden. Es fand sich niemand, der den Posten des ersten Vorsitzenden übernehmen wollte. Da habe ich den Job angetre­ten.“ [infobox-right]RS-Spezial: Sponsoring im Amateurfußball

Dieser Text stammt aus dem achtseitigen RS-Spezial aus der aktuellen Sonntags-Ausgabe des RevierSport.[/infobox]

Sölde von 1989-97 in der Ober­liga, schrammte in der Saison 1991/92 unter Trainer Ingo Peter haarscharf sogar haarscharf am Aufstieg in die Zweite Bundesliga vorbei. Triebfeder und Geldgeber des rasanten Sölder Aufstiegs von der Bezirksklasse bis in die Oberliga war der selbstän­digen Geschäftsmann Rainer Röhr, der 1997 mit seinen Bemühungen am Limit angelangt war und den Geld­hahn zudrehte. Der Begriff „beruf­liche Überlastung“ wurde genannt, was sicherlich nicht hundert Prozent seines Entschlusses ausmachte. Auf Nachfragen gestand Röhr ein: „Es gab andere Strömungen im Verein, wo es mir einfach keinen Spaß mehr gemacht hat.“

Im Dortmunder Südosten war der Traum vom hochklassigen Fußball jedenfalls schlagar­tig vorbei. Inzwischen kickt der VfR in der Kreisliga A, immerhin konnte dank der ehren­amtlichen Hilfe einiger VfR-Freunde die Auf­lösung des Clubs ver­mieden werden. Einer von ihnen ist Sascha Kallweit -als Spie­ler, Jugend-Trainer und Internet-Operator Multi-Funktionär im Verein. „Manch­mal werden wir auf anderen Dort­munder Plätzen auch wegen unserer großen Vergangenheit verspottet. Wenn man mal oben gestanden hat, trifft einem nach dem Absturz halt die Häme, obwohl keiner von uns wirklich etwas mit dem alten VfR zu tun hatte. Aber so ist das nun mal im Fußball“, winkt Kallweit leicht resigniert ab.

„Machern“ wie „Ötte“ Weisen­stein und Rainer Röhr ist sicher nicht vorzuwerfen, nicht alles für „ihren“ Verein getan und gewollt zu haben. Beide allerdings vermochten es nicht, gesunde Strukturen zu schaffen, die einen Crash aus den oberen Etagen des Amateur-Fußballs hätten abfe­dern können. Alles Geld wurde in die erste Mannschaft gesteckt, der Unterbau mit Jugend- und Reservete­ams vernachlässigt. Heute fristen die genannten Vereine ihr bescheidenes Dasein in den Niederungen des Fuß­balls, Luftschlösser werden in Rott­hausen, Recklinghausen und Sölde nicht gesichtet.

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