12.07.2018

Kommentar

Jetzt ist Kroatien bei der WM alles zuzutrauen

Foto: Firo

Ist Frankreich tatsächlich Favorit im WM-Finale? Die Leidenschaft des Herausforderers spricht dagegen. Ein Kommentar.

Sie trafen sich beim Nato-Gipfel in Brüssel, und sie verabredeten sich für Sonntag in Moskau. Kroatiens Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron werden sich auf der Ehrentribüne des Luschniki-Stadions wiedersehen – wenn sich die Nationalmannschaften ihrer beiden Länder zum Endspiel um die Weltmeisterschaft gegenüberstehen.

Frankreich – konnte man erwarten. Kroatien – war allenfalls zu vermuten. Man ist geneigt, dem Team der größeren Nation die Favoritenrolle zuzuschieben, doch bei dieser WM geschah schon so viel Unerwartetes, dass beim Tippen des Finalresultats durchaus auch Würfelbecher hilfreich sein könnten.

Und überhaupt: Wer würde es jetzt noch wagen, diese Kroaten zu unterschätzen? Sie sind vollgepumpt mit Adrenalin, sie gehen an ihre Grenzen und manchmal darüber hinaus, sie kämpfen mit Herz und Hingabe für ihre Mitspieler, für ihre Fans, für ihr Land. Rückstand? Jetzt erst recht. Verlängerung? Schon dreimal überstanden. Elfmeterschießen? Kein Grund zur Panik.

Kroatien: Kleines Land mit großen Spielern

Die Geschichte des kleinen Landes ist die eine – die der großen Spieler die andere. Mittelfeld-Genie Luka Modric von Real Madrid als Kopf des Teams, der frühere Schalker Ivan Rakitic vom FC Barcelona als Strippenzieher, der frühere FC-Bayern-Stürmer Mario Mandzukic von Juventus Turin als jederzeit gefährlicher Torjäger: lauter international längst auf allerhöchstem Niveau erprobte Top-Stars, die keinen Gegner fürchten müssen. Und die wissen, dass sie ihre beeindruckenden Karrieren jetzt krönen können.

Emmanuel Macron weigert sich übrigens, einen Tipp abzugeben. „Ich mache nie öffentliche Voraussagen, weil ich abergläubisch bin“, sagt er. Kolinda Grabar-Kitavic ist weniger zögerlich. Sie kündigt an, Macron möge sich auf Frankreichs Niederlage einstellen: „Wir werden gewinnen.“ Damit schließt sich die Staatspräsidentin der Haltung der Spieler an. Und dabei handelt es sich um Mut, nicht um Übermut.

Autor: Peter Müller

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