21.06.2018

Neuers Schalker Abstiegsthese

Der Faktencheck

Foto: firo

Der Torwart behauptet, dass er Schalke 2010/2011 vor dem Abstieg gerettet hat – ein Faktencheck. Richtig ist: Die Ablöse sicherte die Lizenz.

Fern der Heimat hat Nationaltorwart Manuel Neuer die Schalker Fans mit einer provokanten These verärgert: Neuer hat behauptet, dass Schalke ohne ihn in der Saison 2010/2011 aus der Bundesliga abgestiegen wäre.

In einem Interview mit der Sport-Bild sagte Neuer: „Was ich damals nie gesagt hätte, aber meine Überzeugung ist: Wenn ich in der Saison 2010/2011 nicht auf diesem Niveau gespielt hätte, wären wir mit Schalke abgestiegen.“

Das ist starker Tobak, weil Neuer sich so über die anderen Spieler im damaligen Kader stellt; über Spieler wie Raúl, Benedikt Höwedes oder Klaas-Jan Huntelaar. Aber was ist dran an der Behauptung? Ein Faktencheck.

44 Gegentore in 34 Spielen
Neuer machte damals alle 53 Pflichtspiele der Saison mit, seine Stellvertreter Mathias Schober und Lars Unnerstall kamen nicht zum Einsatz. In der Bundesliga kassierte Neuer 44 Gegentore in 34 Spielen. Damit hatte Schalke die viertbeste Abwehr der Liga. Und das, obwohl die Mannschaft in der Abschlusstabelle nur auf Platz 14 landete. Das spricht für Neuer, der damals tatsächlich herausragend war.

Das wichtige Frankfurt-Spiel - und der Patzer

Doch wäre Schalke ohne den Torwart womöglich wirklich abgestiegen? Schalkes Klassenerhalt stand damals rein rechnerisch erst am 33. Spieltag fest – trotz einer 1:3-Heimniederlage gegen Mainz. Auf einem Abstiegsplatz rangierte Schalke tatsächlich vom 3. bis zum 12. Spieltag – im zweiten Jahr unter Felix Magath war die Bundesliga-Hinrunde ein Desaster. Richtig Angst vor dem Absturz hatte man am 26. Spieltag, als eine Heimpleite gegen Frankfurt drohte – übrigens auch nach einem Fehler von Manuel Neuer: Der kassierte durch Tzavellas ein Gegentor aus 73 Metern. Am Ende bewahrte Winter-Einkauf Angelos Charisteas die Schalker mit seinem einzigen Treffer zum 2:1-Sieg vor dem Sturz in die Abstiegszone – es war das letzte Spiel von Magath. Unter dessen Nachfolger Ralf Rangnick schaffte Schalke dann sicher den Klassenerhalt und holte den DFB-Pokal. Bei der Siegesfeier am Tag danach erhielt Neuer eine Backpfeife von einem Schalker – Grund war der Wechsel zum FC Bayern.

Die Ablösesumme war wichtig für die Lizenz
Damals pfiffen ihn die königsblauen Anhänger gnadenlos aus. „Und das, obwohl ich eine Super-Leistung gebracht habe. Ich wurde Fußballer des Jahres“, so Neuer im Interview mit der Sport-Bild. Er glaubt, dass er Schalke so vor dem vierten Abstieg aus der Bundesliga gerettet hat, aber das ist hypothetisch.

Fakt ist indes nach WAZ-Informationen: Ohne Neuers Wechsel zum FC Bayern wäre es für Schalke in anderer Hinsicht eng geworden. Der Klub war nach Magaths Kaufrausch klamm – die Ablöse für Neuer (20 Millionen Euro plus Boni) waren wichtig, damit Schalke überhaupt die Lizenz bekam.

Autor: Manfred Hendriockund Marian Laske

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