17.06.2018

Hamborn II

Hans Herr erlebte keinen Abschied nach Maß

Foto: Markus Joosten

Der Trainer der 07-Reserve konnte sein Team nicht in der Bezirksliga halten. Einen Mangel an Qualität sah er aber nicht als Grund dafür an.

Seinen Abschied nach zehn Jahren als Trainer und über doppelt so langer Tätigkeit bei den Fußballern von Hamborn 07 hatte sich Hans Herr freilich anders vorgestellt. Gerne hätte der Coach die Reserve der Löwen als Bezirksligist an seinen Nachfolger Armin Dimmel übergeben. Doch daraus wurde nichts. Ein Jahr nach dem souveränen Aufstieg muss sein Team durch die 1:6-Abschlusspleite bei der DJK Adler Union Frintrop wieder zurück in die Kreisliga A. Der VfB Lohberg hatte zwischenzeitlich mit einer Führung beim TuS Bergeborbeck sogar noch mitgespielt. Am Ende stand es 3:3, so dass Hamborn elf Tore hätte aufholen müssen, um Bergeborbeck noch vom Relegationsplatz verdrängen zu können. Doch sein Team machte nicht einmal ansatzweise seine Hausaufgaben in Frintrop. Und das war für Hans Herr nicht die erste bittere Pille.

„Wenn man ein so entscheidendes Spiel so hoch verliert und zuvor in den wichtigen Spielen gegen Meiderich und Bergeborbeck keinen Punkt holt, ist man am Abstieg selbst schuld“, will sich der Coach auch nicht auf den Rückzug des 1. FC Mülheim einschießen, der die Löwen sechs Punkte kostete und das Abrutschen unter den Strich zur Gefahrenzone bescherte. „Ob es ansonsten gereicht hätte, ist schwer zu sagen“, so Herr. „Allerdings ist der Druck dadurch gewachsen, womit die Jungs scheinbar nicht so gut umgehen konnten.“

Zahlreiche Ausfälle zu verkraften

Als viel entscheidender sieht der Trainer die Ausfälle an, die sein Team verkraften musste. Mittelfeldkopf Ramazan Ünal musste Herr an die „Erste“ abgeben, Torjäger Admir Turudija kam aufgrund seines zweiten Kreuzbandrisses gar nicht zum Einsatz, Abwehrchef Christoph Gülden konnte verletzungsbedingt nur eine Handvoll Spiele absolvieren, Mittelfeldmotor Kevin Hesse verpasste aus privaten Gründen fast die gesamte Rückserie. „Das sind alles Garanten für unseren Aufstieg gewesen. Solche absoluten Leistungsträger konnten wir in der Anzahl und über die Dauer einfach nicht ersetzen“, sagt der Coach. Und auch hoffnungsvolle Neuzugänge wie Maurice Hörter reihten sich in die Schlange der Ausfälle ein.

Was die sportliche Statistik angeht, scheint die Ursache für die 20 Niederlagen, denen je sechs Siege und Unentschieden gegenüber stehen, schnell gefunden zu sein. 108 Gegentore sind der Negativrekord in der Gruppe 3. Doch Hans Herr sucht das „Übel“ genau auf der anderen Seite. „Wir haben oft einen sehr guten Fußball gespielt und gezeigt, dass wir die Qualität für die Bezirksliga haben. Aber wir haben viel zu wenig aus unseren Chancen gemacht“, erklärt der Trainer die Anzahl von 43 erzielten Treffern. „Uns hat die Durchschlagskraft gefehlt. Statt in Führung zu gehen, sind wir so oft in Rückstand geraten. Häufig haben wir dann auf den Ausgleich gedrückt und aufgemacht, wodurch wir dann oft hoch verloren haben.“
Herr: „Charakterlich ist das eine Top-Truppe“
Der Teamgeist aber habe darunter nicht gelitten, versichert der Coach. „Die Jungs haben sich auch bei hohen Niederlagen nicht zerfleischt. Charakterlich ist das eine Top-Truppe.“ Dass diese Truppe trotz Teamgeist und Qualität abgestiegen ist, „ist natürlich bitter für den Verein“, sagt Herr. „Die Mannschaft muss sich jetzt neu sortieren, und ich hoffe, dass es nicht lange dauert, bis sie wieder zurückkommt.“

Fest steht für Hans Herr, dass er nun erst einmal eine Pause braucht, die ihm gut tun werde, wie er sagt. Und eine Sache hat er in zehn Jahren als Trainer bei Hamborn 07 gelernt. „Egal ob Aufstieg oder Abstieg, man lernt immer etwas daraus. Man muss das Positive rausziehen und wieder aufstehen.“

Autor: Sven Kowalski

Kommentieren

Mehr zum Thema