09.05.2018

VfB Homberg auf Aufstiegskurs

Regionalliga – geht das?

Foto: revierkick

Am Ende einer starken Saison stellt sich der VfB Homberg eine unerwartete Frage. Grundsätzlich hält Vize-Vereinschef Wolfgang Graf den Aufstieg für machbar – doch an Abenteuern hat er kein Interesse.

Ein Abteilungsleiter eines Fußball-Oberligisten hat für gewöhnlich alle Hände voll zu tun. Auch Wolfgang Graf ist beim VfB Homberg mit vielen Dingen beschäftigt. Dass nun noch ein mögliches Aufstiegsszenario in den Fokus der Gelb-Schwarzen gerückt ist, macht es dem Vize-Boss der Homberger nicht einfacher. Und da die Betonung auf „mögliches“ liegt, beschäftigt sich Wolfgang Graf aktuell vor allem mit einer Sache, wie er sagt: „Mit ganz viel Konjunktiv.“

Sicher ist nur, dass aus sportlicher Sicht nichts sicher ist, was den Aufstieg in die Regionalliga angeht. „Die Meisterschaft wird nur über Homberg entschieden werden“, weiß Graf, dass der vier Punkte entfernte Spitzenreiter Spvg Schonnebeck am vorletzten Spieltag noch an den Rheindeich kommt. „Aber wir haben den Aufstieg nicht in der eigenen Hand.“ Lassen Schonnebeck und der einen Zähler dahinter liegende Tabellenzweite SV Straelen nichts mehr liegen, kann Graf für die Oberliga planen. Doch da Schonnebeck erst am 27. Mai nach Homberg kommt und der VfB bis Ende des Monats Absichtserklärungen an den Westdeutschen Fußball-Verband bezüglich der Erfüllung der erteilten Auflagen einreichen muss, muss der Abteilungsleiter zweigleisig – und eben viel im Konjunktiv – denken. „Dass wir von Schonnebeck und Straelen abhängig sind, macht es nicht einfach.“

Das betrifft auch die Gespräche mit Duisburg-Sport. Die Stadt als Eigentümer des Stadions muss in die für die Regionalliga erforderlichen Baumaßnahmen einwilligen und diese möglichst auch finanziell unterstützen. Mit Blick auf das Thema Sicherheit ist ein abgetrennter, 800 Zuschauer fassender Gästeblock erforderlich. „Die Gespräche mit Duisburg-Sport laufen“, berichtet Wolfgang Graf, „und wenn ich richtig verstanden habe, wird man uns nicht im Stich lassen.“

Weiterer Block als Option

Auf der Gegengerade im Stadion steht bereits ein circa 1500 Zuschauer fassender Bereich zur Verfügung. „Diesen könnte man ganz simpel mit Zäunen abgrenzen, das wäre aber unschön“, denkt Graf auch an die Einrichtung eines weiteren Blocks in der Ecke zwischen Gegengerade und der Torseite an der Dammstraße. „Die Frage ist: Müssen wir diese Entscheidungen schnell treffen oder haben wir noch etwas Zeit?“, weist Graf erneut auf die sportliche Situation hin. Und da muss das VfB-Team heute zunächst seine Hausaufgaben bei Schwarz-Weiß Essen machen.

Fest steht für Graf aber: „Ich halte es auch für die Zukunft sinnvoll, das Stadion in Sachen Sicherheit aufzuwerten. Auch hinsichtlich einer möglichen Ausweichspielstätte für andere Klubs.“ Das wäre für relativ kleines Geld möglich und in der Sommerpause umsetzbar, meint der Abteilungsleiter. Und Graf betont: „Zur Sportstadt Duisburg gehört auch die Enklave Homberg.“

Zu 90 Prozent hast du überschaubare Zuschauerzahlen
Wolfgang Graf

Dass das Stadion auch im aktuellen Zustand für größere Veranstaltungen taugt, hat es zudem schon bewiesen. Im Testspiel gegen Galatasaray Istanbul brachten die Homberg vor acht Jahren problemlos über 5000 Zuschauer unter. Damit ist in der Regionalliga selbst gegen den Wuppertaler SV nicht zu rechnen. Und selbst diese Zuschauermagneten machen einen Bruchteil der Liga aus. „Zu 90 Prozent hast du überschaubare Zuschauerzahlen“, sagt Graf.

Die Baumaßnahmen sind jedoch nicht der einzige Konjunktiv, mit dem sich der VfB beschäftigen muss. Auch der Kader will für die Regionalliga gerüstet sein. Nach dem 3:0-Sieg gegen Straelen ist Graf der Meinung: „Mit dieser Truppe kann man in der Liga spielen.“ Doch der Vize-Boss sagt auch: „Wir brauchen aber nicht nur elf, sondern 18 bis 19 Mann auf Top-Niveau. Wir müssten in der Spitze breiter werden.“ Mit drei potenziellen Neuzugängen gibt es bereits gute Gespräche. Doch Graf glaubt, dass im Falle des Aufstiegs noch einige folgen müssten. „Mit Euphorie machst du als Aufsteiger viel wett. Das klappt aber nicht über 34 Spieltage gegen Teams, deren Spieler zum Großteil ihren Lebensunterhalt damit verdienen. Und das wird es bei uns nicht geben“, betont Graf.

Brieftasche bleibt geschlossen
Die Brieftasche kann der VfB nicht öffnen. Auch nicht für die bereits vorhandenen Spieler, die sich womöglich auch in ihren Ansprüchen eine Liga höher ansiedeln möchten. „Bei uns geht es nur über Kontakte, ein gutes Scouting und eine enge Vernetzung. Und über das Ehrenamt, vom Betreuer bis zur Frau, die den Kuchen verkauft“, erklärt Graf. „Die Jungs fühlen sich wohl hier.“

Und so wird es aus Sicht des Abteilungsleiters bleiben: „Wir sind um Längen von den Regionalliga-Teams entfernt. Aber wir werden unser Basis-Budget nicht für teure Spieler anfassen. Sportlich wäre die Regionalliga sicher ein Abenteuer für uns. Aber als wir 2006 in die damals viertklassige Oberliga Nordrhein aufgestiegen sind, war es ähnlich. Am Ende waren wir Sechster.“

Was das sportliche Abschneiden angeht, hält der Abteilungsleiter auch in der Regionalliga vieles für möglich. Fest steht für ihn. „Solange unser Vorsitzender Thomas Bungart und ich in Homberg gewählt sind, werden wir den Verein nicht an den wirtschaftlichen Abgrund führen. Nicht für diese Liga.“

Und da gibt’s für Wolfgang Graf auch keinen Konjunktiv.

Autor: Sven Kowalski

Kommentieren

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken