04.05.2018

Kostenfalle 3. Liga

DFB will den Ruf aufpolieren

Foto: Firo

In dieser Saison meldeten zwei Vereine in der 3. Liga Insolvenz an. Finanzielle Probleme sind vorprogrammiert. Der DFB will nun daran etwas ändern.

Pleiteliga, Friedhof des Profifußballs – die 3. Liga gilt in der Branche als große Kostenfalle und hat keinen guten Ruf. Seit der Gründung der eingleisigen 3. Liga zur Saison 2008/09 landeten schon sechs Klubs im Insolvenzverfahren. Nach Rot Weiss Ahlen, Alemannia Aachen, VfR Aalen und dem FSV Frankfurt hat es auch in der laufenden Spielzeit zwei Klubs erwischt: Rot-Weiß Erfurt und den Chemnitzer FC, den DDR-Meister von 1967. Die DFB-Vertreter, die für die 3. Liga zuständig sind, wollen nun den Ruf dieser Spielklasse aufpolieren.

Aus für Erfurt und Chemnitz überraschte DFB-Vertreter

„Wir arbeiten an Lösungen, die beinhalten, dass die Vereine nachhaltig wirtschaften“, betont Manuel Hartmann, zuständig für das Zulassungsverfahren der dritthöchsten Spielklasse im deutschen Fußball.

Wie schwer das Vorhaben umzusetzen ist, verdeutlicht Hartmann: „Die Vereine, die bei uns eine Zulassung für die 3. Liga beantragen, müssen ihre Liquidität für eine Saison nachweisen. Das hat unter anderem rechtliche Gründe. Wir dürfen die Anträge nur für eine Saison prüfen.“ Dass Erfurt, Gründungsmitglied der 3. Liga, und Chemnitz für die laufende Serie die Zulassung erhielten, vor wenigen Wochen aber Insolvenz anmelden mussten, überraschte auch die DFB-Vertreter. „Das war so nicht abzusehen“, erklärt Peter Frymuth, Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Hartmann ergänzt: „Wir haben die Unterlagen geprüft und festgestellt, dass die Liquidität bis zum 30. Juni gesichert ist.“

Warum die 3. Liga für viele Vereine existenzbedrohend ist, liegt auf der Hand: Die Spielklasse, die eine Profiliga ist, kann mit der 1. und 2. Bundesliga finanziell nicht mithalten. Ein Beispiel: Der 1. FC Kaiserslautern erhielt zur aktuellen Zweitliga-Saison elf Millionen Euro aus dem TV-Schlüssel der Deutschen Fußball-Liga. Als Absteiger bekommt der Deutsche Meister von 1998 in der kommenden Drittliga-Serie nur noch 1,2 Millionen Euro. Auch der SV Darmstadt 98 würde bei einem Abstieg nur 1,2 Millionen kassieren – 17/18 waren es satte 15,2 Millionen Euro.

Große Umstellung für Absteiger

„Für solche Vereine ist das natürlich eine große Umstellung. Es kommt nicht von ungefähr, dass 14 von 20 Drittligisten raus aus der Liga wollen. Für viele Klubs ist die 3. Liga nicht ihr natürliches Zuhause“, erklärt Michael Schwetje, Geschäftsführer des SC Fortuna Köln. Er ergänzt: „Wir sind einer der wenigen Vereine, die diese Spielklasse als Segen empfinden – sowohl sportlich als auch in der Vermarktung. Es wird aber immer Vereine geben, die alles unternehmen werden, um schnellstmöglich in die 2. Liga zu kommen.“

Auch der KFC Uerdingen möchte durchmarschieren

Zu diesen Klubs gehören der KFC Uerdingen und Viktoria Köln, die aktuell um den Titel in der Regionalliga West kämpfen. Sollten der KFC oder die Viktoria nach der Meisterschaft auch die Relegationsspiele gegen Waldhof Mannheim erfolgreich bestreiten, haben beide Vereine nur ein Ziel für die nächste Drittliga-Saison: den Durchmarsch in die 2. Liga. „Ab der 2. Liga kann man erst Geld verdienen. Wir wollen so schnell wie möglich dorthin“, betont KFC-Präsident Mikhail Ponomarev. Solange in der 3. Liga kein Geld zu verdienen ist, wird der Ruf der Spielklasse nur sehr schwer aufzupolieren sein.

Autor: Krystian Wozniak

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