16.04.2018

Derby am Sonntag

Bezirksligist schießt gegen den DFB

Foto: Elmar Redemann

Wegen des am Sonntag stattfindenden Bundesliga-Revierderbys zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund wurden deutlich mehr Amateur-Fußballspiele verlegt als bisher angenommen.

Der SV Herbede hat gespielt - und verloren. In der Bezirksliga Westfalen 10 gab es ein 2:6 bei TuS Hattingen. 50 Zuschauer verfolgten das Spiel bei bestem Wetter. Es hätten deutlich mehr sein können, wir reden ja bei 100 Zuschauern schon von einer deutlich erhöhten Einnahme für den Amateurklub aus Liga acht.

Daher schrieb der SV Herbede einen Brief, in dem der DFB scharf angegriffen wird, denn die Unterstützung, die den Amateuren mehrfach angekündigt wurde, gibt es laut des Bezirksligisten nicht. Stattdessen müssen die unterklassigen Vereine immer weitere Abgaben verkraften, in der Folge gibt es immer mehr Rückzüge. Die fangen schon in der Oberliga an, auch in der Bezirksliga 10, in der Herbede spielt, haben in dieser Saison bereits zwei Teams ihren Rückzug verkündet.

Hier die Zeilen des SV Herbede im Wortlaut:

Das Derby am Sonntag

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Namen des SV Herbede 1916 e. V. und wohl auch vieler anderer Amateur-Fußballvereine im Ruhrpott möchte ich mich ganz herzlichen beim DFB-Präsidenten Reinhard Grindel und beim DFL-Präsidenten Reinhard Rauball bedanken. Die oftmals angekündigte, aber nur in Ausnahmefällen umgesetzte Unterstützung der Fußball-Amateurvereine findet an diesem Wochenende endlich einmal statt. Ein ausgetüfteltes Husarenstück von Reinhard & Reinhard und deren Gefolge wie DFL-Geschäftsführer Christian Seifert:

Das Revierderby findet am Sonntagnachmittag um 15:30 Uhr statt. Klasse! Applaus für so viel Unterstützung der Amateure.
Wohlwissend, dass es immer weniger Ehrenamtliche gibt, die die Fußballvereine am Leben erhalten, können sich am Sonntag die wenigen Helferinnen und Helfer frei nehmen und Ersatz muss auch nicht gesucht werden. Denn bei den Clubs im Revier müssen weder Würstchen am Griff umgedreht noch Kaffee verkauft werden, weil noch viel weniger Zuschauer als sonst zu den Amateurspielen kommen. Vielleicht können sich einige Vereine sogar den Kassierer sparen, da kaum jemand die Pforte passieren wird. Was für eine tolle Arbeitserleichterung für die Revierclubs. Vielen lieben Dank an Reinhard, Reinhard und Christian für die innovative Idee.

Aber damit nicht genug: Der Reinhard vom DFB und seine Mitarbeiter werden demnächst weniger Arbeit haben, da sich immer mehr Mannschaften, ja sogar ganze Vereine vom Spielbetrieb abmelden. Das fängt jetzt schon in der Oberliga an und zieht sich bis nach unten in die Kreisliga C durch. Allein in der Bezirksliga 10 zogen in dieser Saison schon 2 Mannschaften zurück.

Übrigens ist es ein Witz, dass Mannschaften, die sich mitten in der Saison aus der Meisterschaft zurückziehen und teilweise den ganzen Spielbetrieb auf den Kopf stellen, in der nächsten Saison nur eine Klasse tiefer wieder an den Start gehen können. Eine Rückversetzung um mindestens 3 Ligen müsste ab der Bezirksliga aufwärts die Folge sein. Aber mit solchen Missständen befasst sich der Reinhard vom DFB offensichtlich nicht.

Das Derby am kommenden Sonntag und generell die Bundesliga-Spiele am Sonntag sind nur ein Grund für Rückzüge von Mannschaften oder ganzen Vereinen. Andere Gründe sind die so prächtige Unterstützung der Amateurvereine: Stets steigende Abgaben an den Verband, Zahlungen für jede Kleinigkeit, obwohl mittlerweile fast alles online läuft, steigende Energiekosten, ja selbst die Sportplätze und deren Unterhalt „dürfen“ die Vereine mitfinanzieren.

Vor der WM im eigenen Land hatte der DFB groß verkündet, dass alle Fußballvereine in Deutschland davon profitieren werden. Bis heute ist bei uns und auch bei anderen Vereinen kein einziger Euro angekommen.

Wenn Reinhard, Reinhard, Christian & Co. so weiter machen und nur die Interessen der Bundesligisten bei Ihnen zählen, braucht der Reinhard vom DFB mangels Amateur-Vereinen keinen Nachfolger mehr.

Mit freundlichen Grüßen

Marcus Hahn

Autor: Christian Brausch

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