18.03.2018

Nicht schön, aber Zweiter

Schalke weiter auf Champions League-Kurs

Foto: firo

Abpfiff, Sprint, Umarmung, Jubeltänzchen. Schalkes Trainer Domenico Tedesco sauste nach dem 1:0 (0:0)-Sieg beim VfL Wolfsburg wie ein Irrwisch aus seiner Coaching Zone in Richtung Torwart Ralf Fährmann.

Schalkes Schlussmann hatte in der 76. Minute beim Stand von 0:0 einen von Matija Nastasic verschuldeten Elfmeter gehalten. Paul Verhaegh schoss, Fährmann flog und parierte. Tedesco: „Da kann man schon mal Danke sagen.“

Fährmann war über seinen flinken Trainer wenig überrascht. „Er ist schon oft mit uns mitgelaufen. Ich weiß, wie viel Schnelligkeit und Temperament in ihm steckt“, so Fährmann lachend. Da der eingewechselte Breel Embolo vier Minuten vor dem Abpfiff mit einer scharfen Hereingabe, die Wolfsburgs Robin Knoche ins eigene Netz bugsierte, den Sieg einleitete, hält die königsblaue Serie an. Schalke schaffte in den letzten fünf Partien fünf Siege, verteidigt dadurch den zweiten Tabellenplatz und geht mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause.

Allerdings war erneut nicht alles gut. Und schon gar nicht alles glänzend. Gerade im ersten Durchgang taten sich Abwehrchef Naldo & Co. Schwer gegen die aggressiven Hausherren. Torchancen waren Mangelware. Ausnahme: Einen feinen Pass von Leon Goretzka leitete Guido Burgstaller an den Fünfmeter-Raum weiter. Von dort zog der aufgerückte Verteidiger Matija Nastasic sofort ab, scheiterte aber am glänzend reagierenden Koen Casteels (41.).

„Für uns war es kein einfaches Spiel. Der VfL Wolfsburg hat ein völlig anderes Gesicht gezeigt als zuletzt bei seiner 0:3-Niederlage in Hoffenheim. Das haben wir aber auch so erwartet“, meinte Tedesco. Sein Trainer-Kollege Bruno Labbadia, der immer noch auf seinen ersten Dreier mit den Niedersachsen wartet, bilanzierte: „Unser Gegner hat in den vergangenen Wochen hart gearbeitet. So etwas wird dann belohnt.“

Dass seine eigene Mannschaft ohne den erhofften Ertrag im Abstiegskampf blieb, wurmte Labbadia, aber er sah trotzdem Positives. „Uns ist gegen den Tabellenzweiten vieles gut gelungen. Wir standen kompakt, waren eng an den Gegenspielern und hatten auch den einen oder anderen Abschluss. Was uns nicht gelungen ist, war ein gutes Ergebnis.“ Labbadia versuchte, seine geknickten Spieler unmittelbar nach Abpfiff aufzurichten. „Ich habe meiner Mannschaft nach dem Spiel gesagt, dass sie gut gearbeitet hat. Dafür können wir uns natürlich nicht viel kaufen – aber darauf können wir aufbauen.“

Domenico Tedesco konnte den knappen Sieg, der wie eine Schablone ins Bild der letzten Wochen passt, genau einordnen. „Am Ende haben wir eine Begegnung auf Messers Schneide für uns entschieden“, so Tedesco. Dass das viel zitierte Match-Glück erneut zu Schalkes Gunsten kippte, war auch dem Deutsch-Italiener bewusst. „Wenn man beim Stand von 0:0 einen Elfmeter gegen sich bekommt und dieser dann pariert wird, ist das vielleicht auch ein Quäntchen Glück.“ Aber das hat, so sagt es zumindest ein Sprichtwort, nur der Tüchtige. Tedesco: „Unser Torwart-Trainer Simon Henzler und Ralf Fährmann bereiten sich immer sehr akribisch auf die Elfmeterschützen des Gegners vor. Das wurde heute wieder einmal belohnt.“ Bereits vor einigen Monaten, als Verhaegh noch für Augsburg spielte, parierte Fährmann einen Strafstoß gegen ihn.

Dass zum Schalker Sieg auch noch ein gegnerisches Bein herhalten musste, passte zum denkbar knappen Erfolg – und zu Schalkes augenblicklicher Effektivität. „Unser Treffer ist dann natürlich etwas glücklich gefallen, aber unterm Strich hatten wir vielleicht auch die etwas besseren Chancen. Zudem haben wir viele Konter verhindert und hatten viel Ballkontrolle, aber im letzten Drittel waren wir nicht zwingend genug“, fasste Tedesco zusammen. Abwehrchef Naldo pflichtete ihm bei: „Es war nicht unsere beste Leistung. Aber wir freuen uns über drei Punkte.“ Nicht schön, aber Zweiter – es gibt Schimmeres.

Autor: Thomas Tartemann

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