10.03.2018

Uhlig über die Heimschwäche

"Hafenstraße darf nie Nachteil sein"

Foto: Thorsten Tillmann

Wir haben uns nach dem 2:3 von Rot-Weiss Essen gegen Wattenscheid 09 mit Marcus Uhlig unterhalten. Der RWE-Boss findet deutliche Worte zu der aktuellen sportlichen Lage der Essener.

Marcus Uhlig, Sie haben jetzt eine Nacht über die Niederlage gegen Wattenscheid geschlafen. Wie ist Ihre Gemütslage?
So gut habe ich leider nicht geschlafen. Ich war am Samstagmorgen erst einmal zehn Kilometer joggen, um den Kopf ein bisschen durchzulüften. Dieses Spiel hat wirklich Nerven gekostet. Wir sind alle brutal enttäuscht. Es ist einfach unverständlich, wenn alle Parameter für dich sprechen und du dann in der Nachspielzeit die Wattenscheider mit ihren Fans feiern siehst. Das hatte nichts mehr mit Pech oder sonst etwas zu tun. Das war Slapstick.

Rot-Weiss Essen ist mit nur zwölf Punkten aus zwölf Heimspielen mit die schwächste Heimmannschaft der Liga. Ist die Hafenstraße mittlerweile ein Nachteil geworden?
Die Hafenstraße darf nie Nachteil sein! Wenn man nach Essen kommt, dann muss man großen Respekt haben. Das ist die Heimat von Rot-Weiss Essen und in unserem Haus muss man uns erst einmal schlagen. So stelle ich mir das vor und nicht anders. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich im Georg-Melches-Stadion in der Kurve stand und in die Gesichter der gegnerischen Spieler geschaut habe. Da habe ich diesen Respekt gesehen. Das müssen wir uns wieder erarbeiten. Die Hafenstraße muss zur einer Festung werden. Wir werden das intern aufarbeiten und schauen, wo die Fehler liegen und diese schnellst möglich beheben. Es kotzt mich einfach an, wenn ich nach dem Schlusspfiff den Gegner in unserem Stadion feiern sehe.

Gegen Wattenscheid gab es wieder Rufe gegen Argirios Giannikis. Nachher wurde der Trainer gar mit Fangesängen verhöhnt und verspottet. Glauben Sie nicht, dass eine vorzeitige Trennung das Beste für beide Seiten wäre?
Ich habe totales Verständnis für die Kritik der Fans, weil die Ergebnisse nicht stimmen. Ich habe auch Verständnis für Ihre Frage. Aber ich bitte Sie auch Verständnis für mich zu haben, dass ich auf diese Frage nicht eingehen werde. Ich kann mich da nur wiederholen: Wir werden uns von niemanden unter Druck setzen lassen. Diese Personalie ist zukunftsweisend und da werden wir keine panischen Entscheidungen treffen. Ich kann allen Fans versprechen, dass wir an der best-möglichen Trainer-Lösung für Rot-Weiss Essen arbeiten! Bis dieser Mann verpflichtet ist, werden wir uns auch nicht an den täglichen, wöchentlichen Spekulationen beteiligen.

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie auf die Tabelle schauen?
Da brauchen wir uns nichts vorzumachen: Der Blick muss nach unten gerichtet werden. Wir müssen alle Sinne schärfen und endlich wieder punkten. Wir wollten ursprünglich das Beste aus dieser Saison herausholen und uns nach oben orientieren. Jetzt müssen wir der Wahrheit ins Gesicht schauen und um jeden Punkt kämpfen.

Was erwarten Sie am Dienstag von der Mannschaft gegen den KFC Uerdingen?
Ich erwarte einen leidenschaftlichen, aufopferungsvollen Kampf von der ersten bis zur letzten Sekunde. Ich sehe das Spiel wie ein Pokalfight an. Wir können auch Uerdingen schlagen, wenn wir die Malocher-Tugenden auf den Platz bringen. Das wollen die Fans auch sehen, dann stehen sie auch wie eine Eins hinter der Mannschaft. Das hat man in Phasen auch gegen Wattenscheid gesehen.

Am Freitag haben Sie Norbert Meier zu Besuch im Stadion Essen gehabt. Wie verlief eigentlich Ihr angekündigtes Kaffee-Gespräch mit ihm?
(lacht) Wir haben uns in der Halbzeitpause nett unterhalten. Norbert hat mir gesagt, dass wir eine richtig gute Mannschaft haben. Danach war aber die Pause auch schon zu Ende. Nach dem Spiel haben wir uns nicht mehr gesehen.

Autor: Krystian Wozniak

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