21.02.2018

RWE-Kommentar

Angst vor Hafenstraße derzeit ein Fremdwort

Foto: Thorsten Tillmann

Auch in diesem Jahr ist die Heimbilanz von RWE sehr mäßig. Angst vor der Hafenstraße gibt es derzeit nicht. Ein Kommentar.

Jahr für Jahr möchte Rot-Weiss Essen den nächsten Schritt machen. Mit dem Ziel, am Ende die Regionalliga endlich zu verlassen. Gefühlt tritt der Verein aber seit Jahren auf der Stelle - zumindest sportlich. Ganz oben dabei war man am Ende nie. Auch, weil es an der Hafenstraße nicht laufen will. Der Begriff Hafenstraßenfußball machte die Runde. Er implizierte, dass der Gegner niedergekämpft wird, in einem Stadion, wo die Zuschauer die begeistert aufspielende Heimmannschaft nach vorne peitscht und der Gegner keine Luft zum Atmen bekommt.

Schöne Theorie, die Praxis sieht anders aus. Selbst Jahn Hiesfeld wünscht sich im Niederrheinpokal-Halbfinale ein Spiel im Stadion Essen. Nicht explizit, weil RWE zuhause Probleme hat. Aber allein der Wunsch, das Heimrecht abtreten zu wollen, um den Finaleinzug in Essen perfekt machen zu können, zeigt: Der Respekt vor dem Auswärtsspiel bei RWE ist in den letzten Monaten nicht größer geworden. Nicht mal mehr der TV Jahn Hiesfeld fürchtet die Hafenstraße.

Zahlen untermauern dies: In dieser Saison hat RWE in der vierten Liga im eigenen Stadion nur drei von elf Partien gewinnen können. Gegen Düsseldorf II und die Kellerkinder Köln II und Rhynern. Macht in der Heimtabelle Platz 13, das Konzept Hafenstraßenfußball besteht derzeit nur auf dem Papier. Im letzten Jahr war RWE zumindest auf Rang fünf in der Heimtabelle, aber auch dort wurden nur acht von 17 Spielen gewonnen, in der Spielzeit zuvor waren es neun von 18 Begegnungen. 2014/15 acht von 17, 2013/14 acht von 18. In keiner der letzten Spielzeiten gab es eine Quote von über 50 Prozent gewonnener Partien an der Hafenstraße. 2012/13 gab es die letzte Bilanz, wie man sie sich vorgestellt hat. 19 Spiele, zwölf Siege.

Kein Wunder, dass man wieder auf der Suche nach Typen ist, die das verkörpern, was RWE ausmacht. Doch die sind scheinbar nicht leicht zu finden. Genau wie ein Trainer, der Argirios Giannikis ablöst, am besten so schnell wie möglich. Giannikis ist im Sommer weg, die Fans wünschen sich einen schnelleren Abgang. Und RWE braucht eine schnelle Lösung, alles andere bringt nur zusätzliche Unruhe in den Verein, vor allem dann, wenn nach der Heimniederlage gegen Bonn auch das nächste Spiel keinen Erfolg bringt. Schließlich haben die RWE-Anhänger schon gegen Bonn gezeigt, was sie von der Trainer-Entscheidung halten, sich im Sommer anderweitig zu orientieren. Da muss er - solange er noch da ist - liefern. Zumal RWE bei einem mehr ausgetragenen Spiel auch die Abstiegsränge noch im Blick haben muss.

Autor: Christian Brausch

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