30.12.2017

DSV 1900

Wo Nagelsmann ein alter Hase ist

Foto: Udo Gottschalk

Seit dieser Saison ist Damian Opdenhövel Co-Trainer beim Landesligisten DSV 1900. Als er das Amt übernahm, war gerade einmal 18 Jahre alt

Als Julian Nagelsmann am 11. Februar 2016 die Funktion des Cheftrainers der TSG Hoffenheim übernahm, war er nicht einmal 29 Jahre alt. Jünger war nur noch Bernd Stöber, als er 1976 als Interimstrainer beim Spiel des 1. FC Saarbrücken gegen den 1. FC Köln auf der Bank der Saarländer Platz nahm. 24 Jahre war er alt – und hatte nur für dieses eine Spiel die Verantwortung. Damian Opdenhövel ist seit Beginn dieser Saison Co-Trainer des Fußball-Landesligisten Duisburger SV 1900. Als er dieses Amt antrat, war gerade einmal 18. Inzwischen ist er 19 – aber rein nominell immer noch ein Teenager.

Es ist unglaublich, wie gut er das macht
Ralf Kessen über seinen Co-Trainer

„Es ist unglaublich, wie gut er das macht“, staunt Ralf Kessen, der Chefcoach an der Düsseldorfer Straße. Bislang hatten er und sein Zwillingsbruder Jörg, der Sportliche Leiter des DSV, die Ausbildungsschiene „nur“ im Spielerbereich bemerkenswert erfolgreich gefahren – nun betreiben die 1900er auch an der Seitenlinie ihre „Jugendarbeit“. Ein personeller Engpass hatte dazu geführt. Volker Dörr, der auch weiterhin Co-Trainer ist, war damals krank – und Ralf Kessen im Urlaub. „Jörg hatte das Training übernommen. Und ich hatte ihm damals gesagt: Nimm den Damian einfach mal dazu.“ Was die beiden Kessens erlebten, verblüffte die beiden MSV-Ex-Profis. „Damian hat taktisch unheimlich viel drauf“, betont Ralf Kessen. „Am Anfang war er verständlicherweise noch zurückhaltend, doch gerade in der Vorbereitung, wird es für die Spieler schnell langweilig, wenn sie jeden Tag dasselbe hören.“ Kessens Idee: Die täglichen Ansprachen sollten wechseln. Mal macht’s der Chef, mal Volker Dörr – und mal eben Damian Opdenhövel. „Er wurde immer selbstbewusster. Und es hat einfach Hand und Fuß, was er sagt, sonst hätten das die Jungs nie akzeptiert“, so Kessen. „Die Mannschaft hat ihn vollständig angenommen.“ Das Fußballverständnis Opdenhövels ist die Grundvoraussetzung dafür – der gute Charakter der DSV-Mannschaft tut sein übriges.

Verletzungspech als Spieler
„Ich wollte unbedingt als Trainer arbeiten“, sagt Opdenhövel selbst. Als Spieler hatte er Pech. Er begann im Nachwuchs des DSV 1900. „Doch schon ab der C-Jugend hatte ich immer wieder Muskelfaserrisse.“ Das bedeutet: sechs Monate Pause, Aufbautraining. „Und nach zwei Wochen hatte ich bereits wieder den nächsten.“ Er schloss sich danach zwar noch den Jugendteams von TuRa 88 und des SV Genc Osman an. Opdenhövel: „Mein Trainer Mustafa Öztürk fragte mich, ob ich nicht zu Genc kommen könnte, um die Abwehr zu stabilisieren.“ Er kam zwar nach Neumühl, doch wirklich gespielt hat er weder für TuRa noch für Genc. „Ich war ständig verletzt. Das letzte Mal, dass ich wirklich auf dem Platz gestanden habe, war in der B-Jugend des DSV.“

Wenn er denn spielte, war er Innenverteidiger. „Ich muss zugeben, ein wirklich guter Spieler war ich nicht. Aber ich konnte das Spiel gut lesen“, sagt der heute 19-Jährige. „Zu Hause habe ich mir immer Gedanken darüber gemacht, was ich, was wir hätten besser machen können.“ Der Weg zum Trainer war da offenbar schon vorgezeichnet.

Diesen Weg hat er nun eingeschlagen. Los ging es mit dem Teamleiter-Jugend-Schein – die weiteren Lizenzen sollen nun, so schnell es geht, folgen. Inzwischen studiert der junge Mann Geschichte und Religionswissenschaft in Münster. „Damian ist ab Freitag bei uns beim Training, macht über das Wochenende mit und fährt zu Wochenbeginn wieder nach Münster. In der vorlesungsfreien Zeit ist er komplett bei uns“, schildert Cheftrainer Ralf Kessen die wenige Freizeit, die Opdenhövel durch sein Engagement bleibt.

Die Situation bleibt dennoch ungewohnt. „Wenn du Respekt willst, musst du ihn dir erarbeiten“, will der Jungtrainer weiter an sich arbeiten – in einer Mannschaft, in der fast jeder Spieler älter ist als er. „Ich will auf jeden Fall beim DSV als Co-Trainer weitermachen.“ Sein Fernziel steht auch schon fest. „Ich will hier lernen, alle Trainerscheine machen, um dann irgendwann verantwortlich eine Mannschaft übernehmen zu können.“

Einen Vorgeschmack bekommt er schon in wenigen Tagen. Ralf Kessen ist wieder im Urlaub: „Daher wird Damian die Mannschaft beim Hallenstadtpokal coachen.“

Autor: Friedhelm Thelen

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