15.12.2017

Hopp befiehlt

Nagelsmann darf nicht zum BVB

Foto: Getty Images

Im Exklusiv-Interview lehnt der Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp eine Freigabe für seinen Trainer in dieser Saison ab.

Dietmar Hopp ist 77 Jahre alt und Milliardär, Mäzen des Bundesligisten TSG Hoffenheim und Präsident des renommierten Golfclubs Sankt Leon-Rot. Anfeindungen in Fußballstadien könnten dem Gründer des Software-Riesen SAP gleichgültig sein. Aber kaum kommt die Sprache auf die Hassplakate gegen ihn, zückt er sein Handy und zeigt Fotos von den Beleidigungen und Angriffen. „Widerlich“, sagt er und erzählt von erfolgreichen Klagen. So kämpferisch zeigt er sich vor dem Gastspiel heute in Dortmund (18.30 Uhr / Sky live) auch, wenn es um seinen Trainer Julian Nagelsmann geht.

Herr Hopp, wenn wir aus dem Westen zum Interview kommen, wissen Sie: Wir kommen an dem einen Thema nicht vorbei.
Lassen Sie mich raten: Das Thema fängt mit N an.

Eher mit J — und läuft auf dasselbe hinaus: Julian Nagelsmann. Können Sie überhaupt noch verhindern, dass er im Sommer 2018 zu Borussia Dortmund wechselt?
Julian weiß, dass wir darauf bestehen, dass der Vertrag, den wir mit ihm geschlossen haben, erfüllt wird. Den Vertrag haben wir im Februar 2016 abgeschlossen, als unsere Situation in der Bundesliga fast aussichtslos war und wir vor dem Abstieg standen, und sollte drei Saisons lang gehen. Ich gehe davon aus, dass er bis zum 30. Juni 2019 bei uns ist — am liebsten länger. Ich mache mir keine Illusionen. Wenn er weiterhin so erfolgreich ist, können wir ihn nicht länger halten. Aber bis zum 30. Juni 2019 bleibt er in Hoffenheim.

Haben Sie mit ihm darüber so deutlich gesprochen?
Er saß drei Meter weg von mir, als ich das bei der TSG-Jahreshauptversammlung sagte. Ich bin sicher er hat das verstanden und akzeptiert.

Hat er nicht angedeutet, dass er, was den Sommer 2018 betrifft, nochmals ein Gespräch führen möchte?
Vor gut einem Jahr gab es eine Vertragsverlängerung bis 2021. Es ist ja nicht so, dass wir ihn auf seinem Anfangsgehalt haben sitzen lassen. Wir haben die Konditionen leistungsorientiert angepasst und haben das gerne gemacht. Aber die Ausstiegsklausel für 2019 konnten wir nicht verhindern. Das abzustreiten, wäre lächerlich. Ich habe das auch nie gemacht.

Warum haben Sie überhaupt eine Ausstiegsklausel gemacht?
Wir hätten sie nicht gemacht, wenn sie innerhalb der Grundlaufzeit bis 2019 gewesen wäre. Bis dahin sollte der Vertrag unantastbar sein. Was danach kommt, ist ein Nice-to-have.

Vertrag hin oder her: Könnten Sie seine Bitte um eine vorzeitige Freigabe überhaupt abschlagen?
Wir müssen uns auch auf etwas verlassen können. Wir müssen langfristig einen Trainer aufbauen, der ihn halbwegs ersetzt. Das kann man nicht in einem halben Jahr. Gespräche würden natürlich die Geschäftsführung und die Sportliche Leitung führen, aber ich wäre dann dabei und würde darauf bestehen, dass der Vertrag bis 2019 erfüllt wird.

Sind Sie glücklich darüber, wenn Julian Nagelsmann mit seinen Stadionbesuchen selbst die Spekulationen anheizt?
Dass er beim Dortmunder Spiel in Mainz auf der Tribüne saß, war seine Pflicht. Wenn er unseren nächsten Gegner nicht beobachtet hätte, wäre das fahrlässig gewesen. Dass er vor Wochen in München saß, im roten Mantel: Ach ja, so ist es eben. Natürlich wünschte ich mir, dass er so klar handeln würde, wie ich es eben gesagt habe. Ich denke auch: Er wird das noch tun.

Wenn Sie sagen, dass er seinen Vertrag bis 2019 erfüllen soll, klingt das nicht so, als ob Sie über die Vorgespräche seines Beraters mit dem BVB Bescheid wüssten. Es gibt einen Grund, warum der BVB den Vertrag mit Peter Stöger nur bis Saisonende laufen lässt.
Davon weiß ich nichts. Ich habe Herrn Kosicke immer als angenehmen, aufrichtigen und fairen Gesprächspartner erlebt.

Können Sie nachvollziehen, dass der BVB in der Karriere von Julian Nagelsmann der richtige nächste Schritt ist?
Aus Sicht von Julian würde ich es mit Ottmar Hitzfeld halten: Es wäre schon sehr früh. Mit Sicherheit hat er bei uns wichtige Erfahrungen gesammelt. Wir sind mehr als zufrieden mit ihm. Und es waren die Originalworte seines Beraters, dass die Zeit in Hoffenheim bis 2019 wertvoll für ihn ist. Darum bin ich überzeugt, dass er gerne bleibt. Julian weiß auch: Hoffenheim hat nicht nur ihm viel zu verdanken — sondern er auch Hoffenheim.

Was gefällt Ihnen persönlich so an Julian Nagelsmann als Trainer?
Er zeigt einen hohen Einsatz, er ist kreativ, hat immer wieder neue Ideen. Ich war richtig begeistert zum Beispiel, wie er die Jungs nach dem 0:3 in Hamburg mit einer völlig ungewöhnlichen Strategie umgestellt hat, nämlich defensiver. Der ist überragend, der Mann.

Das klingt jetzt wirklich so, als sei er nicht zu ersetzen.
Zu ersetzen ist jeder. Aber er ist vermutlich nicht gleichwertig zu ersetzen. Es sei denn, wir finden einen, der bislang völlig unentdeckt ähnliche Qualitäten hat.

Es werden ja schon Namen gehandelt.
Ich halte es für unanständig, dass man zum Beispiel den Trainer von Sandhausen nennt. Wir sind gute Nachbarn. Vor diesem Klub muss man den Hut ziehen. Niemals würden wir in Sandhausen wildern. Völlig ausgeschlossen. Oder Kiel. Mit diesen Spekulationen kann ich auch nichts anfangen.

David Wagner wurde auch genannt. Der Trainer von Huddersfield in England.
David Wagner gefällt mir. Er war schon Trainer in Hoffenheim, wir kennen ihn. Wir waren traurig, als er gegangen ist und dann auch noch Jonas Hofmann mitgenommen hat.

Von David Wagner haben Sie eine gute Meinung?
Eine hervorragende Meinung! Mein Bruder hat einen engen Freund in Huddersfield. Der erzählt, wie großartig David Wagner dort arbeitet.

Bitte sehen Sie mir meine Penetranz nach. Was ich so in der Branche höre, wäre das perfekte Szenario wohl: Wagner kommt im Sommer nach Hoffenheim — und Nagelsmann darf für eine Rekordablöse von zehn Millionen Euro nach Dortmund. Alle würden ihr Gesicht wahren.
Davon weiß ich nichts. Meine Meinung habe ich ja klar gesagt. Aber ich würde vor dem den Hut ziehen, der bei uns auf die Idee gekommen ist, David Wagner zurückzuholen.

Da schwingt eine gewisse Sympathie für diese Lösung mit.
In dem von mir benannten Zeitrahmen.

Was an Hoffenheim auffällt: Sie bringen wunderbare Spieler und offenbar gute Trainer hervor — aber ihr Glück suchen die dann woanders. Süle und Rudy, jetzt Uth und Nagelsmann. Wie sehen Sie die Rolle von Hoffenheim in der Bundesliga?
Wir können uns nicht mit den großen Klubs vergleichen. Das fängt schon bei der Stadionkapazität an. Wir haben noch eine lange Wegstrecke vor uns, bis wir in eine andere Größenordnung kommen. Eine Komponente in unserem Erlösblock heißt: Transfer-Einnahmen. Mein Blick lag von Anfang an auf guter Jugendarbeit in Hoffenheim. Als wir mit Hansi Flick als Trainer in die Regionalliga aufstiegen, übertraf das schon meine Erwartungen. An Bundesliga hat damals kein Mensch gedacht.

Jetzt sind Sie aber dabei. Haben Sie keine Titelambitionen?
Wenn wir die hätten, würde ich sagen: Ich bin hier nicht mehr der richtige. Ich bin ein glühender Verfechter von Financial Fairplay. Gleichwohl ich zugeben muss: Die TSG Hoffenheim würde es nicht geben, wenn es die Regelung, dass man nur ausgibt, was man einnimmt, schon vor zehn Jahren gegeben hätte. Ich habe investiert in ein Trainingszentrum und eine Mannschaft, die mitspielen konnte, und habe jahrelang Verluste ausgeglichen. Aber ich wollte immer, dass der Verein auf eigene Beine kommt, und meinen Erben nicht den jährlichen Zuschuss zumuten. Seit 2012 habe ich nichts mehr einschießen müssen. Dafür müssen wir jedes Jahr im Schnitt einen Transferüberschuss von fünf bis zehn Millionen erzielen.

Darum dürfen Ihre Spieler wechseln?
Uns ist klar, dass Spieler gehen wollen. Wir achten darauf, die Verträge frühzeitig zu verlängern, am besten zwei Jahre vor Ablauf des Vertrags, damit wir nicht bei einem auslaufenden Vertrag leer ausgehen. Geht das nicht, soll der Spieler ein Jahr vor Vertragsende verkauft werden.

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Autor: Pit Gottschalk

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